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„Wir sind Technologieführer“

von Erik Schäfer Oben auf dem Tafelberg ragt ein weißer Betonverteilermast weit sichtbar in den Himmel, dreht, faltet, senkt und hebt sich. Ein untrügerisches Zeichen, dass man das Ziel fast erreicht hat - die Firma Putzmeister in Aichtal.

Putzmeister Betonpumpen, ob mobil oder stationär, stehen für Rekorde. Die Zuverlässigkeit - und darauf legt man hier besonderen Wert - der weltweit gültige, hohe Qualitätsstandard, das sind im hart umkämpften Markt ein Alleinstellungsmerkmal. Rund 800 Mitarbeiter sind am Putzmeister-Standort Aichtal beschäftigt, wo unter anderem die Montage, der Versand, das Lackierzentrum, der Versuch und die Entwicklung sowie Verwaltung angesiedelt sind.

60 Mitarbeiter gehören der Putzmeister Engineering GmbH an, die in Zeiten der Krisenjahre 2008 und 2009 zum 1.1.2010 ausgegliedert wurde. Sie zeichnen verantwortlich für die Technik weltweit, wobei die Standorte in den einzelnen Ländern die Autobetonpumpen, stationären Betonpumpen, Tunnel-Betonspritzmaschinen, den gegebenen Länderstandards, Normen und gesetzlichen Bestimmungen lokal anpassen.

Mit den Mitarbeitern in Ländern, wie China, Indien, USA, Brasilien, Spanien und der Türkei werden gemeinsam die Lasten- und Pflichtenhefte erstellt, es gibt Personenaustausche mit den Gesellschaften und Projekte in den jeweiligen Ländern werden gemeinsam abgearbeitet. „Wir haben definitiv einen Qualitätsstandard", verweist Dirk Jahn, Manager Control Systems bei Putzmeister Engineering auf die Vorteile der engen Kooperation. Das gilt auch hinsichtlich der Materialien: „Höchstfeste Stähle etc, können Sie nicht einfach überall auf der Welt beschaffen. Das bedeutet für uns, dass wir für die Betonverteilermasten Stähle einsetzen, die Sie auch sicher überall bekommen können", erläutert Dirk Jahn.

High-Tech für Dubai

Wenn man mit den Spezialisten der Putzmeister Engineering GmbH spricht, klingt alles recht simpel: „Einfach nach oben schieben", lautet die lapidare Antwort von Wolf-Michael Petzold, Manager Electric Systems, auf die Frage, wie man in Dubai den Beton auf die Rekordhöhe von 606 Metern gepumpt habe. „320 bar Pumpenleistung, 150 bar Druck in den Rohren, die den Beton innerhalb einer halben Stunde ganz nach oben förderten", nennt sein Kollege Dirk Jahn die Fakten in technischer Kürze. Dass zum Gelingen eine gehörige Portion Erfahrung, Pioniergeist, einige Testreihen und vor allem technischer Sachverstand gehören, damit der Beton auf seiner halbstündigen Reise nach oben nicht austrocknet, die Rohre den hohen Druck auf Dauer unbeschadet überstehen und der Beton sicher an die richtige Stelle gelangt, all das scheint für die Ingenieure bei Putzmeister Engineering nur eine Frage der technischen und planerischen Auslegung zu sein. Übrigens kamen in Dubai gleich mehrere stationäre Superhochdruckpumpen BSA 14000 SHP D in Verbindung mit zwei stationären Betonverteilerarmen MX 28-4 und MX 32-4 (32 m Reichweite , 4 Gelenke), die oben am Gebäude des Burj Dubai (Turm von Dubai) angebracht waren, zum Einsatz. 165.000 m³ Beton pumpte die Putzmeister-Technik in über 600 Meter Höhe in das, mit über 800 Metern Höhe, höchste Gebäude der Welt. Und der Weitpumprekord liegt gar bei 2015 Metern - waagerecht gepumpt!

Und noch ein Wort zum Einsatz der mobilen Autobetonpumpen in Fukushima. Gleich fünf Putzmeister-Autobetonpumpen waren an den verzweifelten Rettungsversuchen der Japaner beteiligt, um die zerstörten Atommeiler mit Kühlwasser zu versorgen. Zwei dieser Autobetonpumpen wurden direkt aus den USA eingeflogen. Es handelt sich hierbei um die größte Serien-Autobetonpumpe der Welt - die M 70-5. Sie ist auf einem Sattelauflieger montiert und wird von einer 500-PS- Zugmaschine gezogen. 10 Achsen sorgen für die gleichmäßige Gewichtsverteilung der rund 80 Tonnen. Die Gesamtlänge beträgt etwa 21,4 m. Und genauso ein Modell stand also Mitte Juli auf dem Aichtaler Tafelberg, um seine Testläufe zu absolvieren - weithin sichtbar. Die 70 im Namen stehen für die Reichhöhe - das ist die Mastspitze bei senkrecht stehendem Mast.

Die Adern einer Autobetonpumpe

„Wir sind nicht Technologieführer weil wir in Fukushima gepumpt haben, sondern wir haben in Fukushima gepumpt weil wir Technologieführer sind", schließt Dirk Jahn dieses Thema ab. Seine Welt sind die Steuerungen, die weltweit für die sichere und präzise Handhabung der Putzmeister-Maschinen sorgen. Sein Kollege Wolf-Michael Petzold hat seit 21 Jahren die Elektroplanung inne. Ihm obliegt es etwa die „Adern" der Autobetonpumpen zu dimensionieren und konstruieren, damit alle Aktoren und Sensoren sowie die Steuerung sicher und dauerhaft versorgt werden. Mit am Tisch ist der Putzmeister-Ansprechpartner des Kabelspezialisten TKD vom Standort Pliezhausen - Verkaufsingenieur Thomas M. Schmidt.

Die beiden Unternehmen verbindet eine gut 20-jährige Geschäftsbeziehung. „Wir verbauen im Schnitt etwa 500 bis 600 Meter Kabel pro Autobetonpumpe", so die beiden Kollegen Dirk Jahn und Wolf-Michael Petzold übereinstimmend. Mittels dieser Kabel werden die im vorderen Bereich der Autobetonpumpen angesiedelten Druck- und Temperatursensoren sowie die Winkelgeber mit der dahinter liegenden Steuerung und der Aktorik an der Betonpumpe im hinteren Fahrzeugende und im Betonverteilerarm verbunden.

Immer sichere Funktion

Zwei dieser zahllosen Kabel, Kabelbäume und -Systeme fallen dabei sofort ins Auge - die gelbe Steuerleitung für die Kabelfernsteuerung sowie die Leitung, die am hydraulisch bewegten Betonverteilermast nach oben führt. „Über diese Steuerleitung werden die Hydraulikventile zur Steuerung der einzelnen Armglieder angesprochen", erläutert Wolf-Michael Petzold beim Firmenrundgang deren Funktion.

Sein Kollege Dirk Jahn verrät dazu noch eine steuerungstechnische Finesse: „Wir steuern hier nicht über jeden einzelnen Arm die Bewegung des Endschlauchs, sondern wir steuern den Endschlauch direkt und die Armglieder bewegen sich entsprechend." Diese Art der direkten, statt inkrementalen Steuerung und viele weitere technische Details unterscheiden laut Jahn die Putzmeister-Maschinen von denen der Mitbewerber. Bei Putzmeister wird zudem jede Autobetonpumpe mit einer Kabel- und einer Funkfernsteuerung ausgestattet. Die beiden Fernsteuerungen werden jeweils in einer Tasche am Bauchgurt des Autobetonpumpenfahrers und Bedieners untergebracht und wiegen in etwa 3,5 Kilogramm.

Natürlich ist die Funkvariante beliebter, weil man bei ihr nicht das 20 bis 40 Meter lange, 34-polige TKD Kabel nachziehen muss, aber in sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern sind Funksteuerungen tabu. Seit gut 20 Jahren bezieht Putzmeister die Steuerleitung für seine Verteilermaststeuerung sowie für die Kabelfernsteuerung an seinen stationären und mobilen Betonpumpen sowie für den Sektor Tunnelbaumaschinen von TKD.

Gesteigerter Funktionsumfang

Waren früher noch 26-polige-Kabel dabei, so sind es heute die 34- und 42-poligen Kabel. „Der Funktionsumfang bestimmt die Poligkeit", erläutert Wolf-Michael Petzold. Und der ist in den letzten Jahren gewachsen. „Bei 42 Polen ist derzeit Schluss, allein von den Normsteckern her. Die bis zu 40 Meter langen Kabel für die Kabelfernsteuerung sind allerdings 34-polig. Thomas M. Schmidt, von TKD-Kabel, kommt noch auf die inneren Qualitäten der Steuerkabel zu sprechen: „Die Litzen haben einen Querschnitt von nur 0,5 Quadratmillimeter, sind hochflexibel und einzeln isoliert. Der Außenmantel ist ein Polyurethan-Kunststoff mit erhöhter Shore-Härte und dem speziellen Putzmeister-Gelb."

Gemeinsame Entwicklung

„Wir haben die Kabel gemeinsam mit TKD-Kabel entwickelt", fügt Dirk Jahn vom TKD-Kunden Putzmeister Engineering hinzu. Schließlich gilt es für die Kabel die widrigen Gegebenheiten beim Betonspritzen und -pumpen über Jahre schadlos zu überstehen. „Bis -15 und +60, 70, 80 Grad Celsius und die UV-Strahlung der Sonnen müssen die Kabel schon aushalten können", nennt Wolf-Michael Petzold das Belastungsszenario. Dazu kommen noch mechanische Einflüsse, wie abrassive Stoffe und auch die chemischen Zusätze im Beton dürfen die Leitungen nicht angreifen. Diese Ansprüche erfüllen die Kabel von TKD, die Putzmeister als Meterware abnimmt, aufs Beste. Nur die schöne gelbe Putzmeisterfarbe verblasst ein wenig mit den Jahren, was sich laut Thomas M. Schmidt technisch jedoch nicht vermeiden lässt - und nur eine optische Beeinträchtigung darstellt, jedoch keinen Einfluss auf Funktion und Haltbarkeit des Kabelmaterials nimmt.

Nicht ohne Grund verlässt man sich daher seit zwanzig Jahren auf die Qualitätskabel der Kabelspezialisten von TKD.

W

www.putzmeister.com

www.tkd-kabel.de



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