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„Nah am Kunden sein“

von Erik Schäfer

„Kundennähe wird im Marketing gepredigt - aber selten in der Praxis durchgeführt“, weiß Giorgio Tabellini, Präsident und Gründer der P.E.I. Was sein Rezept gegen diese Diskrepanz ist, verriet er kürzlich in Ismaning bei München.



Warum sollten deutsche Maschinen-, Anlagen- oder Omnibusbauer eigentlich auf den Führungsbahnschutz oder Faltenbälge aus Italien setzen? Gibt es hierzulande nicht bereits genug starke Unternehmen, die hier ihre Kompetenzen bewiesen haben? „Ich respektiere unsere Mitbewerber aus Deutschland sehr. Der eine ist Spezialist für Teleskopschutzeinrichtungen, ein anderer Spezialist für Faltenbälge. Wir jedoch bieten unseren Kunden die gesamte Breite an Schutzeinrichtungen und die entsprechende Engineering-Kompetenz. P.E.I. baut alle Abdeckungen vom Faltenbalg über Teleskop- bis zu Rolloabdeckungen und Schürzen selbst. Bei den Rolloabdeckungen sind wir sogar führend", so Tabellini und verweist auf insgesamt rund 50 Patente, die die Kompetenz der P.E.I.-Unternehmensgruppe mit ihren derzeit 220 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen (Stand Juli), im Bereich des Führungsbahnschutzes noch unterstreichen.

Neue organisatorische Ausrichtung

Positiv zur technischen Kompetenz hinzu kommt die neue organisatorische Ausrichtung von P.E.I.. Sie stellt die kommunikative Kompetenz auch für Deutschland sicher. Denn, dass die deutschen Kunden auch in ihrer Muttersprache kommunizieren können, ist Unternehmensgründer Tabellini ein wichtiges Anliegen. Und noch etwas: Selbst im Falle eines Rechtsstreites läuft für deutsche Kunden oder Lieferanten alles über deutsche Gerichte, da P.E.I. hier in Deutschland auch seinen Gerichtsstand (München) hat. „Wenn Sie in Italien einen Rechtsstreit beginnen, dann müssen Sie sehr jung sein. Ich zum Beispiel wäre dazu schon zu alt", nimmt Giorgio Tabellini die Langsamkeit von Gerichtsverfahren in seinem Heimatland Italien scherzhaft auf den Arm. Natürlich denkt er für Deutschland nicht an Verfahren mit Kunden, weil P.E.I. ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen wäre, sondern vielmehr daran, dass es darum gehen könnte, eventuellen Patentverletzungen sofort entgegenzutreten. Die Neuausrichtung seines Unternehmens umfasst auch den Vertrieb, der nun nicht mehr zentral von Ismaning bei München aus gesteuert wird, sondern über vier Stützpunkte in Deutschland verteilt wurde. Dazu hat P.E.I. entsprechend vier neue Mitarbeiter verpflichten können. Ramon Addison, Herne, Carsten Glaß, Leipzig, Reinhardt Wellenreiter, Sauerlach bei München, und Frank Wiehler, Pfullingen, sind dort, wo auch der deutsche Maschinen- und Anlagenbau seine Zentren hat. „Mit unserer bisherigen, zentralen Anlaufstelle für Deutschland waren wir zu schwach aufgestellt. Wir wollen näher am Kunden sein und dazu soll die technische Kompetenz klar im Vordergrund stehen. Das ist uns mit der Neuorganisation gelungen. Hinzu kommen noch unsere deutschsprachigen Mitarbeiter in Italien, die die deutsche Mannschaft direkt unterstützen und für eine reibungslosen Ablauf bei technischen Fragen sorgen."

Durchgestartet

Vittorio Mardegan, Gesellschafter der P.E.I.-Gruppe sowie Produktionsleiter, spinnt den aufgenommenen Faden von Giorgio Tabellini weiter. „Wir haben in der Krisenzeit keine Mitarbeiter entlassen. Das zahlt sich nun aus, denn wir haben keine Kompetenz verloren und können nun mit der anziehenden Konjunktur voll durchstarten und die Lücken füllen, die gerade in Deutschland aber auch in anderen Ländern entstanden sind." Auch die Fertigungsstruktur wurde im Zuge der Umstrukturierung von P.E.I. verändert – und zwar in allen Werken. So verfügt die Unternehmensgruppe über ihr Stammwerk in Calderara di Reno bei Bologna. Hier werden die Maschinenschutzabdeckungen verschiedener Ausprägung gefertigt, sitzen das Engineering mit der F&E-Abteilung sowie die Verwaltung. In Cremona werden im Werk der Tochter S.P.E.R. Teleskopabdeckungen sowie Faltenbälge gefertigt: „Hier arbeiten rund 100 Mitarbeiter", so Mardegan. Die Tochter Zanini hat ihren Sitz in Bologna mit der Feinblechverarbeitung. Vittorio Mardegan vermeldet stolz, dass dort insgesamt drei Hämmerle-Biegemaschinen aus der Schweiz ihr Präzisionswerk verrichten.

Seit Ende 2010 produziert P.E.I. auf einem neuen Feld - Faltenbälge für Gelenkbusse - im Werk P.E.I. East D.o.o. in Serbien. Aber auch in Richtung Umwelt denkt das Unternehmen. Bis Ende 2012 sollen die Werke in Bologna und Caldara de Reno mit einer PV-Anlage mit einer Gesamtkapazität von 0,6 MW ausgerüstet sein. „Wir wollen einen großen Teil der in der Produktion verbrauchten Energie selbst erzeugen", unterstreicht Vittorio Mardegan den Umweltgedanken.

Technische Konzepte mit Durchblick

Michele Benedetti, Leiter der F&E-Abteilung bei P.E.I., geht kurz auf die Strategie ein, mit der P.E.I. aus der Krise kam. „Wir haben eine neue Richtung vorgegeben für zukünftige Entwicklungen, die besagt, dass im Europäischen Markt zwei Sektoren besonders aussichtsreich sind: Das sind die Luft- und Raumfahrt und damit die Bearbeitung neuer Materialien sowie die alternative Energieerzeugung." Im ersten Bereich baut P.E.I. beispielsweise den Faltenbalg Wave Sky. „An den großen Bearbeitungsmaschinen sollte der Bediener auch bei der Bearbeitung von Karbon und anderen Materialien, bei deren Bearbeitung teils Gesundheit gefährdende Stäube entstehen, nahe an die Maschine heran können. Dazu haben wir statt einer großen Umhausung eine Arbeitsraumabdeckung geschaffen, die im Standard bis 8 Meter breit und 25 Meter lang sein kann - Wave Sky. Damit der Bediener nicht in eine Dunkelkammer sieht, haben wir ein transluzentes Material verwendet, um das Licht hineinzulassen. Zudem gibt es Wave Sky in einer motorisierten Version, um den Arbeitsraum schnell öffnen zu können, um ihn von oben zu be- und entladen."

Kunststoff + Keramik, begehbare Schürzen

Mit Ceramix, das als bewegliches Bandmaterial zusammen mit einem Lieferanten entwickelt wurde, können einfach Rolloabdeckungen in vertikaler Richtung realisiert werden. Sie widerstehen - vertikal angebracht - sowohl glühenden Spänen, als auch Kühlmitteln. Clou ist die Keramik-Polymer-Beschichtung, die auf einem flexiblen Polyester Trägergewebe aufgebracht ist.

Eine weitere Spezialität stellt die betretbare Abdeckung JH (wobei das H für heavy steht) dar. „Auf bis zu vier Meter Breite können sogar zwei Personen auf dieser mitfahrenden Abdeckung gehen. Für die Rutschsicherheit haben wir in die Aluminiumprofile Fräsrillen eingebracht und die Verbindung der einzelnen Glieder ist im Querschnitt gesehen einer Anhängerkupplung ähnlich. Wenn die einzelnen Glieder mit der Zeit einen größeren Zwischenspalt aufweisen, kann man sie austauschen, bevor es zum Reißen kommt", verrät Michele Benedetti die - teils patentierten - Details.

P.E.I. wird auch auf der EMO in Hannover sein - um seine Produktneuheiten, sein neues Deutschlandteam und natürlich Lösungen, Lösungen, Lösungen zu präsentieren. Denn wie sagte es schon Firmengründer Giorgio Tabellini: „Wir wollen nah am Kunden sein."

W

www.pei-gmbh.com



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