von Harald Klieber „Schaltschrank ist nicht gleich Schaltschrank. Da gibt es große Unterschiede. Ein individueller Schaltschrank zahlt sich fast immer aus“, betont Markus Nerge. Die Schaltschrank-Experten von Lohmeier erklären, woran sich letztlich auch konstruktiv die Qualität eines Schaltschrankes erkennen lässt. Es tut sich was bei Lohmeier: In den letzten 12 Monaten bereits über 2 Mio. Euro für neue Maschinen investiert, gut 25 % Umsatzwachstum zum Vorjahr. „Das müssen Sie als Mittelständler erst mal stemmen - und dabei vor allem nicht die Produkt-Qualität aus dem Auge verlieren", betont Marketingleiter Markus Nerge die Stärke von Lohmeier, einem der Vorzeige-Schaltschrankbauer Deutschlands - „Wir haben derzeit exakt 120 Mitarbeiter am Standort. Unsere Stärken sind neben hoher Eigenkapitalquote und damit weitgehender Bankenunabhängigkeit, hohe Fertigungstiefe, 15.000 m2 Produktionsfläche und zudem gewachsene Partnerschaften mit Zulieferern, Kunden und Auslandsvertretungen", definiert Hans-Werner Meyer die Erfolgsbasis. Nach der Krise haben sich der Inlandsmarkt und das Exportgeschäft sehr gut entwickelt. Vor allem starke Auslandsvertretungen in der Schweiz, Russland, Frankreich, Österreich und Australien haben schon 2010 den Export angekurbelt - Slowenien und Slowakei kamen 2011 dazu - was die Kapazitäten an ihre Grenzen brachte. Konsequenz war, dass Lohmeier vor kurzem zwei neue Maschinen in Betrieb genommen hat: ein weiteres, identisches Weinbrenner-Biegezentrum und das neue Flaggschiff, ein EML-Stanz-Laser-Bearbeitungszentrum von Amada. „Nach Angaben der deutschen Amada-Niederlassung war unsere EML zumindest bei Lieferung im Februar 2011 in dieser Komplexität einizigartig in Deutschland", berichtet Hans-Werner Meyer über die Vorzeigemaschine. „Die Maschine passt perfekt zu uns, weil wir nicht vom Coil arbeiten, sondern ausschließlich Platinen verarbeiten." Rund 4.000 t Blech pro Jahr verarbeitet Lohmeier mit einer Stärke von wenigstens 1,5 bis gut über 3 mm. Dazu kommt ein nennenswerter Bedarf an Edelstahl ebenfalls aus Tafelware. „Auf der anderen Seite stehen rund 1.200 aktive Kunden, denen wir in unserem Showroom gerne demonstrieren, warum wir etwas dickere Bleche verarbeiten und wie stabil letztlich unsere Schaltschränke sind", deutet Markus Nerge die Qualitätsmerkmale der Lohmeier-Produkte an. Maximalbelastung bei Lkw-Transport Und das hat seinen Grund: „Montageplatte, Spulen, Trafos und andere Leistungselektronik - da kommen dann schnell 200 bis 500 kg Transportgewicht je Schrankelement zusammen. Beim Lkw-Transport werden die Schaltschränke maximal mechanisch belastet. Da zeigt sich die Qualität. Ich habe schon zu sparsam ausgelegte Schaltschränke gesehen, die am Zielort zu einem leicht rautenförmigen Parallelogramm verformt waren. So etwas verzögert dann natürlich Projekte beim Kunden erheblich." Die Schaltschrank-Experten empfehlen daher, besonders auf die konstruktive Qualität der Schaltschränke zu achten. Gute Gründe hatte Lohmeier auch, ein zweites, identisches Weinbrenner-Biegezentrum zu kaufen: So mussten Werker und Konstrukteure nicht auf neue Maschinenbesonderheiten eingestimmt, auf keine neue Steuerung geschult und bestehende Programme oder sogar kundenspezifische Werkzeuge geändert werden. EML schlägt Strategie vor Um Platz für das Amada-Zentrum zu schaffen, musste Lohmeier zunächst alte Maschinen rechtzeitig verkaufen, eine neue Trafostation aufbauen, anschließen, den Hallenboden sanieren, eine Baugenehmigung für den Gastank einholen und den Tank aufstellen. „Zwar brauchte die EML im Gegensatz zu den Weinbrenner-Maschinen eine Hallenbodensanierung, aber dann wurde die Anlage mustergültig von den Technikern der deutschen Amada-Niederlassung aus Haan in Betrieb genommen", erinnert sich Fertigungsleiter Thomas Möhrling. Nach dem Wunsch von Lohmeier sollte es unbedingt ein Kombigerät sein. Das Unternehmen bekam aber viel mehr: „Wir haben eine Maschine gekauft, die uns unter anderem vorschlägt, welcher Bearbeitungsprozess für die jeweilige Kontur die günstigere ist: Lasern oder Stanzen." Die Stanze ist in der Regel wesentlich schneller und kostengünstiger, „Bis der Laser außen rum ist, hat das Stanzwerkzeug schon ein Dutzend Löcher gemacht. Der Laser hat dagegen den Vorteil, dass keine sonst üblichen Nibbel-Marken hinterlassen werden, was gerade unserem Qualitätsgedanken zuträglich ist. Lasern bringt saubere Kanten, macht weniger Nacharbeit und erspart Stanz-Sonderwerkzeuge." Hilfreich in der ROI-Kalkulation sei laut Möhrling zudem gewesen, dass ein Werkzeugwechsel jetzt noch maximal 18 Sekunden dauert, weil die Anlage nicht mehr stehen muss, sondern sich rechtzeitig aus dem Werkzeug-Revolver im Sekundentakt bedient oder aus dem separaten Werkzeug-Magazin-Turm auf 400 weitere Stanzwerkzeuge zugreifen kann. „Ein Werkzeugrüsten außerhalb des Revolvers dauerte früher mehrere Minuten, bedeutete Stillstand. Jetzt geht das genauso flott wie die Blechtafelbestückung aus dem Amada-eigenen Hochregallager, dem integrierten Lagerturm, der in acht Fächern das Material für eine Zwei-Tagesproduktion vorhalten kann. Roboterlos schneller schweißen Lohmeier fertigt schon viele Teile vollautomatisch, mannlos. Im Fokus stehen vor allem oft verwendete, einfache Teile. „Kernbearbeitungsschritte - wie das Punkten, Ausschweißen und auch das finale Schleifen - brauchen natürlich Fingerspitzengefühl. Schon deswegen sind unsere Facharbeiter in unserer familiären und partnerschaftlichen Unternehmenskultur unverzichtbar. Wir sind wirklich eine große Familie", unterstreicht Britta Lohmeier-Bloch die Firmen-Philosophie. Weiterer Pluspunkt des Amada-Zentrums sei der formgebende Aspekt. Diesbezüglich erschließt die EML für Lohmeier einen Meilenstein: Statt wie bislang nur rechtwinklige Ecken stanzen zu können oder teure Sonderwerkzeuge kaufen zu müssen, lassen sich jetzt auch ‚rund Ecken’, also Bögen lasern. „Freie Konturen ohne Nachbearbeitung sind mit der EML problemlos möglich. Grundsätzlich verbiegen und schweißen wir übrigens nichts mit Robotern", erteilt Thomas Möhrling den Vollautomationsgedanken eine weitere Absage, „weil die Roboter einfach nicht schnell genug sind." Viel schneller, verzugfreier und günstiger sei vor allem das Schweißen mit einer altbewährten, Vierbrenner-Schweißanlage zu machen. „Die Anlage braucht für ein komplettes Wandgehäuse nicht viel länger als 30 Sekunden. Also parallel vier Seiten samt gefalztem Gehäuse-Rand perfekt ausschweißen. Das kriegen Sie in der Zeit nicht mit einem, sondern nur mit vier Roboter hin", versichert Möhrling. Dennoch setzt Lohmeier Roboter ein: „Unsere zwei Fanuc-Roboter tragen vollautomatisch den PU-Dichtungsschaum auf unseren Verkleidungsteilen auf. " Mit der PU-Schaumdichtung, so Markus Nerge, wird sichergestellt, dass selbst in staubiger und ölhaltiger Luft keine Elektrotechnik gefährdenden, metallischen Stäube in den Schaltschrank eindringen. Hauptabnehmer der Lohmeier-Schaltschränke ist zu rund 70% der Maschinenbau. „Im letzten Jahr hatten wir noch eine Standard-zu-Sonderschrank-Quote von 30 zu 70, jetzt liegen wir bei 40:60. Dabei sind unsere Stückzahlen um gut 20 % gestiegen. Das heißt, besonders unsere Standard-Schränke werden 2011 wieder stark nachgefragt, was ja eigentlich nicht unsere Intention ist, aber sich sicherlich auch durch unsere langjährige Qualitäts-Philosophie argumentieren lässt", begründet Markus Nerge die aktuelle Abnahmemengen-Entwicklung. „Günstiger wie wir hier in die flachen Blechtafeln bekommt keiner mehr eine spätere Bearbeitung in die Blech-Schaltschränke. Wir machen es für den Kunden passig", sagt Nerge. Ausschnitte, Kabeleinführungen, Klimatisierung oder Sondergrößen - fast jeder Wunsch wird erfüllt. „Mit einer individuellen, elektromechanisch vorbereiteten Lösung fahren die meisten unserer Kunden deutlich besser - nicht nur in der Montage. Wir denken schon bei Planung an die Installation, an Service und Instandhaltung." Was Lohmeier nicht macht, ist verkabeln. „Wir beschränken uns auf unsere fertigungstechnischen Stärken: die elektromechanische Vorbereitung und vor allem die komplette, mechanische Bearbeitung der Schaltschränke - allerdings auch gerne bis zur perfekten Logistik ans Montageband von unseren Großkunden", deutet Hans-Werner Meyer die Kompatibilität für große Stückzahlen an. Es geht darum ein möglichst perfektes Gesamtpaket abzuliefern. Stand-alone-Schaltschränke etwa gibt es bis 2,2 x 1,2 x 0,6 m - Klimageräte inklusive. Die kauft Lohmeier beim Partner Pfannenberg zu.
und darüber hinaus: Lohmeier gilt mittlerweile als einer der erfolgreichsten Schaltschrank-Systemanbieter Europas. Gegründet 1963 von Fritz Lohmeier, leiten seit 2003 Tochter Britta Lohmeier-Bloch den Bereich Personal & Finanzen sowie Hans-Werner Meyer die Ressorts Technik & Vertrieb, das ausschließlich in Vlotho produzierende Familienunternehmen.