von Hubert Winkler Wer sich als Werkzeughersteller oder Schleifer immer wieder über krumme Hartmetallstäbe ärgert, weiß wie entscheidend die Qualität des Rohstabes für die Maßhaltigkeit von Bohrern und Fräsern ist. Besonders kleine Durchmesser sind davon betroffen. Ihle in Königsbach-Stein, Lieferant von Hartmetall Stäben, hat in eine neue Spitzenlos-Schleiferei investiert und liefert nun präzisionsgeschliffene und vorkonfektionierte Stäbe fast ohne Schlag.
In seine neue Centerless-Schleiferei hat Gerhard Ihle 2009 fast eine Million Euro investiert. In Maschinen, Reinigungstechnik und Schleifschlammaufbereitung. Dazu, in Ergänzung zu Centerless, in eine Rundschleifmaschine zum Stufen schleifen für Stufenwerkzeuge vor allem im PKD-Bereich als zusätzlicher Service für große bekannte Werkzeughersteller. Gerhard Ihle: „Wenn die heute das Maß 4, 998 mm bei mir bestellen, dann bekommen sie das auch.“ Aber zurück zu Centerless. „Wenn sie schon in diese Technologie investieren“, so Gerhard Ihle, „dann in das Beste, das am Markt zur Verfügung steht. Ich will ja auch mit der Qualität meiner Produkte ganz vorne stehen“. Getreu diesem Motto hat er Mitte 2009 drei Centerless-Schleifmaschinen des Schweizer Herstellers Wicki gekauft. „Wicki war für mich die erste Adresse, denn dieser Hersteller hat jahrzehntelanges Know-how im Centerless-Schleifen von Hartmetall“.
Sonderabmessungen in Wochenfrist
Die Anforderungen an die Präzision und Schlagfreiheit von Hartmetallstäben nimmt ständig zu. Zum einen werden die Stückzahlen von Werkzeugen mit immer kleineren Abmessungen immer größer, zum anderen werden auch die geforderten Längen immer größer und die Drehzahlen steigen immer weiter. Bisher hat sich der Markt vor allem bei Schleifereien in Norditalien mit präzisionsgeschliffenen Stäben versorgt. „Aber da auch die geforderten Lieferzeiten immer kürzer und die Losgrößen immer kleiner werden, habe ich die Lücke erkannt und in eine Centerless-Schleiferei für Hartmetallstäbe nördlich der Alpen investiert. Ich bin damit in der Lage“, und das unterstreicht Ihle besonders, „innerhalb einer Woche auch Sonderabmessungen und Sondertoleranzen an meine Kunden zu liefern. Die Zeitersparnis und die vereinfachte Logistik ist für meine Kunden enorm, zumal diese zurzeit mit geringstem oder nicht vorhandenem Lagerbestand wirtschaften müssen“.
Weniger Ausschuss, geringere Lagerkosten
Die großen Werkzeughersteller haben ihre eigenen Centerless-Schleifereien. Aber all die kleinen 20-, 30- oder 50-Mann-Betriebe haben nun in Ihle eine vorteihafte Alternative. Dies sind auch gerade die Betriebe, deren Überleben abhängt von spezialisierten besonderen Werkzeuglösungen und kleinen Sonderserien. Ihle: „Viele von denen haben in Maschinen investiert mit automatischem Werkstückwechsel. Wenn die gelieferten Stäbe nicht schlagfrei sind, dann merken diese Firmen das erst bei der Endkontrolle und beim steigenden Ausschuss. Da wird häufig viel Geld weggeworfen. Schlagfreiheit ist übrigens bei kleinen Bohrern noch wichtiger als bei Fräsern – nicht nur wegen der Stückzahl. Ich liefere diesen Betrieben bei mir geprüfte schlagfreie Rohlinge in kurzer Zeit und minimiere dadurch deren Ausschuss und Lagerkosten. Das ist mein Angebot“.
Jeder Stab wird geprüft und gekennzeichnet
Der Aufwand, den Gerhard Ihle betreibt, um Kunden nur die beste Qualität zu liefern, ist enorm. Die drei Centerless-Maschinen bedeuten nicht, dass an drei Maschinen parallel fertiggeschliffen wird. Um die Qualität zu gewährleisten wird in kleinsten Schritten abgetragen, geschruppt, geschlichtet, poliert. Beim Schlichten läuft jeder Stab 5-6 Mal durch bis die Toleranzen stimmen. Jeder Stab wird anschließend auf Oberfläche, Durchmesser und Rundlauf geprüft und bekommt am Ende seinen individuellen Chargenstempel ‚eingebrannt’.
Die Stäbe von Ihle sind extrem gerade und schlagfrei. Bei kleinen Durchmessern von 3 mm beträgt die Durchbiegung bei einer Länge von 100 mm gerade mal 4 µm. Bei 2 mm Durchmesser und 100 mm Länge liegt die Sollgenauigkeit unter 2/100 mm. Unter 2 mm Durchmesser ist sie definiert nicht mehr zu erzeugen und nur durch Aussortieren zu erreichen. Stäbe mit 10 mm Durchmesser dagegen sind problemfrei mit Durchbiegungen gegen Null zu schleifen. Die Oberflächengenauigkeit der Stäbe ist extrem hoch. Sie liegt in der Regel bei Ra 0,02 mm.
3000 Artikel sofort lieferbar
Das Lager von Ihle ist jedem Schnellschuss gewappnet. 300.000 Stäbe in unterschiedlichen Durchmessern und Längen liegen bereit zur Lieferung. Von Durchmesser 1 bis 40 mm, in 5 Hartmetallsorten und 10 Standardlängen. 3.000 verschiedene Artikel sind sofort abrufbar. Die Hälfte der Aufträge gehen in den Export in 19 Länder: Frankreich, Schweiz, England, Polen, Ungarn, Tschechien bis Indien. 900 aktive Kunden greifen regelmäßig auf das breite Programm von Ihle zu. Es sind, wie gesagt, kleine und mittlere Werkzeughersteller und Schleifer. Aber auch große bekannte Werkzeughersteller sind darunter. Auch Werkzeug- und Formenbauer sowie Maschinenbauer schätzen sein Angebot.
Ihle ist aber nicht nur Lieferant von Hartmetallstäben, er baut auch Trennmaschinen dafür. Drei unterschiedliche Typen sind erhältlich: Preiswerte handbediente Maschinen, solche mit automatischem Schnitt oder mit Stangenvorschub, bis hin zu Maschinen mit automatischem Stangenlader. Dank eines präzisen Längenanschlages kann jedes Maß mit einer Genauigkeit von 0,1 mm geschnitten werden. Spezielle Haltevorrichtungen garantieren Schnitte ohne Ausbrüche auch bei komplexen Außenkonturen. Spezielle Kühlung verhindert Trennrisse und Grate. Neben Werkzeugherstellern benutzen diese Trennmaschinen auch Branchen, die mit Werkzeugen überhaupt nichts zu tun haben. Dentallabors bearbeiten damit harte Werkstoffe für Gebisse, dünnwandige Rohre werden damit ohne Geometrieverletzung geschnitten oder gehärtete Leisten für Messer. Ein Kunde trennt damit auch Ringe von Platinrohren zur Schmuckherstellung. Ein Wermutstropfen fällt allerdings auf das Geschäft mit Trennmaschinen. Gerhard Ihle: „Immer häufiger finde ich billige Nachbauten meiner Maschinen aus dem Ausland – ohne echtem CE-Zeichen und ohne jede Sicherheitseinrichtung. Das tut zwar weh, aber bestraft ist eigentlich der Kunde, der so was kauft“.
Das Labor, spezialisiert auf alle Messungen rund ums Hartmetall, in das Gerhard Ihle vor wenigen Jahren immerhin 600.000 Euro investierte ist gut ausgelastet. „Wir sind damit in der Lage, alle wesentlichen Qualitätsmerkmale für Hartmetalle zu bestimmen. Und das nicht nur zur Sicherung unserer eigenen Produktqualität, sondern auch für Anwender, Werkzeughersteller und Endverbraucher – sowohl in Einzeluntersuchung, als auch bei regelmäßigen Kontrollen. Die High-End-Messgeräte ermöglichen es uns auch, qualifizierte Aussagen über Ursachen von Werkzeugschäden, Werkzeugbruch und Verschleißerscheinungen zu treffen und dies objektiv zu belegen und unsere Kunden objektiv zu beraten. Mit dem Erfahrungsschatz über Hartmetall, den wir uns in vielen Jahren angeeignet haben und unserem breiten Angebot, sind wir eigentlich konkurrenzlos“W