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Von der Rolle zum Systemgedanken

Von der Rolle zum Systemgedanken

Die Stückgutlogistik in Produktions- und Distributionsunternehmen ist seit Jahren durch hohe Zuwachsraten charakterisiert. Der damit zusammenhängende innerbetriebliche Materialfluss wird mit stetig arbeitenden Fördertechniken und einem hohen Automatisierungsgrad realisiert. Das gilt für alle definierten und mit einer entsprechenden Qualität versehenen Ladeeinheiten und Packstücke. Typische Stückgüter sind Paletten, Kästen, Kleinladungsträger, Päckchen und Pakete. Die Anwendungsfälle liegen in der Verknüpfung von Maschinen, Arbeitsplätzen und Anlagen, aber auch im Bereich des Wareneingangs und -ausgangs, des Lagers und des Lagervorfeldes von großen Logistikzentren.
Für diese Aufgabenstellungen ist Interroll ein profilierter Anbieter von Komponenten und Subsystemen für Materialfluss, Fördertechnik und Automatisierung. Das Unternehmen wird von einer Holding mit dem Sitz in Saint Antonino, Schweiz, geführt und ist seit 1997 börsennotiert. Der Holding unterstehen 25 Gesellschaften mit insgesamt etwa 1100 Mitarbeitern. Der Nettoumsatz im Geschäftsjahr 2003 betrug etwa 145 Mio. Ä.
Europa ist mit 71 % des Umsatzes der größte Absatzmarkt. Es folgen Nordamerika mit 24 % und Asien mit 5 % des Umsatzes. Dabei betreffen 80 % des Umsatzes Erstausstattungen und 20 % umfassen Ersatzlieferungen. Insgesamt hatte Interroll 2003 mehr als 22 000 direkte Kunden. Der größte Kunde hatte 2003 für etwa 3 % des Umsatzes Lieferungen bezogen.
Charakteristisch für Interroll ist die kurze Unternehmenshistorie. Ausgehend von der Produktion von Kunststoffrollen wurde das Unternehmen erst 1959 gegründet. Anfangs nur auf die Produktion von Einzelteilen ausgerichtet, erkannte man bald, dass der Markt Komponenten und Subsysteme für den Materialfluss forderte. Es folgte die Erweiterung der Marktpräsenz durch Joint Ventures und später durch die Akquirierung von Unternehmen verschiedener Ausrichtungen. Schwerpunktmäßig akquirierte man Unternehmen aus der Förder- und Antriebstechnik sowie dem Lagerbereich. Der Integration und der klaren Ausrichtung wurde stets ein besonders hoher Stellenwert zugeordnet.
Insbesondere die Akquisitionen der Firmen Sipa Roller, Frankreich, im Jahre 2000 zum Ausbau des Fließlagergeschäftes und Axmann haben einen wesentlichen Schub zum Ausbau des Geschäfts mit Fördermodulen und Subsystemen gebracht. Mit diesen Akquisitionen wurde unterstrichen, dass sich Interroll auf die Stückgutmärkte konzentriert. Dieses Bild wird durch den Verkauf des Schüttgutgeschäftes als strategische Bereinigung im Jahre 2003 komplettiert.
Die Holding Interroll steuert drei global operierende Geschäftseinheiten. Das sind ¿Drives and Rollers¿, ¿Automation¿ und ¿Dynamic Storage¿. Kunden der Geschäftseinheit ¿Drives and Rollers¿ sind weltweit verteilte, aber regional operierende Anlagenhersteller und Erstausrüster. Dagegen zielen die Geschäftseinheiten ¿Automation¿ und ¿Dynamic Storage¿ auf Kunden wie Systemintegratoren und multinationale Regalsystem-Hersteller ab. Während die Geschäftseinheit ¿Drives and Rollers¿ in der Sparte Komponenten tätig ist, sind die anderen beiden Geschäftseinheiten schwerpunktmäßig im Bereich Subsysteme aktiv.
Die Geschäftseinheit ¿Drives and Rollers¿ ist verantwortlich für Trommelmotoren sowie Förder- und Antriebsrollen. Durchlauflager für Paletten, Behälter, Kartons etc. auf der Basis von standardisierten Elementen und Modulen werden von der Geschäftseinheit ¿Dynamic Storage¿ verantwortet. Die Geschäftseinheit ¿Automation¿ ist zuständig für automatische Fördermodule, Kurvenförderer, Ausschleuselemente etc. und leistungsfähige Sorteranlagen.
Jeder Geschäftseinheit sind Kompetenzzentren untergeordnet. Sie tragen die Verantwortung für jeweils eine Produktgruppe ausgehend von Forschung und Entwicklung, Produktion und Produkt-Management über die technische Unterstützung von Fertigungs- und Montagebetrieben bis hin zum Einkauf und der Logistik.
Die geografische Lage der Kompetenzzentren unterstreicht die Internationalität des Konzerns. Die Standorte sind in Dänemark, Frankreich, Deutschland und den USA angesiedelt. Kompetenzzentren in Deutschland sind Wermelskirchen für Förderrollen und Sinsheim für Subsysteme. Die Fertigung und Montage findet auch in Kanada, USA, China und Thailand statt.
Interroll hat frühzeitig die aus der Globalisierung resultierenden Veränderungen erkannt und ist über seinen Stammmarkt Europa auch in Nordamerika und Asien vertreten. So hat das Unternehmen Tschechien, Japan, Kanada, Polen und China als geografische Wachstumsmärkte identifiziert und sich dort entweder mit Produktionsstätten oder mit Verkaufsniederlassungen platziert. Dabei werden die Branchen Lebensmittel, Pharma, Flughafen, Post, Automobilzulieferer und Elektronik als besondere Schwerpunkte verfolgt.
Der Portfolio-Vergleich zwischen den Jahren 2000 und 2004 weist die strategisch ausgelegte Neustrukturierung des Unternehmens aus. Während im Geschäftsjahr 2000 Komponenten noch 80 % des Umsatzes ausmachten, ist es in 2004 das Ziel den Umsatzanteil für Subsysteme auf 45% zu erhöhen.
Diese Zielsetzungen sind zum einen für die Zukunftssicherung zwingend notwendig und zum anderen sehr anspruchsvoll in der Durchsetzung. Sie erfordern tiefgreifende Neustrukturierungen und erhebliche Anstrengungen. In der Zulieferung für den Systembereich zu agieren heißt aber auch höhere Risiken zu beherrschen. Neue Kompetenzen müssen aufgebaut werden und Know-how muss wachsen. Die Applikationsberatung muss in dem Maße ansteigen, wie Systemintegratoren direkt angesprochen werden.
Die Kundenstruktur umfasst als direkte Kunden die Systemlieferanten und die Original Equipment Manufactorers, kurz OEMs. Der Schwerpunkt liegt eindeutig bei den Systemintegratoren. Für diese Unternehmen ist Interroll ein bewährter Outsourcing-Partner für ausgewählte Schlüsselkomponenten, -module und -subsysteme.
Im Fokus der Applikationen stehen Distributionslager, Warenverteil- und Logistikzentren sowie generell Kompaktlager. Schwerpunkte stellen der Wareneingang und der Warenausgang, das Lager, die Kommissionierung und die Verpackung dar. Diese Bereiche bestimmen mit ihrer Leistungsfähigkeit, Qualität und Verfügbarkeit wesentlich das Erscheinungsbild beim Kunden. Insofern ist die Qualitätslogistik mit einem hohen technischen Standard eine wesentliche Anforderung, der Interroll in jedem Projekt gerecht werden muss.
Die Liefer- und Leistungspalette der Firma Interroll zielt darauf ab, mit standardisierten Bausteinen kundenindividuelle Lösungen zu kreieren. Klare Strukturen und eindeutige Zuständigkeiten kennzeichnen die bisherige Unternehmensentwickung. Es wird spannend werden, wie sich Interroll als Outsourcing-Partner der Systemintegratoren, Regalsystem-Hersteller etc. zukünftig behaupten wird. n


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