von Erik Schäfer Drei Tage Peking? Zeit genug, um am „Drive Technology Media and Industry Analyst Briefing“ der Siemens Drive Technologies teilzunehmen, zwei Werke sowie historische Orte in Peking zu besuchen und mit jeder Menge neuer Erkenntnisse heimzukehren. Wir schauten beide auf dasselbe, sahen dasselbe, sprachen über dasselbe und dachten an dasselbe, nur schaute, sah, sprach und dachte er aus einer ganz anderen Welt heraus", so beschrieb es Robert M. Pirsig in seinem Buch „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten". Genauso mag es so manchem hiesigen Ingenieur ergehen, wenn er in China eine Anlage, ein Maschine oder sonst wie ein technisches Produkt gemeinsam mit Chinesen umsetzen soll. Doch es gibt gerade mit Deutschland viel mehr Gemeinsamkeiten, als man zunächst vermuten sollte. Tugenden wie Qualität, Präzision und Verlässlichkeit stehen auch in China hoch im Kurs. Sie sind die Basis für Vertrauen und ein Blick auf Pekings Straßen bestätigt, dass gerade die Chinesen deutschen Unternehmen vertrauen, die vom neuen Wohlstand profitieren. Audi, Mercedes oder BMW sind in der chinesischen Hauptstadt äußerst präsent. 100 Tage – eine Weltreise in Sachen DT Juli 2011: 100 Tage ist er nun im Amt, hat all die wichtigen Siemens-Drive-Technologie-Standorte der Welt besucht - darunter zweimal die Volksrepublik China. Vor einer Woche in Shanghai, zurück nach Erlangen, um schon Montagabend in den Flieger München-Peking zu steigen. Dienstagmittag Ankunft, Mittwochmittag Media und Industry Analist Briefing vor 18 chinesischen und zwei mitgereisten deutschen Medienvertretern, danach Kundenbesuche mit Rückkunft im Hotel um 2 Uhr in der Nacht, um dann Donnerstag um 8 Uhr morgens im Siemens-Standort Beijing (Peking) noch eine Rede zu 100 Tagen CEO der Drive-Technologies-Sparte der Siemens AG als Videobotschaft aufzunehmen. Ralf-Michael Franke sieht man diese Energieleistung nicht an, als er gemeinsam mit dem President of Industry Sector Siemens North East Asia, Dr. Marc Wucherer sowie dem General Manager of Siemens Factory Automation Engineering Ltd., Qin Zeng, im Pekinger Crown-Plaza-Hotel vor die Presse tritt. In einer kurzen wie anschaulichen Powerpointpräsentation zeigen Ralf-Michael Franke und seine Kollegen auf, welche Perspektiven der Bereich Drive Technologies (DT) in China und all den anderen Wachstumsmärkten sieht, die derzeit doppelt so schnell wachsen wie die entwickelten Märkte. Mit 64 Vertriebs- und Service Standorten, 7 Produktionsstätten, 4 F&E-Standorten sowie 6 Trainings-Zentren engagiert sich Siemens DT in China. CEO Franke spricht hier von der Strategie der lokalen Präsenz und hebt hier beispielhaft die weltweite Geschäftsverantwortung des chinesischen Standortes Nanjing für diverse Produkte in den Bereichen CNC, PLC, HMI, Inverter, Antriebe und Motoren hervor. Die Großgetriebe für WEAs werden dabei aus dem indischen Standort Chennai zugeliefert, um den stark expandierenden Windenergiemarkt in China versorgen zu können. Der Plan der Planungssicherheit schafft Chinas 12. Fünf-Jahres-Plan soll langfristige strukturelle Probleme lösen und durch eine bessere Verteilung der Ressourcen eine ausgewogene wirtschaftliche Entwicklung von Regionen mit unterschiedlichen Entwicklungsniveaus ermöglichen. Dazu gehören Anstrengungen im Bereich Recycling genauso, wie der weitere Ausbau regenerativer Energien. China verspricht sich davon wesentliche Impulse zur Erhöhung der wirtschaftlichen Qualität - und sicher auch des Umweltschutzes. Mit dieser Planungssicherheit im Rücken kann auch der Ausbau von Siemens in China weiter vorangetrieben werden. Schon jetzt ist China Siemens drittgrößter Standort auf der Welt. „Wir investieren viel in China und werden weitere Fabriken eröffnen, um die große Nachfrage vor Ort befriedigen zu können." Ralf-Michael Franke spricht auch die Strategie zu Integrierten Applikationen und Lösungen explizit an: „Wir wollen keine Produkte, sondern Produktivität verkaufen." Die Langfriststrategie lautet für Siemens weltweit „Digitale Fabrik" (K&E 3/2011, S. 20). Dazu gehört auch, dass Funktionen die bisher klassisch in Hardware ausgeführt wurden zunehmend in Software nachgebildet werden. China Dr. Marc Wucherer ergänzte diesen Ausblick um die Punkte Produktivität, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit aus dem Blickwinkel von Drive Technologies. Zur Verdeutlichung, wie sich dies in der Praxis bei chinesischen Kunden bereits auswirkt, hat Dr. Wucherer drei Beispiele mitgebracht. Sehr eindrucksvoll zeigt sich die Wirkung beim Einsatz von 173 Stück Siemens-Standard-Frequenzumrichtern im Ventilatoren- und Pumpensystem im Stahlwerk Tianjin Iron Steel: „Wir konnten hier eine Energieeinsparung von 30 Prozent und damit eine CO2-Reduktion von 45.000 Tonnen pro Jahr erreichen." Auch Dr. Wucherer betont die Wichtigkeit des Standorts China für das gesamte DT-Geschäft von Siemens: „Wir bauen hier in China ein zweites Zuhause auf, um unser DT-Geschäft auf eine nachhaltige und langfristige Basis zu stellen." Vertrauen schaffen Qin Zeng, General Manager der Siemens Factory Automation Engineering Ltd. (SFAE) GMO, stellt vor dem Vortrag eines wichtigen, chinesischen Siemens-Kunden und der Fahrt zu zwei Pekinger Siemensstandorten kurz den Bereich SFAE vor, der neben Peking in 22 Büros im Land vertreten ist. Insgesamt arbeiten 900 Mitarbeiter im 1993 gegründeten Siemens-Bereich SFAE, der eine Service-Abteilung (Maschinenspindeln und Elektromotoren), eine Engineering-Abteilung sowie die Schaltschrankproduktion umfasst. Im letzten Jahr gelang es SFAE unter die Top 50 der Industrieelektrik-Unternehmen in China zu kommen. 150 Ingenieure und über 50 Projektmanager (davon 20 mit PM/SPM-Zertifikat) bearbeiten rund 400 Projekte pro Jahr. 200 Mitarbeiter arbeiten in den 23 Service-Stationen, in denen auch Workshops mit Kunden stattfinden. Einer dieser Kunden ist die Beijing Petroleum Machinery Factory (BPM). Deren General Manager Liu Guanghua zeigt anhand des innovativen Bohrgestängeantriebes (BMP TDE) - der in 30 Ländern exportiert wird - wie dieses Produkt durch 12.000 Meter kann das stärkste Aggregat mit zwei Siemens-Motoren in den Grund bohren - eine eindrucksvolle Ingenieursleistung. In der ganzen Welt zuhause Das frühzeitig technologisierte Europa kann zwar auf einen reichen Fundus an Erfahrungen zurückblicken, diesen jedoch in andere Länder oder gar Kontinente zu exportieren, scheint oftmals schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Der Siemens AG, beziehungsweise deren engagierten Akteuren scheint dies in China auf eine einzigartige Weise gelungen zu sein. Denn nichts unterscheidet ein Werk und die Herangehensweise seiner Mitarbeiter dort von der in heimischen Siemenswerken. Der Rundgang durch die Service-Abteilung (Maschinenspindeln und Elektromotoren) und die Schaltschrankfertigung von Siemens SFAE in Peking offenbart dieses Ah-Erlebnis auf das Eindrucksvollste. Das liegt auch am Corporate Design, der Aufgeräumtheit und Sauberkeit in den Siemens Werken, zum anderen aber am Arbeitsfluss und dem Ernst, wie die Mitarbeiter hier zu Werke gehen. Dass etwa die Schaltschränke exklusiv für DMG-China von Siemens hergestellt werden, zeigt auf, dass Zusammenarbeit weltweit möglich ist und oft explizit vom Kunden gewünscht wird. Auch in China wird dabei stark auf Kundenwünsche eingegangen, wie das Beispiel der Lieferung von rund 8.000 Schaltschränken für den Flughafen Peking anlässlich der olympischen Spiele im letzten Jahr aufzeigt. „Unser Kunde hat viele Vorgaben an unsere Schaltschränke gehabt, die vom Standard abweichen. Wir haben sie alle zu seiner vollen Zufriedenheit umgesetzt", so Qin Zeng stolz. Qualität, Kundenorientiertheit, Nachhaltigkeit, Effizienz und Produktivität - nichts unterscheidet chinesische Kunden von denen in Europa, was die Werte von Industrieprodukten und Zusammenarbeit betrifft. Noch lange wird China den eigenen Markt nicht aus eigener Kraft heraus bedienen können. Ein Grund mehr für Siemens langfristig in China zu investieren.
Siemens zweites Zuhause
die wertvolle und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Siemens SFAE entstanden ist.