„Wir messen uns an der Realität“ Herr Findling, wie kommt Ihr Dienstleistungskonzept ABEG bei den Konstrukteuren an? klaus findling: Konstrukteure tun sich bei der Akzeptanz von „Dienstleistung" eher schwer, gerade wenn es um die Auslegung von Wälzlagern geht - einer Aufgabe, die man als Konstrukteur ja beherrschen sollte. Anfangs ist man da skeptisch. Daher will der Konstrukteur auch unsere Berechnungswerkzeuge, damit er das selbst erledigen kann. Unsere Dienstleistung kommt dann erst später, wenn es um die genaue Spezifikation von Lagern geht, also über die klassische Lebensdauerberechnung hinaus. Welche Zusatzkosten entstehen dem Konstrukteur? Der Quickfinder basic als Web-Anwendung ist komplett kostenfrei. Der Quickfinder professional umfasst hingegen eine ganze Reihe anderer Berechnungswerkzeuge für Maschinenelemente: Wellenberechnung, Stirnrad, Planetenstufe, Federn, Welle-Nabe, Bolzen und Stifte, Zahnriemen und Zahnwellen. Hier haben wir ein Berechnungsmodell analog zum Handy: also Prepaid bzw. Flatrate-Angebote. So ist eine Stunde für 30 Euro zu haben und 25 Stunden Wälzlagerdimensionierung für 365 Euro. Unsere Flatrates für alle Module liegen für einen Monat bei 645 Euro und für 12 Monate bei 2.700 Euro. Für unsere Leistungen durch unsere Anwendungsberater machen wir individuelle Angebote. Viele Aufgaben gehen uns aber schon sehr schnell von der Hand - da kann man vieles auch ohne aufwändiges Angebote schreiben erledigen und nützliche Tipps und Tricks am Telefon geben. Umfangreiche Projekte, die sich auch über mehrere Firmenstandorte, Länder und Geschäftsbereiche erschließen können, werden über einen Rahmenvertrag abgedeckt. Nach welchen Standards testen Sie, um die richtige Kombination aus Wälzlager und Schmierstoff herauszufinden? Die standardisierten Testverfahren für Wälzlager werden bei den Fettherstellern durchgeführt. Das ist aber auch nicht das, was unsere Kunden interessiert. Die interessiert viel mehr: „Wie verhält sich das ABEG-Wälzlager mit diesem oder jenem Fett in unserem Anwendungsszenario?" Da helfen keine standardisierten Methoden - und dafür haben wir unseren Leistungsprüfstand entwickelt, der sich in Bezug auf die radiale und axiale Belastung, Drehzahl und Temperatur an die spezifischen vom Kunden benannten Lastkollektive anpassen lässt. Nur so bekommen wir Aussagen, mit denen der Kunde auch eine realistische Einschätzung für seine Anwendung bekommt. Ein Normverfahren ist gut, um danach über theoretische Berechnungen die Realität abschätzen zu können. Wir messen uns an der Realität. Die Wälzlagerhersteller geben Schmierstoffempfehlungen und verbinden dies mit einer Garantie. Wie sieht das bei Ihnen aus: Gibt es die Findling-Empfehlung mit Garantie? Welche Garantie geben die Hersteller? Davon ist mir nichts bekannt und das ist ja genau der Punkt. Man benötigt reale Testergebnisse, um die theoretischen Ergebnisse zu verifizieren. Berechnungen gehen von „Idealvorstellungen, Vereinfachungen und Wahrscheinlichkeiten" aus. Wir machen dafür dem Kunden das Angebot der Verifikation der theoretischen Ergebnisse auf dem Teststand - nur so erhält der Kunde eine nachprüfbare Leistungsbestimmung inklusive Schwingbeschleunigungsmessung, FFT-Auswertung, Auswertung über das Einlaufverhalten, Temperaturentwicklung im Betrieb, dem Verschleißverhalten und vielem mehr. Mit ihren X-Serien-Produkten, wie etwa Xforce oder Xtemp, gehen Sie weg vom Sonderlager und versprechen dennoch überdurchschnittliche Leistungen. Wie passt das zusammen? Indem wir unsere Flexibilität nutzen und eine „Sonderlösung von der Stange" anbieten, die 80 % der Anwendungen im Sonderbereich abdeckt. Nehmen wir einfach mal das Xforce-Lager: Wälzlager benötigen eine bestimmt Mindestumdrehungsgeschwindigkeit um einen Schmierfilm aufzubauen. Bei geringen Drehzahlen und hohen Kräften sind Standardfette überfordert und Sie haben einen frühzeitigen Lagerausfall. Mit besonderen Fetten können Sie das optimieren, aber mit dem Nachteil, dass diese Fette nicht für hohe Geschwindigkeiten geeignet sind - und dafür haben wir dann Xspeed-Lager. Kostengünstig sind die Xforce-Lager aber trotz des teureren Spezialfettes dadurch, dass wir z.B. auf eine Xspeed-typische Geräuschprüfung verzichten, denn diese ist bei niedrigen Drezahlen nicht funktionsrelevant. Wir bleiben unserem Motto also treu: reduziere Überdimensionierung und setze diese in Kostenvorteil um. Diese Kostenvorteile investieren wir dann in anwendungsspezifisch leistungssteigernde Komponenten. Fertig ist die eXtreme-Serie!