Global Player, das sind nicht mehr nur die Großkonzerne, sondern auch, obwohl sie es oft nicht wahrhaben wollen, mittelständische und kleine Unternehmen. Der steigende Wettbewerbsdruck zwingt sie, weltweit zu agieren. Das gilt insbesondere für Unternehmen der Logistikbranche, wie Logistikplaner und -lieferanten. Wer international mitmischen will oder dazu gezwungen wird, muss einerseits die Mitarbeiter auf die Abwicklung internationaler Projekte vorbereiten, und andererseits das erworbene Projekt-Know-how an die Mitarbeiter weitergeben können. Um das gesamte Personal aber nicht zur selben Zeit am selben Ort, wie beispielsweise bei Präsenzschulungen, zu binden, können Computer und Internet, im Rahmen des so genannten E-Teaching eine wertvolle Hilfe sein.
Wissen ist heute ein wichtiger Garant für die Unternehmenssicherung, mit dem man sich umfassende Wettbewerbsvorteile erschließen kann /1/. In mittelständischen Unternehmen wird das Wissensmanagement allerdings häufig mit dem Angebot an Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten gleichgesetzt. Dieser Blickwinkel ist jedoch zu eng. Das notwendige, unternehmensspezifische Wissensmanagement, auch Knowledgemanagement genannt, muss ganzheitlich in die Unternehmenskultur und -struktur eingebettet werden /2/.
Das Know-how mittelständischer Unternehmen ist oftmals personengebunden /3/. Das zeigt sich beispielsweise bei dem ¿Systemadministrator¿, der als einziger die Steuerungssoftware komplexer Materialflussstrukturen beherrscht und dessen Abwesenheit häufig zu logistischen Turbulenzen führt. Daher ist es notwendig, das unternehmensrelevante Wissen für die entsprechenden Mitarbeiter verfügbar zu halten. Das gilt für alle Wissensbereiche, so dass auch beim Personalwechsel das Mitarbeiter-Know-how im Unternehmen verbleibt und durch geeignete Maßnahmen den nachrückenden Mitarbeitern verfügbar gemacht wird.
Die Komponenten eines ganzheitlichen, betrieblichen Wissensmanagements betreffen die
n Identifikation,
n Generierung,
n Entwicklung,
n Vermittlung,
n Speicherung und
n Nutzung von Wissen.
Grundvoraussetzung für das Wissensmanagement ist die Identifikation von relevantem Wissen. Also Know-how, dass es zu sichern gilt und solches, das noch erworben werden muss. Gerade für mittelständische Unternehmen ist es schwierig, redundantes Wissen zu schaffen, so dass beispielsweise Aufgaben des Systemadministrators von einem Dritten übernommen werden können oder dass der Projektmitarbeiter benötigtes Wissen abrufen kann. Die Identifikation von Wissen kann einerseits durch Mitarbeiteranfragen selbst und andererseits durch Befragungen und Analysen festgestellt werden.
Wenn man den Bedarf an Wissen erkannt hat, geht es darum, wie es zu bekommen ist. Das heißt, durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnik, wie zum Beispiel des Internets, oder durch adäquate Bildungsdienstleister lässt sich Wissen bedarfsgerecht erstellen und den entsprechenden Mitarbeitern zur Verfügung stellen.
Die Entscheidung, ob und in welchem Umfang welcher Mitarbeiter mit Wissen weiterentwickelt werden muss, wird in der Phase der Wissensentwicklung getroffen. Nach dieser Entscheidung stellt sich die Frage nach der Art und Weise der Wissensvermittlung. Hierbei lassen sich grob Präsenzschulung, Selbststudium und deren Kombination mit oder ohne multimediale Unterstützung unterscheiden.
Neben der Vermittlung ist die Speicherung von Wissen von entscheidender Bedeutung. Für diese Aufgabe werden in der Praxis häufig Wissensdatenbanken eingesetzt, die relevante Informationen strukturiert speichern und dem Nutzer zugänglich machen. Bei der Umsetzung der erlernten Inhalte in die Praxis zeigt sich dann die Effizienz der Wissensvermittlung.
Bisher waren Präsenzveranstaltungen das gängige Medium für die Schulung der Mitarbeiter. Neuere Entwicklungen zeigen den Trend zum E-Learning, dem Selbststudium mit multimedialer Unterstützung.
Lehren und lernen per Computer
E-Teaching und E-Learning spiegeln die beiden Seiten der E-Education wider. Das E-Learning stellt dabei die Perspektive des Lernenden dar, während das E-Teaching die Sichtweise des Lehrenden verdeutlicht. Im Folgenden wird durchgehend vom E-Teaching gesprochen und somit die Sichtweise des Lehrenden verfolgt.
Beim E-Teaching handelt es sich um eine Kombination aus geführtem Selbststudium und dem Einsatz moderner Informations- und Kommunikationsmedien. Grundsätzlich lassen sich folgende Varianten unterscheiden /4/:
n Computer-based-training, kurz CBT,
n Web-based-training, kurz WBT, und
n Internet-based-training, kurz IBT.
Das CBT umfasst das reine computerunterstützte Lernen. Dabei kommt spezielle Lernsoftware, die von mobilen Datenträgern, wie CD-ROM oder DVD, auf einem Rechner installiert und bearbeitet wird, zum Einsatz.
Das WBT umfasst das Lernen über das Internet. Dabei steht die reine Wissensvermittlung über Internetseiten im Vordergrund. Die weitgehendste Variante stellt das IBT dar. Hierbei erfolgt die Wissensvermittlung in Kombination von Internetseiten und Internet-Zusatzdiensten, wie E-Mail und Chat.
Erfolgskonzept ¿E-Teaching¿
Das E-Teaching zeichnet sich durch die Entkopplung von Zeit und Ort der Wissensvermittlung aus. Die Möglichkeit des Lernenden sich zu jeder Zeit von jedem Ort der Welt und im selbstgewählten Tempo Wissen aneignen zu können, macht das E-Teaching so attraktiv.
Es lassen sich beispielsweise folgende Anwendungsfelder realisieren:
n Mitarbeiterentwicklung,
n Produktschulung und -information sowie
n Kundenschulung.
Der klassische Fall des Wissenstransfers ist die Mitarbeiterentwicklung, die gerade in der dynamischen Umwelt der Logistik von entscheidender Bedeutung ist. Beispielsweise stellt die rasante Entwicklung vom herkömmlichen Spediteur zum umfassenden Dienstleister für Systemlogistik innerhalb eines Jahrzehnts erhebliche Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung. Durch das E-Teaching können die Mitarbeiter höher qualifiziert werden, ohne vollständig aus dem Tagesgeschäft ausgegliedert zu sein.
Hierbei werden die Lerneinheiten auf die spezifischen Unternehmensbelange ausgerichtet und Mitarbeiter mit dem unternehmensnotwendigen Know-how über das E-Teaching ausgestattet.
Ein weiterer Aspekt des E-Teaching-Einsatzes bei der Mitarbeiterentwicklung liegt nicht in der unternehmensinternen Aus- und Weiterbildung, sondern in der Anwendung an Universitäten, Hoch- und Fernschulen. Diese Bildungseinrichtungen beschäftigen sich zunehmend mit der Entwicklung von E-Teaching-basierten Studiengängen /5/. Dadurch wird auch die berufsbegleitende Qualifizierung mit breitem Wissensspektrum möglich. Neben diesen Vollstudiengängen sehen sich Bildungseinrichtungen oft als Dienstleister und bieten Unternehmen ihr Know-How an, um E-Teaching in die Personalentwicklung der Unternehmen zu integrieren.
Im Rahmen von Produktschulungen und -informationen kann das E-Teaching eine Möglichkeit für die effiziente Schulung von Mitarbeitern im Umgang mit und in der Anwendung von eigenen Produkten darstellen. Dadurch kann im Vorlauf und in Ergänzung zu Präsenzveranstaltungen eine Nachhaltigkeit des Wissens und somit eine höhere Qualität im Kundenkontakt erreicht werden. Das gilt sowohl für Lieferanten logistischer Einrichtungen als auch für Logistikdienstleister.
Des weiteren stehen Lieferanten logistischer Systeme oft vor dem Problem, die Mitarbeiter des Kunden für neue Techniken zu schulen. Logistikplaner sollen Kundenmitarbeiter effizient auf veränderte Logistikstrukturen vorbereiten. In der Praxis kommt in vielen Fällen, in denen Unternehmen die Mitarbeiter des Kunden schulen, E-Teaching zum Einsatz. Beispielsweise werden häufig bei der Einführung neuer Software E-Teaching-Einheiten zur Vor- und Nachbereitung von Präsenzschulungen eingesetzt. Ziel ist es, personalintensive Präsenzveranstaltungen so kurz wie möglich zu halten.
Fahrerlos mit E-Teaching
Lernstoffe in der innerbetrieblichen Logistik betreffen das Wissen über den Anlagenaufbau, die eingesetzte Technik und die Steuerungsstrukturen mit der zugehörigen Software. Ein typisches Beispiel stellen Anlagen mit Fahrerlosen Flurförderzeugen dar. Schon während der Anlagenplanung kann das E-Teaching als Informations- und Schulungsinstrument genutzt werden. Konkret können Funktionsweisen, technische Daten und Varianten beispielsweise mit einem virtuellen Anlagendurchgang über ein E-Teaching-Konzept für Entscheider und Anwender zugänglich gemacht werden.
Die Kernanwendung des E-Teachings ist in der Schulung der Mitarbeiter zu sehen, die beispielsweise die Anlagen mit Fahrerlosen Flurförderzeugen im Unternehmen warten sollen. Dabei sind zum einen ein grundsätzliches Schulungskonzept mit den Angaben welcher Mitarbeiter zu welcher Zeit welche Inhalte vermittelt bekommen soll und zum anderen eine Dokumentation des Wissenszuwachses durch Mitarbeitererfahrungen zu unterscheiden.
Das grundsätzliche Schulungskonzept ist Bestandteil der Anlagenplanung und -realisierung. Es muss allerdings während der Anlagenlaufzeit im Unternehmen fortgeschrieben werden. Dabei sollte auch die Dokumentation von Mitarbeitererfahrungen einbezogen und auch dem Mitarbeiter vor Ort zur Verfügung gestellt werden. Beispielsweise bei der Fahrzeugwartung sollte die Möglichkeit bestehen, dass für die Komponenten, wie Fahrwerk, Rahmen, Lastaufnahmemittel, Antrieb, Energiekonzept, Fahrzeugsteuerung, Sensorik und Sicherheitskonzept, alle wartungsrelevanten Daten und Erfahrungen hinterlegt sind. Dadurch hat ein neuer Mitarbeiter die Möglichkeit, sich kurzfristig Besonderheiten bei der Wartung der Fahrzeugkomponenten anzueignen und einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen.
Präsenzveranstaltungen
ohne Zukunft?
Der Trend zu modernen E-Teaching-Konzepten ist nicht grenzenlos. Präsenzveranstaltungen werden weiterhin das vorherrschende Mittel in der Personalentwicklung darstellen. Die starke Stellung der Präsenzveranstaltungen lässt sich durch die oftmals mangelnden Voraussetzungen der Mitarbeiter für das Lernen via Internet erklären. So sind zum einen beim E-Teaching eine hohe Lerndisziplin und -motivation des Lernenden sowie die Kenntnis über den Umgang mit Computern als Grundvoraussetzung für den Erfolg zu nennen. Zum anderen muss beim Lernenden die entsprechende technische Ausstattung vorhanden sein. Dazu gehört der Computer mit leistungsstarkem Internetzugang, da bei E-Teaching-Konzepten die Kombination verschiedener Medien, wie Video, Bild und Ton, zum Einsatz kommt /6/.
Im Falle von Online-Sitzungen muss der Lernende die Lerneinheiten über eine ständige Internetverbindung wahrnehmen. Da die multimedialen Lerneinheiten hohe Datenmengen beinhalten, verlängern sich bei starken Auslastungen des Netzes die Antwortzeiten. Weiterhin stören Verbindungsunterbrechungen oder -verweigerungen sowie Verzerrungen in der Bildschirmdarstellung die Lernumgebung.
Im E-Teaching ist der pädagogischen und didaktischen Gestaltung der Lerneinheiten ein hoher Stellenwert zuzuordnen, da sich der Lernende durch diese Art Selbststudium eigenständig durch den Lernstoff arbeiten muss. Für die Gestaltung von Lerneinheiten in E-Teaching-Konzepten ist somit eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Pädagogik-, IT- und Lernstofffachleuten notwendig.
Die Umsetzung von E-Teaching im Unternehmen bedarf auch einer Anpassung der Unternehmensorganisation. Vor dem Hintergrund, dass Qualifizierung in unserer heutigen Wissensgesellschaft von entscheidender Bedeutung ist, müssen Unternehmen auch die organisatorischen Voraussetzungen, wie Lernräume und eine zeitliche Freistellung der Mitarbeiter, für den Einsatz von E-Teaching schaffen.
Resümee
Globalisierung in der Logistik stellt neue Herausforderungen an die Qualifizierungskonzepte für die Mitarbeiter. Die Realisierung von Projekten in aller Welt und somit die Verteilung der Mitarbeiter über den gesamten Erdball ist in vielen Unternehmen Normalität. In dieser Situation bietet sich die Anwendung von E-Teaching besonders an. Das setzt aber in den Unternehmen eine detaillierte Analyse und Konzeptionierung voraus.
Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass die Kombination zwischen E-Teaching und Präsenzveranstaltungen die Zukunft der Personalentwicklung darstellt. Dabei wird das E-Teaching für die Vor- und Nachbereitungsphasen und die Präsenzveranstaltung zur Fundamentierung der Lehrinhalte eingesetzt. Diese Kombination hat sich für die Produktschulung und -information bereits durchgesetzt. Die Kundenschulung durch E-Teaching steckt noch in den Kinderschuhen.
Grundsätzlich hat die moderne Informations- und Kommunikationstechnik ihren Einzug in den Bildungsalltag von Unternehmen und Gesellschaft gehalten. Dabei ist das E-Teaching eine nicht mehr wegzudenkende Komponente zur Wissensdokumentation und zum Wissenstransfer. n