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Auf dem Weltmarkt zu Hause

Auf dem Weltmarkt zu Hause

Prof. Dr.-Ing. L. Schulze

Technologiekonzerne, die seit Jahren eine dominierende Rolle im weltweiten Wettbewerb spielen, sind in Deutschland nur noch selten anzutreffen. Insofern stellt die Linde AG, Wiesbaden, mit ihren drei Unternehmensbereichen Gas und Engineering, Kältetechnik sowie Material Handling ein deutsches Vorzeigeunternehmen dar. Der Konzern profitiert von einem stetigen Wachstum, und gerade die Ausgewogenheit der drei Unternehmensbereiche ist als eine besondere Stärke zu verstehen. Die Linde AG wurde in der Vergangenheit geräuschlos, nüchtern und zielorientiert aus der Zentrale in Wiesbaden geführt. Technologische Führerschaft und gute wirtschaftliche Ergebnisse haben genug Überzeugungskraft und machen die üblichen „Publicity Shows“ für die Aktionäre überflüssig. Understatement und Seriosität prägen das Unternehmen. Ein besonderes Leistungsattribut der Linde AG ist die Verlässlichkeit und personelle Kontinuität.

Der Konzern beschäftigt weltweit etwa 46 500 Mitarbeiter, die 2002 einen Umsatz von 8,73 Mrd. Ä erwirtschafteten.
Der Unternehmensbereich Linde Material Handling hat seinen Fokus auf Flurförderzeuge gerichtet. Er bietet dem Markt ein breites Produktsortiment in unterschiedlichen Leistungsstufen an. Es umfasst die gängigen Bauformen von Staplern und Lagertechnikgeräten. Zum Sortiment gehören beispielsweise Handgabelhubwagen, Niederhub- und Hochhubwagen genauso wie Fahrzeuge zur Doppelstockbeladung, Schlepper und Stapler. Aber auch Lagertechnikgeräte, wie Horizontal- und Vertikalkommissionierer sowie Schubmaststapler, Kommissionier- und Schmalgangstapler, gehören zum Produktprogramm. Abgerundet wird das Angebot durch Stapler für das Handling von Containern. Dabei kommen alle Antriebsformen ausgehend vom verbrennungsmotorischen Antrieb mit Dieselkraftstoff oder Treibgas bis hin zum elektromotorischen Antrieb zum Tragen.
Der Betrieb von Flurförderzeugen ist durch maßgeschneiderte Lösungen auf allen Ebenen gekennzeichnet. Das betrifft sowohl das Logistik- als auch das Finanzierungskonzept. Dem Kunden wird hierfür eine über den Verkauf hinausgehende Beratungsleistung zur Verfügung gestellt. Das Angebot von Linde Material Handling umfasst kundenindividuelle Leistungen, wie beispielsweise Miet- und Finanzierungsprogramme, Wartungsverträge etc.
Linde Material Handling realisiert eine Mehrmarkenstrategie. Mit den drei Marken Linde, Still und OM Pimespo gehört die Linde AG zu den weltweit führenden Flurförderzeugherstellern.
Still produziert an drei Standorten, nämlich im Still-Werk in Hamburg, bei Still-Wagner in Reutlingen und bei Still Saxby in Frankreich. Vertrieb und Service erfolgen über Werkniederlassungen, Tochtergesellschaften, Händler, Vertragswerkstätten und Stützpunkte. Weltweit hat die Marke Still mehr als 5000 Mitarbeiter.
OM Pimespo produziert in zwei Werken in Italien. Das Unternehmen hat mehr als 1500 Mitarbeiter und gehört seit 1992 mehrheitlich und seit 2002 vollständig zur Linde AG. Der Vertrieb erfolgt über Filialen, Händler, Niederlassungen und Importeure.
Die Produktionsstandorte der Marke Linde umfassen das Linde-Werk in Aschaffenburg, Fenwick-Linde in Frankreich, Lansing-Linde in England und Wales, Linde-Xiamen in China und Linde Lift Truck in South Carolina, USA. Die Werke übernehmen den Vertrieb und das Marketing für die bei ihnen hergestellten Fahrzeuge. Das Vertriebs- und Servicenetz ist flächendeckend angelegt. Weltweit übernehmen 18 Vertriebsgesellschaften und ein dichtes Netz von Exklusiv-Händlern die Vertriebs- und Serviceaufgaben. Weltweit hat die Marke Linde mehr als 11 000 Mitarbeiter.
Das gemeinsame Dach für alle drei Marken, also für Linde, Still und Pimespo, bildet Linde Material Handling mit Sitz in Wiesbaden.
Von besonderer Bedeutung für Linde Material Handling ist die strategische Partnerschaft mit Komatsu Forklift. Damit konnten zum einen erhebliche Synergieeffekte in der Produktion erschlossen und zum anderen der Zugang zum asiatischen Markt erleichtert werden. Vor diesem Hintergrund darf man davon ausgehen, dass Linde mit aller Kraft die Entwicklung eines internationalen Fertigungsverbundes weiter vorantreiben wird. Dazu gehört sicherlich auch, dass an einem Standort durchaus für mehrere Marken produziert werden kann.
In diesem Zusammenhang sind die weltweiten Schlüsselmärkte zu sehen. Dabei wird angestrebt, in den jeweiligen Märkten auch zu produzieren. So wird seit Jahren der Produktionsstandort Xiamen in China gepflegt. In Zukunft soll der südamerikanische Markt von einem brasilianischen Standort aus versorgt werden.
Die Hersteller von Flurförderzeugen müssen sich, so wie die gesamte Fördertechnik-Branche, den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stellen. Charakteristisch für den Flurförderzeugmarkt sind eine rückläufige Nachfrage und somit keine befriedigende Auslastung der Produktionskapazitäten. Dabei ist festzustellen, dass sich die Einbußen schwerpunktmäßig bei den Staplern niederschlagen und das Marktvolumen der Lagertechnikgeräte nur leicht rückgängig ist. Eine Ausnahme stellt der asiatische Markt dar, der leichte Zuwachsraten aufweist.
Von dieser Entwicklung konnte sich auch Linde Material Handling nicht abkoppeln. Es wurde ein Programm zur Qualitätsoptimierung und Kostensenkung aufgelegt. So erfolgte an nahezu allen Produktionsstandorten eine Neustrukturierung und Modernisierung der Fertigungsstätten. Dabei werden folgende Ziele verfolgt:
n die Reduzierung der Herstellkosten durch den Einsatz modernster Fertigungstechnologien,
n die Erhöhung der Produktqualität durch eine Optimierung der Prozessabläufe sowie
n die Verkürzung der Durchlaufzeiten durch ein neues Vorfertigungskonzept und eine Neustrukturierung der Endmontage.
Um diese Ziele zu erreichen, wurden allein am Standort Aschaffenburg in den letzten beiden Jahren insgesamt 36 Mio. Ä investiert. Insgesamt wurden 2002 im Unternehmensbereich Material Handling 404 Mio. Ä investiert.
Die bisher praktizierte Mehrmarkenstrategie wird sicherlich im Fokus der zukünftigen nach innen und außen gerichteten Optimierung stehen. Dazu werden alle Geschäftsprozesse auf den Prüfstand gestellt. Es ist davon auszugehen, dass man den einzelnen Marken Produktions- und Entwicklungsschwerpunkte zuordnet. Das heißt, die Entwicklungsgebiete sind markenspezifisch angelegt und die Ergebnisse werden markenübergreifend genutzt. Hinsichtlich der Produktion könnte die Einbeziehung des strategischen Partners Komatsu zusätzliche Synergieeffekte bringen.
Die Ordnung der Produktionsstandorte über alle Marken der Linde Material Handling stellt eine große Herausforderung der Zukunft dar. Einer noch größeren Anstrengung bedarf allerdings die Neustrukturierung der Markenvertriebe zur Ausschöpfung aller Synergiepotenziale.
Es wird spannend, wie Linde Material Handling die nicht verzichtbare Neuordnung in Produktion und Vertrieb strategisch angelegt hat und wie sie umgesetzt wird. In jedem Fall ist dieser Prozess beschleunigt so voranzutreiben, dass die für den Erfolg notwendige Kundenbindung weiter gestärkt wird.
Linde Material Handling hat sich den Herausforderungen der Globalisierung und des Wettbewerbs erfolgreich gestellt. Strategieentscheidungen hinsichtlich Produktion und Vertrieb mit den damit verbundenen Investitionen werden den Erfolg für die Zukunft sicherstellen. Linde Material Handling wird als deutscher Global Player weiterhin seinen Platz in der weltweiten Spitzengruppe der Fördertechnik ausbauen.



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