Elektrohängebahnen haben den überzeugenden Vorteil, dass sie flurfrei transportieren und damit keine teuren Produktions- oder Lagerflächen beanspruchen. Sie können an der Decke sehr schnell und sicher fahren und bewegen sich ausgesprochen produktschon
Um eine möglichst breite und aktuelle Datengrundlage für die Herstellerüber-sicht Elektrohängebahnen zu erhalten, wurde Anfang 2002 wieder ein standardisierter Fragebogen an europäische EHB-Lieferanten geschickt. Insgesamt meldeten sich 16 Unternehmen aus vier Ländern. Alle Daten in den Herstellerprofilen stammen von den jeweiligen Unternehmen selbst. Einige Unternehmen haben zu bestimmten Fragestellungen, etwa dem Umsatz, keine Angaben gemacht.
Der Fragebogen wurde für die Auswertung in zwei Bereiche aufgeteilt. In einem unternehmensbezogenen Teil wurden spezielle Informationen wie Jahresumsatz, Mitarbeiterzahl, Ansprechpartner und internationale Vertretungen abgefragt. Die Ergebnisse sind im ersten Teil des Leistungsprofils der jeweiligen EHB-Lieferanten dargestellt, ergänzt um ein Foto einer realisierten Anlage.
In dem zweiten vergleichenden Teil wurden lieferantenbezogene Daten gegenübergestellt. Zum einen erfolgte eine Abfrage hinsichtlich der schwerpunktmäßig belieferten Branchen sowie der Planungs- und Realisierungsleistung. Es sollte deutlich werden, welcher Schritt als Eigenleistung und welcher als Fremdleistung erbracht wird. Zum anderen erfolgte die Abfrage der technischen Merkmale der Anlagen. Die Antworten wurden tabellarisch aufbereitet.
In vielen Produktions- und Handels-unternehmen nehmen Elektrohängebahnen als automatische innerbetriebliche Transportsysteme gegenwärtig eine Schlüsselstellung ein /1/. Die Betrachtung der belieferten Branchen zeigt deutlich, dass auch weiterhin der Automobilsektor der dominierende Bereich ist. In diesem Tätigkeitsbereich haben 2001 nahezu alle an der Erhebung beteiligten Unternehmen entweder Neuanlagen installiert oder bestehende Anlagen erweitert. Weitere Schwerpunktbranchen sind die Eisen- und Metallindustrie, der Maschinenbau sowie die Nahrungsmittelindustrie. Aber auch in anderen Bereichen wie der chemischen Industrie, dem Dienstleis-tungsbereich, dem Flugzeugbau und in Krankenhäusern werden EHB-Anlagen seit Jahren erfolgreich eingesetzt.
Durch die Vielfalt der belieferten Branchen wird unterstrichen, dass Elektrohängebahnen universell einzusetzen und ein außerordentlich vielseitiges Instrument zur Bewältigung des innerbetrieblichen Materialflusses sind /2/. EHB-Anlagen können durch Verwendung unterschiedlicher Transportträger exakt auf die zu transportierenden Güter abgestimmt werden. Da die EHB einen raschen und zugleich auch produktschonenden Transport gewähr-leisten kann /3/, eignet sie sich insbesondere auch für den Transport empfindlicher Ware. Eine spezielle Betrachtung von Sonderbauformen, die nahezu jeder Lieferant zur Lösung kunden-spezifischer Anforderungen anbietet, wurde im Rahmen dieses Leistungsprofils nicht vorgenommen.
Der große Vorteil der EHB-Anlagen ist der flurfreie Transport. Dadurch sind Produktions- und Lagerflächen unterhalb der Förderstrecke meist frei begeh- und verfügbar. Gleichzeitig kann durch die Einsparung flurgebundener Fahrzeuge die Arbeitssicherheit erhöht werden /4/. Grundsätzlich können Elektrohängebahnen sowohl als Träger- als auch als Schleppfahrzeuge eingesetzt werden. Schleppzüge wurden in 2001 von zwei teilnehmenden Unternehmen umgesetzt, jedoch hat dieses Marktsegment gegenwärtig nur eine geringe Bedeutung. Hauptsächlich sind Einzel- und Doppelfahrzeuge im Einsatz.
Bei der Betrachtung der Leistungsspektren der einzelnen Lieferanten wird deutlich, dass in großem Umfang Eigenleistungen für Planung und Realisierung erbracht werden. Fremdleis-tungen werden von einigen Unternehmen lediglich für Simulationen und Steuerungssoftware hinzugekauft. Die in der Vergangenheit noch verstärkt an Subunternehmer vergebene Montageleistung wird mittlerweile nahezu vollständig von den Systemlieferanten selbst erbracht. Die hohe Fertigungs-tiefe hat für den Kunden den Vorteil, dass er alle Leistungen aus einer Hand erhält.
Da bei EHB-Anlagen zu einem großen Teil Standardmodule verwendet werden, ergibt sich zwischen dem EHB-Lieferanten und den Kunden eine zumeist langfristige Bindung. Für die Betreiber besteht dadurch die Möglichkeit der weitgehend problemlosen Erweiterung. Allerdings stellt in der Regel nur der Erstlieferant die größtmögliche Kompatibilität zwischen neuen und bestehenden Anlagenkomponenten sicher. Probleme können auftreten, wenn zwischen der Erstinbetriebnahme und der Erweiterung mehrere Jahre liegen /5/.
Eine neue Entwicklung lässt sich bei der Energieversorgung der EHB-Anlagen ausmachen. In der Vergangenheit erfolgte diese nahezu ausschließlich über Schleifleitungen. Bei diesem Verfahren wird über Reibschluss zwischen einem Kohleabnehmer und einer Kupferleitung Energie auf den sich bewegenden Verbraucher übertragen. Der Nachteil ist, dass es zum einen zu Funkenbildung kommen kann und zum anderen die Kohlebürsten Verschleißteile sind, die Wartungskosten nach sich ziehen.
Die Antwort auf dieses Problem ist die berührungslose Energieübertragung. Die Energie eines stromführenden Kabels wird dabei berührungslos in ei-nen Überträgerkopf induziert. Diese neuartige Technik kann überall dort die konventionelle Energieübertragung ersetzen, wo Energie auf einen sich bewegenden Verbraucher übertragen werden muss /6/. In der Praxis wird dieses Verfahren mittlerweile von etwa der Hälfte der beteiligten Unternehmen angeboten. Nach wie vor ist allerdings die konventionelle Energieversorgung über Schleifleitungen am weitesten verbreitet.
Resümee
Die vorliegende Lieferanten-Übersicht basiert auf detaillierten Informationen der EHB-Lieferanten. Sie soll Planern und Betreibern von EHB-Anlagen mit der transparenten Darstellung der gegenwärtigen Angebotssituation ein Aus-wahl-Panel an die Hand geben. Es soll unterstützend bei der Auswahl geeigneter Lieferanten wirken und zur Minimierung der Kosten schon im Vorfeld einer Planung beitragen. Neue Entwick-lungen und Trends werden in den Profilen ebenso berücksichtigt wie konventionelle Techniken und Verfahren.
In Verbindung mit der seit 1996 am Fachgebiet Planung und Steuerung von Lager- und Transportsystemen der Universität Hannover betriebenen EHB-Datenbank Europa liegt eine Datenbasis vor, die eine qualifizierte Übersicht über den europäischen EHB-Lieferantenmarkt gibt. 1996 wurden erstmals rückwirkend bis 1988 von den beteiligten Unternehmen Daten abgefragt, so dass mittlerweile verlässliche Daten über einen Zeitraum von 14 Jahren vorliegen.