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Mehr Innovation statt Planungsroutine

Mehr Innovation statt Planungsroutine

In der Logistik sind Partnerschaften zwischen Produktions-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen notwendig und sinnvoll, vor allem bei der Erschließung weltweiter Märkte und der Konzentration auf die Kerngeschäfte. Partnerschaften sind dann erfolgreich und belastbar, wenn jeder Partner für sich von der Partnerschaft profitiert und kein Partner übervorteilt wird. Das sind sehr einfache Anforderungen, die jedoch nur schwer umgesetzt werden. Häufig genug führt das kurzfristige Erfolgsdenken von einem Partner schnell in die partnerschaftliche Sackgasse.
Die Gründe für eine Partnerschaft sind so vielfältig wie die Unternehmen, die sie eingehen. Ausgangspunkte können das fehlende Know-how bei Planungsaufgaben, die zu hohen Produktionskosten am Standort, die nicht vorhandenen Mitarbeiter zur Realisierung von Einzelprojekten oder einfach fehlende Maschinenkapazitäten sein.
Für komplexe und anspruchsvolle Planungsaufgaben, etwa die Planung einer Fabrik oder eines Distributionszentrums, wird häufig auf externe Planungshilfe zurückgegriffen. Planungsunternehmen sollen mit ihrem Know-how, ihrem Marktwissen und ihren Rechnertools sicherstellen, dass eine verlässliche Grundlage für Unternehmensentscheidungen erarbeitet wird.
Die Erfahrungen machen aber deutlich, dass auch Planungsergebnisse von Profis stets kritisch hinterfragt werden müssen. Es ist durchaus angebracht, alle Ergebnisse, ausgehend von der Festschreibung der Planungsbasis bis hin zur Ermittlung von Kennzahlen zur Wirtschaftlichkeit, eingehend unter die Lupe zu nehmen. So ist es kein Einzelfall, dass nicht belastbare Planungsergebnisse präsentiert werden.
Planungsunternehmen haben in der Regel eine über lange Zeit praktizierte Vorgehensweise. Die Planungs- und Projektierungsschritte sind routiniert und erprobt. Farbige Beamerpräsentationen und ein virtueller „walk-through“ durch das angedachte, neue Logistikgewerk stellen einen Standard dar. Derartige Präsentationen können durchaus hilfreich sein. Sie dürfen aber nicht dazu dienen, fehlende Ergebnissubstanz zu überdecken.
Neue Gedanken und Konzepte, die bisher noch nicht umgesetzt wurden, entstehen dagegen selten oder gar nicht. Es ist eine neue Anforderung, gleichermaßen konsequent logisch zu planen und doch flexibel Innovationen einzubringen. Zum Teil machen es sich die Planer zu einfach, wenn sie lediglich auf die fehlende Innovationsbereitschaft der Förder- und Lagertechniklieferanten verweisen. Es reicht nicht aus, wenn Planer nur die Techniklieferanten nach neuen Ideen abklopfen. Die Resonanz wird verständlicherweise verhalten sein.
Eine besondere Herausforderung ist es, Simulationsprojekte zu evaluieren. Es kann den Auftraggebern nur nachhaltig empfohlen werden, die Modellierung und vor allem die Simulationsergebnisse kritisch zu würdigen. Dabei ist bereits bei der Auftragsvergabe festzuschreiben, dass auch eine Dokumentation zum Leistungsumfang gehört. Die Dokumentation muss alle Strategien und Prozesse beschreiben. Es soll schon vorgekommen sein, insbesondere wenn die Simulation von einem Systemintegrator durchgeführt wurde, dass er die lückenhafte Dokumentation mit dem Schutz des eigenen Know-hows rechtfertigt. Dass der Auftraggeber diese Vorgehensweise nicht als Gipfelpunkt der Fairness bewertet, ist schnell einsichtig.
Generell ist es in Frage zu stellen, ob der Systemintegrator auch mit der Simulation beauftragt werden sollte. Ein neutraler Dritter, der die Simulation planungs- und realisierungsbegleitend betreibt, kann für alle Beteiligten von Vorteil sein.
Die Nutzung rechnergestützter Tools hat in der Planungs- und Realisierungsphase von Logistikprojekten wesentliche Vorteile. Die von ihnen produzierten Ergebnisse sind schnell verfügbar, Änderungen sind leicht durchführbar und die Prozesse der Berechnung sind jederzeit reproduzierbar. Dabei muss bewusst sein, dass rechnergestützt ermittelte Ergebnisse nicht „automatisch“ richtig sind. Technikgläubigkeit ist fehl am Platz, denn hinter allen Algorithmen steht der verantwortliche Mensch.
Die Erfahrung zeigt, dass man nur solche Planungsergebnisse akzeptieren sollte, die man selbst versteht. Eine rigorose Analyse und ein faires Zusammenarbeiten mit dem Planer ist angesagt. Auch kann ein Coaching der Planungsphase durch Dritte empfehlenswert sein. Sie dienen dem Planer und dem Auftraggeber als „Sparringpartner“.
Zunehmend ist zu beobachten, dass die Wichtigkeit von Pflichtenheften nicht mehr so hoch eingeschätzt wird. Das gilt auch für die Logistik. Es ist zu befürchten, dass diese Entscheidung eine Arbeitsbeschaffung für Gutachter und Juristen ist.
Charakteristisch für diese Fehlentwicklung ist es, dass kommerzielle und juristische Teile von Ausschreibungen ständig umfangreicher werden. Die Vertragsjuristen dominieren mit ihrem Anteil häufig die Ausschreibungen der Systemintegratoren. Es muss nachdenklich machen, wenn nur noch 10 bis 25 % des Umfanges einer Ausschreibung den fachlichen Teil, also den wertschöpfenden Teil darstellen.
Das wäre auch ein Beitrag, Ressourcen für wertschöpfende kreative Tätigkeiten freizusetzen. Um den Dingen wieder den rechten Stellenwert zuzuordnen, bedarf es Mitarbeiter, die Realisten sind, die Mut haben und die zupacken können. Sie müssen dazu bereit sein, die Initiative zu ergreifen, zu gestalten und kreativ zu sein. „Harte“ Ingenieursarbeit muss wieder lohnenswert sein.

(Prof. Dr.-Ing. habil. L. Schulze)



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