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Das Fräs-Monster

von HUBERT WINKLER WNT in Kempten ist die Vertriebsorganisation für Zerspanungswerkzeuge bei Ceratizit und zuständig für den Vertrieb ‚in der Fläche‘. Das Programm umfasst 45.000 unterschiedliche Werkzeuge. Sie sind bei Abruf innerhalb von 24 Stunden beim Kunden. Beim Maschinenbauer Weitner in Eichstätt nutzt man die Vorteile des umfangreichen Werkzeugangebotes seit langem. Ein Fräser aus dem Programm, der ‚MonsterMill’, sorgt bei Weitner für Furore. Er fräst ein Spezialteil aus einem Werkstoff an dem sich bislang fast der gesamte Wettbewerb versucht und dabei die Zähne ausgebissen hat.

Die Werner Weitner GmbH ist seit langem Premium-Partner für Unternehmen und Konzerne der Autoindustrie, der Medizintechnik und der Luft- und Raumfahrt. Unterteilt ist das Produktespektrum von Weitner in vier Hauptgruppen: Sonderwerkzeuge, Medizintechnik, Walzen für Laserdrucker und Werkstattausrüstung. Das Geschäft läuft gut. In den zehn Jahren von 1998 bis 2008 waren zehn Prozent jährliches Wachstum Normalität. In Spitzenzeiten beschäftigte Weitner 220 Mitarbeiter bei einer Kernmannschaft von 170 Mann. Seit 30 Jahren wird intensiv der eigene Nachwuchs gefördert. 20 bis 25 Auszubildende in den unterschiedlichen Jahrgängen ist eine enorme Zahl für einen derartigen Betrieb und zeugen von hoher Verantwortung für die zukünftige Generation. Nicht alle können übernommen werden, denn viele gehen nach der Ausbildung auf weiterführende Schulen – und kommen dann mit diesem Umweg wieder zurück..

Partner bekannter Marken

Sonderwerkzeuge für Autowerkstätten gehören schon fast zur Gründungsgeschichte des Unternehmens. Schon zwei Jahre nach dem Start 1968 trat ein bekannter japanischer Automobilhersteller an Weitner heran mit der Bitte, Sonderwerkzeuge zu bauen für die entstehende Kette von Niederlassungen und Werkstätten. Heute nutzen auch andere renommierte Namen wie zum Beispiel Daimler, Porsche oder bei Motorrädern KTM das Sonderwerkzeug-Know-how der Eichstätter. Mit 50 Prozent am Gesamtumsatz beteiligt, ist dies die wichtigste Produktsparte. Mit 25 Prozent folgen spezielle Einzelteile und komplette Baugruppen für medizintechnische Geräte zum Beispiel Computertomographie beziehungsweise Magnetresonanztomographie eines führenden Herstellers. Ein interessantes Segment (zehn Prozent vom Umsatz), ist wegen der hochgenauen Vorgaben, die Fertigung von Präzisions-Walzen für Laserdrucker. Die Durchmesser bewegen sich zwischen 40 und 260 mm bei Walzenlängen bis 1100 mm. Sie sind aus Alu, Stahl, Edelstahl oder kombiniert und bedingen Fertigungsgenauigkeiten im µ-Bereich. Die Rundlaufgenauigkeiten liegen unter 2/100 mm. Die letzten 15 Prozent beinhalten das Eigenprodukt Werkstattausrüstung: Hydraulik, hydraulische Pressen, Hebegeräte, Montage- und Reparaturstände für Motoren und Getriebe für Motorräder, Pkw und Lkw.

In all diesen Bereichen ist das Angebot von Weitner tief gestaffelt: von der Entwicklung über Prototypen zur Serie, Lagerhaltung und weltweitem Versand. Unternehmensziel sind immer genauere Teile für elitäre Kunden im High-tech-Bereich – die besondere Nische eben. Das Angebot: Qualität, Präzision und kürzeste Lieferzeiten.

Die möglichen Bearbeitungsverfahren im Haus sind vielfältig und dem breiten Produkte- und Werkstoffspektrum angepasst. Bearbeitet werden Alu, Stahl, verschiedene Edelstahlqualitäten (Medizin), schwer zerspanbare Vergütungsstähle, Molybdänlegierungen (Werkzeuge) und Titan.

Missglückter Crash-Test

Seit zwei Jahren konzentriert man sich bei den Werkzeugpartnern auf wenige aber gute Lieferanten. WNT aus Kempten gehört dazu, hat mit 25 Prozent Anteil sogar die Pole Position. Allein im Werkzeugausgabe-Automaten sind über 300 unterschiedliche WNT-Artikel verfügbar. Der Automat wird als Konsilager von WNT bestückt – bezahlt wird nur was auch verbraucht wurde. Nochmals etwa 300 Werkzeugtypen von WNT sind im zentralen Werkzeuglager beziehungsweise an den Maschinen für spezielle Bearbeitungen.

Josef Dengler und Manfred Apelsmeier, die beiden Fertigungsleiter im Bereich CNC-Fräsen bei Weitner sehen das so: „ WNT hat als Partner zwei entscheidende Pluspunkte. Erstens ein breites Programm von 45.000 hochqualitativen Werkzeugen auf die wir binnen 24 Stunden zurückgreifen können und zweitens das genau auf unsere mittelständischen Bedürfnisse zugeschnittene Zerspanungs-Know-how der aus der Praxis kommenden Anwendungstechniker. Das ist partnerschaftliche Problemlösung auf gleicher Wellenlänge.

Anlässlich einer Schulung unserer Zerspaner seitens WNT wurde uns auch der neue ICR-Fräser aus dem ‚MonsterMill’-Programm vorgestellt. Wir stellten ihn auf eine harte Probe. Ein Crash des Fräsers war unsererseits durchaus geplant. Werkstoff und Parameter würden schon dafür sorgen. Wir warteten, doch der Fräser zog seine Bahnen. Weil der geplante schnelle Crash ausblieb, wandten wir uns anderen Themen zu. Der Fräser zog im Hintergrund weiter seine Bahnen – bis die Maschine programmiert abstellte, um nicht den Schraubstock auch noch in Späne zu verwandeln.“

Versucht und die Zähne ausgebissen

Und Dengler fuhr fort: „Wir hatten ein bestimmtes Bauteil für ein medizinisches Gerät, an dem sich fast schon der ganze Wettbewerb von Werkzeugherstellern versucht und die Zähne ausgebissen hat. Der Werkstoff bewegt sich an der Grenze zwischen V2A und V4A und seine spezielle Legierung mit Chrom-Nickel-Bestandteilen machen ihn besonders zäh. Alle bisher eingesetzten beschichteten VHM-Fräsern versagten, keiner schaffte einen kompletten Schnitt. Da kam uns der MonsterMill gerade recht. Er ist seit vier Monaten täglich im Einsatz. Er besticht durch seinen ruhigen Lauf, seine geringe Leistungsaufnahme und vor allem durch die zehnfache Standzeit gegenüber dem Besten vorher“.

Homogenes Substrat mit hohen neuartigen Bindeeigenschaften

Der Regionalverkaufsleiter bei WNT Aris Maul und der zuständige Anwendungstechniker Bernhard Schlick wussten zwar auch nicht warum andere Fräser versagten, aber sie konnten erklären warum gerade ihr WNT-Fräser Misshandlungen wie im geplanten Crash-Test oder tagtäglich bei Weitner im OKK-Bearbeitungszentrum besteht: „Unser Fräser wurde speziell zum Schruppen und Schlichten von zähen säure- und rostbeständigen Stählen konzipiert. Er besteht aus einem sehr feinkörnigen, zähen Grundsubstrat mit hohen neuartigen Bindeeigenschaften. Das Substrat ist wesentlich homogener als normale Substrate. Beschichtet ist der Fräser mit einer 3400 HV harten Ti 1500 PVD AlTiN Multilayerbeschichtung (Nanolayer) aus 30 Einzelschichten, insgesamt 3 µm dick. Diese relativ ‚dicke’ Beschichtung gewährt hohen Kantenschutz, hohe Verschleißfestigkeit und resultierend lange Standzeit bei Anwendungstemperaturen bis 900 °C, wie sie bei schwerer Zerspanung vorkommen.“

Die ungleiche Drallsteigung verbunden mit hoch positiver Schneide sorgen für ruhigen Schnitt, wenig Mikroschwingungen und damit höhere Standzeit. Der Fräser kann bei Vollnuten eingesetzt werden, besäumen oder auch über Rampen eintauchen. Es ist verfügbar mit Durchmessern von 1,5 bis 20 mm und mit Eintauchtiefen von 1,5 x D oder 2 x D. Der Reibwert der Ti 1500 gegen Stahl beträgt 0,7. Die Kühlung kann wahlweise über eine bei WNT verfügbare Kaltluftdüse, mit Kühlschmieremulsion (wie bei Weitner) und bei einigen Prozessen auch mit Minimalmengenschmierung erfolgen. Für gezielte Schmiermittelzufuhr direkt an die Bearbeitungsstelle ist eine lange Ausführung mit einem inneren Kühlmittelkanal ausgestattet. Bestechend ist die Universalität bei einer Vielzahl problematischer Werkstoffe. Aber gerade damit liegt er im Trend, denn diese hochfesten und zähen Anwendungsfälle nehmen rapide zu.

Die bei Weitner eingesetzten MonsterMill Fräser in Durchmessern von 5 bis 12 mm sind auch im Werkzeugausgabe-Automaten eingespeichert und werden bei Standzeitende wieder an den Automaten zurückgegeben. WNT nimmt sie im geschlossenen Kreislauf zum Nachschleifen zurück. Sie werden entschichtet, neu geschliffen und wieder beschichtet. Manfred Apelsmeier: „Wir lassen diesen Schaftfräser zwei mal nachschleifen und können dabei keinen Unterschied feststellen zwischen neuen und nachgeschliffenen Fräsern.“W

www.wnt.com

www.werner-weitner.com

 



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