Viele mittelständische Unternehmen in Deutschland produzieren zahlreiche unterschiedliche, zum Teil komplexe Bauteile in eher kleinen oder mittleren Serien. Wie groß diese Herausforderung sein kann, verdeutlicht das Beispiel Pro Activ. Das Unternehmen hat sich auf die Produktion von Reha-Technik spezialisiert. Am Unternehmenssitz in Dotternhausen entstehen unter anderem rund 2.000 Rollstühle pro Jahr. Bereits seit einigen Jahren setzt das Unternehmen dabei auf Palettenautomation für Einzelmaschinen von Schuler. Pro Activ produziert praktisch alle wichtigen Bauteile für die unterschiedlichen Rollstuhl-Modelle selbst. Geschäftsführer Andreas Sättele erklärt den Hintergrund der hohen Fertigungstiefe: „In diesem sensiblen Bereich geht es um die Mobilität und Lebensqualität von Menschen. Das steht über allem. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen wir auf individuelle Lösungen. Viele Rollstühle müssen an spezielle Bedürfnisse angepasst werden. Die notwendige Qualität bis ins Detail können wir nur sicherstellen, wenn alle entscheidenden Bauteile in unserem Haus hergestellt werden." Dass dieser Anspruch die Produktionsplaner des Unternehmens vor Herausforderungen stellt, liegt auf der Hand. Das Beispiel aus der spanenden Bearbeitung macht dies deutlich: Auf zwei Fräs-Bearbeitungszentren entstehen 2.500 unterschiedliche Teile. Dass dabei die Anlagen in der Vergangenheit nicht miteinander verkettet waren, machte die Produktionsplanung noch schwieriger und bedeutete stets ein gewisses Produktionsrisiko: Fiel eine Maschine aus, mussten Bauteile umgespannt und der komplette Werkzeugsatz zur anderen Maschine gebracht werden. Der gesamte Ablauf wurde auf diese Weise erheblich verzögert. Mit der Investition in zwei neue Bearbeitungszentren, die mit dem LoadMaster Flex von Schuler Automation in Gemmingen verkettet sind, hat Pro Activ nicht nur dieses Produktionsrisiko beseitigt. Zugleich ist die gesamte Fräs-Fertigung in hohem Maße automatisiert und in ihrer Planung vereinfacht. Vollautomatische Be- und Entladung „Ein Großteil der komplexen Logistik, die man für die Herstellung von so vielen unterschiedlichen Bauteilen auf zwei Bearbeitungszentren benötigt, wurde auf das Beladesystem verlagert", erklärt Produktmanager Alexander Winter von Schuler Automation das Grundprinzip der Lösung. Im Detail bedeutet das: 45 Maschinenpaletten und 61 Europaletten, die sich in unterschiedlichen Speicherplätzen innerhalb des vier-etagigen Regalsystems befinden, werden mithilfe des Systems verwaltet. Die Beladung der Werkzeugmaschinen erfolgt voll automatisch. „Im Ergebnis bedeutet das: Die beiden Fräs-Maschinen sind jetzt rund um die Uhr im Einsatz. Die Speicherplätze beinhalten einen Arbeitsvorrat, der für eine Maschinenlaufzeit von zehn bis 14 Stunden problemlos ausreicht. Das genügt für die Zeitspanne in der Nacht", so Geschäftsführer Andreas Sättele. Der LoadMaster Flex wird an die individuellen Anforderungen angepasst Natürlich wurde das Schuler-Beladesystem auch auf die speziellen Bearbeitungszentren von Pro Activ angepasst. Eine Herausforderung war dabei zum Beispiel, dass die Fräsvorrichtungen sich durch ein hohes Maß an Flexibilität auszeichnen: Sie können bis zu acht verschiedenartige Bauteiltypen auf einmal aufnehmen. Dabei kann entweder eine komplette Bauteil-Serie oder ein einzelner Rohling auf einer Vorrichtung gefertigt werden. Die Laufzeiten pro Maschine variieren auf diese Weise deutlich. „Für den LoadMaster Flex ist das kein Problem. Er verfügt über eine vielseitige Leitsteuerung. Für jede Palette können mehrere Spannstellen im System hinterlegt werden. Der Arbeitsvorrat im System ist jederzeit abrufbar, die Bearbeitungsreihenfolge manuell veränderbar", so Produktmanager Alexander Winter. Eine weitere Anpassung betrifft die Raumverhältnisse: „Wir haben für Pro Activ eine passgenaue Gesamtlösung konstruiert. Der vorhandene Speicherraum wird optimal genutzt, die Rüstplatzeigenschaften sind exakt anhand der Produktionsanforderungen optimiert", erklärt Alexander Winter. Pro Activ-Geschäftsführer Andreas Sättele ist von der Lösung überzeugt: „Die Produktion ist reibungslos angelaufen. Wir konnten mithilfe der Schuler-Automatisierungslösung eine Maschine einsparen und trotzdem die Ausbringungsmenge des gesamten Systems steigern." Angesichts dieses Erfolges überrascht es nicht, dass Pro Activ bereits über eine Erweiterung nachdenkt: Das System soll von derzeit 18 Metern Länge auf rund 43 Meter Länge vergrößert werden. „Wir wollen auf diese Weise unseren gesamten Produktionsablauf optimieren und weiter entwickeln. Der LoadMaster Flex ist ein wichtiger Bestandteil dieses Konzepts", so Andreas Sättele. W