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Material Handling - eine Branche im Umbruch

Material Handling - eine Branche im Umbruch

Materialfluss und Logistik und damit das Material Handling haben einen entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit von Produktions- und Handelsunternehmen. So können beispielsweise Handelsunternehmen mit einer exzellenten Logistik in die Lage versetzt werden, die Preise im Discountverkauf drastisch zu senken, ohne dabei auf die Lieferpreise der Zulieferanten einzuwirken. Die Performance von Logistik und Material Handling kann also durchaus die Grundlage unternehmensstrategischer Maßnahmen sein.
Die Anforderungen an die Logistiklieferanten sind im Einzelnen eine hohe Kundenorientierung, Lieferfähigkeit, Leistungsqualität, Innovationsfähigkeit und Dauerhaftigkeit. Über allem aber steht der Preis. Dabei wird beim Auftraggeber allerdings oft der Zusammenhang zwischen dem verhandelten Preis und der Anlagenqualität nicht ausreichend gewürdigt. Die daraus resultierenden Folgen tragen nicht dazu bei, die Anbieterseite zu stärken. Das gilt insbesondere dann, wenn finanzstarke Lieferanten ihre Aufträge ¿einkaufen¿.
Im ausgesprochenen Kundenmarkt des Material Handling haben es kleine und mittlere Unternehmen zunehmend schwerer, den Anforderungen der Kunden gerecht zu werden. Dabei ist es unabhängig, ob der Kunde der Endkunde oder ein Systemintegrator ist.
Häufig können nur noch große Unternehmensverbünde, Konzerne etc. den technologischen, vertragsformalen und vor allem den finanziellen Anforderungen entsprechen. Nur sie haben den erforderlichen finanzstarken Hintergrund, um komplexe und risikobehaftete Projekte abzuwickeln.
Aber nicht immer hat das finanzstarke Unternehmen die erforderlichen Kompetenzen. Auch ist festzustellen, dass mit zunehmender Größe der Unternehmen nicht zwangsläufig die Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit ansteigt. Nicht immer sind Unternehmensgröße und Engagement proportional zueinander. Häufig genug ist die Erfahrung zu machen, dass das Engagement der Mitarbeiter durch die Unternehmensorganisation und durch verharschte Führungsstrukturen seine Grenzen findet.
Die gewaltigen Veränderungen im Markt bringen es mit sich, dass selbst große europäische Logistikunternehmen, die durchaus am Weltmarkt eine bedeutende Rolle spielen und gestern noch Unternehmen akquirierten, heute schon selbst von einem Wettbewerber ¿übernommen¿ werden. Die Vergangenheit hat das bei den Herstellern von Flurförderzeugen eindrucksvoll und teilweise bedrückend demonstriert.
Für die Käufer wird der Markt hinsichtlich der Anbieterzahl vielleicht transparenter, aber in jedem Fall hinsichtlich der Angebote und ihrer Vielfalt ärmer. Konzentrationen haben meist zur Folge, dass das Produktangebot auf der Grundlage der Plattformstrategie zum ¿Einheitsbrei¿ wird, auch wenn die Produkte verschiedene Markennamen aufweisen. Innovationen werden seltener, was sich direkt in einer Verringerung des Kundennutzens niederschlägt.
Die Konzentration auf einige wenige Lieferanten hat zur Folge, dass der Auftritt beim Kunden nicht mehr auf der Basis persönlicher Problemkenntnis erfolgt. Die Bindung der Mitarbeiter sowohl nach innen als auch nach außen, also zum Kunden, kommt nicht mehr zum Tragen. Von besonderer Bedeutung ist die fehlende Identifikation mit dem eigenen Unternehmen und dem Angebotssortiment.
Der Wandel betrifft auch die Führungsetagen. Nur noch vereinzelt können sich inhabergeführte Unternehmen am Markt behaupten. Damit werden Unternehmen im Material Handling seltener, bei denen das ganze Arbeitsleben eines Managers für das Wohl und Wehe eines Unternehmens steht, und bei denen Strategien nicht durch den kurzfristigen Erfolg ohne Zukunftsperspektiven, sondern mittel- und langfristig ausgerichtet sind.
In direktem Zusammenhang damit steht eine grundlegende Veränderung der Unternehmenskultur. Kreativität, Querdenken und kritisches Reflektieren sind oftmals unerwünscht. Notwendige Kritik und das Aufzeigen von Managementfehlern, entweder von Berater- oder gar von Mitarbeiterseite, können erfahrungsgemäß sogar dazu führen, als illoyal abqualifiziert zu werden.
Verlässlichkeit und Kontinuität sind keine Attribute, die die derzeitige Entwicklung charakterisieren. Nur wenige Unternehmen verfolgen im Sinne ihrer Kunden und Mitarbeiter eine langfristige Strategie.
Ist also Tristesse angesagt? Mitnichten, der Umbruch im Sinne der Bereinigung ist weitgehend abgeschlossen. Die Zeit der ¿Sammler¿, die undifferenziert gesunde Unternehmen eingekauft haben, an deren Integration gescheitert sind und diese Unternehmen nun wieder dem Markt anbieten, ist vorbei. Mit der Neuausrichtung steht nun die größere Herausforderung an.
Die Unternehmen, die den Preiswettbewerb überstanden haben, sind die Hoffnungsträger der Zukunft. Sie versprechen Seriosität, Innovation, Geradlinigkeit und Verlässlichkeit. Sie bieten das, was der Betreiber von seinen Lieferanten fordert, um gemeinsam in der Zukunft bestehen zu können.
Es ist auch die Sache der Betreiber, diese Leistungen bei der Lieferantenauswahl zu berücksichtigen und somit aus sehr egoistischen Gründen die Vielfalt des Wettbewerbs im Material Handling zu erhalten.


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