von Harald Klieber Gemäß Technologie-Portfolio konzentrieren sich die Belden-Töchter Hirschmann Automation und Control und Lumberg Automation nicht mehr nur auf den Maschinen- und Anlagenbau für diskrete und prozessorientierte Produktion. „Themen wie Bahntechnik, alternative Energiegewinnung, Cyber Security oder neu auch Anschlüsse für Beleuchtungssysteme werden von uns adressiert.“ Und für die Kundenaffinität hat Dr. Hubert Ermer, Geschäftsführer von Belden Deutschland, ein neues Customer-Request-Team installiert. Seit Anfang 2007 gehören die Hirschmann Automation and Control GmbH in Neckartenzlingen südlich von Stuttgart und die Lumberg Automation GmbH in Schalksmühle zum amerikanischen Belden-Konzern. 1902 in Chicago gegründet, setzte Belden in 2010 rund 1,62 Mrd. Dollar um. Der Fokus liegt auf der Entwicklung und Produktion von Lösungen für die Datenübertragung. Kabel, Steckverbinder, I/O-Module, drahtlose und drahtgebundene Netzwerksysteme und –geräte sind ebenso im Programm, wie Systeme zur Steuerung, Lasterfassung und Lastmomentbegrenzung für Sicherheitsanwendungen. Belden liefert vor allem in die Automatisierung, an Rechenzentren und Rundfunkstudios, aber auch in die Luft- und Raumfahrt. Zur durchgängigen Datenkommunikation von der Mangement- über die Steuerungs- bis in die Feldebene stehen die starken Marken Hirschmann und Lumberg Automation. „Belden hat den Status des ‚Rolls Royce’ bei den Audio-Kabeln. In diesem Marktsegment werden fast ausschließlich Belden-Kabel verbaut", deutet Hirschmann-Geschäftsführer Wolfgang Schenk eine der herausragenden Marktpositionen von Belden an. In Europa hat sich Belden in vier Business-Units aufgestellt: Die technologischen Wurzeln von Belden sind in der Unit Glasfaser zusammengefasst; Steuerungstechnik für Mobile Maschinen sind am Standort Ettlingen gebündelt, die Connectivity-Systeme forciert Geschäftsführer Dr. Hubert Ermer in der Belden Deutschand GmbH in Schalksmühle und in Neckartenzlingen baut die Hirschmann Automation and Control das Geschäftsfeld Networking aus. „Mit diesem Portfolio beliefern wir die gesamte Industrie – überall dort, wo man Automatisierung braucht, finden Sie auch die hochqualitativen Belden-Produkte", erklärt Wolfgang Schenk die Strategie, die weltweit insgesamt über 15 Niederlassungen und Produktionsstätten unterstützen. Ziel: nicht überdesignen, sondern auf den Markt maßschneidern Im Geschäftsbereich Connectivity hat Belden den gesamten Steckverbinder-Bereich organisiert. „Fokussiert haben wir für unsere Kunden des Maschinen-Anlagenbaus die sichere Verbindungstechnik für Signale und Energie in anspruchsvoller Umgebung – und zugeschnitten auf die jeweiligen Kundenanforderungen", definiert Dr. Hubert Ermer die Marktausrichtung für die beiden starken Steckverbinder-Marken Lumberg und Hirschmann. „Wir haben zwar auch Standardprodukte wie Kompakt-Module, I/O-Module oder Rechtecksteckverbinder, aber schon aus der Historie bedingt werden wir vermehrt wegen kundenspezifischer Lösungen angefragt. High Performance außerhalb des Schaltschranks ist unsere Spezialität." Das darf dann nach Angaben von Hubert Ermer auch hochpreisig sein. „Unsere Zielsetzung heißt aber künftig mehr denn je: Nicht überdesignen, sondern auf den Markt zuschneiden – und zudem einen attraktiven Preis gestalten." Zur Umsetzung der neuen Strategie hat Belden Deutschland ein Plattformkonzept entwickelt – etwa für deren Rechteckstecker und Ventilstecker, die sich modular aus Gehäuse, Verschraubung, Kontaktträger, Dichtung, Beschaltung und Zentralschraube einfach zusammensetzen lassen. „So sind wir in der Lage, ganz schnell eine von 1.000en Varianten anzubieten. Für schnelle Antworten auf Anfragen und passgenaue Produkte kümmert sich übrigens unser neu aufgestelltes Customer-Request-Team, das wir vor allem aus Technikern rekrutiert haben, weil die am besten verstehen, was unsere Kunden brauchen", betont Dr. Hubert Ermer. Als Beispiel führt er das Beleuchten von Glasscheiben an. Für das Lightning wurden extra neue Stecker und Kabel in nur acht Wochen entwickelt. „Diese Stecker haben wir nicht günstiger gemacht, sondern mit einem deutlichen Mehrwert engineert, womit unsere Kunden viel Montagezeit in der Anwendung sparen", so Hubert Ermer. Ein weiteres Projekt sei für die Firma MTS ein Messsystem in Hydraulikzylindern gewesen, deren Steckverbinder trotz maximaler Schutzart in IP69K einfach steckbar seien. „Die zwei Beispiele verdeutlichen auch gut unsere Neuausrichtung, bei der Automobil sowie Maschinen- und Anlagenbau nicht mehr die absolut dominante Rolle spielen werden. Wohin die Reise geht, zeigen unsere aktuell entwickelten Hochverfügbarkeits-Technologien – womit wir uns bereits neben Siemens als Marktführer positionieren konnten. Hirschmann-Adler übernimmt Cyber Security Mit unseren Hochgeschwindigkeits-Ring-Technologien wie HSR und unserer Embedded Ethernet Technology ist das Umschalten von einem zum anderen Ethernet-Netzwerk ohne jegliche Unterbrechung möglich – ähnlich wie im Kreisverkehr werden Datenpakete ein- und ausgeflochten", deutet Wolfgang Schenk die Pluspunkte der einsatzfähigen Technologie an. „Die Firma Port in Halle wird dabei erster Certified Engineering Partner." Als großes, derzeit laufendes Projekt für die Ethernet-Lösungen im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs führt Wolfgang Schenk die Modernisierung der U- und Trambahnen der Stadtwerke München an. Aber auch in China ist Belden mit dieser Bahntechnik aktiv. Zuletzt wurde deren Industrial-Ethernet-Lösung in der Signalsicherheitsplattform für die Personenverkehrslinie der Schnellzugstrecke Peking-Shanghai installiert. Über 1.200 Switches von Hirschmann sind jetzt auf 1.318 km im Einsatz. Die Stecke wurde im Juni freigegeben. Eingesetzt werden Industrial Ethernet Switches mit 1.000 Mbit/s; Backbone Switches mit SFP-Modulen zur Verbindung benachbarter Stationen, die eine Übertragungsstrecke von rund 100 km unterstützen. Die Signalsicherheitsplattform der Schnellzugstrecke Peking-Shanghai verwendet die Hirschmann Hiper-Ring-Technologie und bildet drei topologische Doppelring-Strukturen unter Verwendung von Singlemode-Glasfaserkabeln. Unter den drei Ring-Netzwerken wird durch Multitrunk-Technologie ein größeres Netzwerk gebildet. Die Datenübertragung zwischen den drei Netzwerken wird über einen Router realisiert. Der Austausch an der zentralen Station, dem zentralen Punkt, erfolgt über die Industrial Backbone Switches der Serie Mach 4002; Station und Relais sind über ein SFP-Transceiver-Modul mit Industrial Control Level Switches der Serie RS30 verbunden; ein Ring-Netzwerk wird alle 450 km angelegt. Zwei Ring-Netzwerke sind über Multilink-Trunk verbunden, um die Broadcast-Domänen zu verkleinern. Die Überwachungsstelle der zentralen Station kann mit der Hirschmann Industrial HiVision Netzwerkmanagement-Software mühelos den Zustand jedes Stationsaustauschs und jedes Endgerätes überwachen. Hirschmann-Lösungen sind bei allen 350-km/h-Bahnstrecken in China im Einsatz. Und es wird weiter investiert: etwa in die neue Personenzugverbindung Wu-Guang für 350 km/h Spitze und die Schnellzugstrecke Peking-Shanghai, die für 400 km/h ausgelegt wird. Wie innovativ Hirschmann in Neckartenzlingen ist, belegt auch F&E-Leiter Prof. Dr. Peter Fröhlich mit dem Eagle Tofino: „Das ist ein Produkt für die Cyber Security, gegen Viren wie den Stuxnet-Wurm, der beispielsweise im Anlagenbau Steuerungen lahmlegen kann. Unsere Firewall muss nur per Stick über einen Laptop zwischen Steuerung und SPS installiert werden – nicht autorisierte Daten werden damit automatisch abgeschmettert." Zwar ist nach Angaben von Peter Fröhlich mit dem Eagle Tofino ein bereits infizierter PC weiterhin infiziert, „aber die bösen Protokolle werden mit unserer Firewall 100%ig abgewehrt", was Peter Fröhlich auch eindrucksvoll an seinem Laptop demonstrierte.