von Erik Schäfer Wie klassifiziere ich ein Wälzlager? Reichen mir DIN und ISO? Ist die Frage des richtigen Schmierstoffes oder der passenden Dichtung damit geklärt? Findling nimmt dies selbst in die Hand und vereinfacht damit seinen Kunden die Qual der Wahl. Leistungsklassen statt Toleranzklassen, darauf setzt Klaus Findling, Geschäftsführer der Findling Wälzlager GmbH in Karlsruhe mit seinem ABEG-System: „In die Toleranzklassen gehen Kriterien wie Schmierstoff, Dichtungen oder Wälzlagerstahl überhaupt nicht ein. Daher beurteilen wir mit ABEG (Advanced Bearing Expert Group) die Leistungsfähigkeit, sprich, Lebensdauer von Lagern. In der Praxis entscheiden Kriterien, wie Bauraum, Belastung, Lebensdauer, Schmierungszyklen, Schmierart oder Dichtungen, über die Einsatzfähigkeit des Lagers für die jeweilige Applikation." Die ABEG-Leistungsklassen sind in die Segmente Premium (blau), Supra (rot), Eco (grün) und EasyRoll (gelb) einteilt. Klaus Findling hat 2003 sein Unternehmen vom reinen Export-, Import-Handelsunternehmen, das Wälzlager, Gehäuse und Dichtungen vertreibt, zum Lösungsanbieter umgebaut. Wettbewerbsvorteile schaffen Ihm geht es darum, seinen Kunden eine Lösung anzubieten, die ihnen Wettbewerbsvorteile schafft. Dazu gehört nicht unbedingt immer der aktuellste Wälzlager-Trend, wie etwa Richtung Leichtlaufeigenschaftenverbesserung. „Nicht für jeden Anwender ist der Trend zum Leichtlauf und mehr Effizienz unbedingt gut. Gerade Leichtlaufdichtungen lassen eben auch leichter Schmutz ins Lagerinnere gelangen - und das ist bei Landmaschinen der Tod der Lager", weiß Klaus Findling. Beispiel Lüfterrad mit verstellbaren Schaufeln an einem Traktor: „Die werden mit Rillenkugellager verstellt, die eigentlich nicht für hohe Radialkräfte ausgelegt sind, wie sie beim Rotieren des Lüfterrades entstehen können. Zudem machen die Lager in axialer Richtung nur kleine Stellbewegungen. Damit diese optimal geschmiert werden und die Radiallast aufgenommen werden kann, sind die Lagerringe besonders gestaltet. Spezialdichtungen halten hier das Fett im Lager. Die einseitige Befettung sorgt dafür, dass das Fett langsam - von der Ventilatorachse aus gesehen - durchs Lager wandert. Damit die Lager richtig herum montiert werden, sind die Dichtungsdeckel mit unterschiedlichen Farben gekennzeichnet. Selbst wenn das Lüfterrad einmal durch Wind von hinten angeblasen wird und viel Staub schlucken muss, funktioniert es reibungslos. In diesem öfters auftretenden Extremfall wäre der Einsatz von Leichtlaufdichtungen kontraproduktiv." Es geht bei Findling einzig darum, die passende Lagerlösung, vom Basislager über die Befettung bis zu Dichtung bzw. dem Gehäuse, auf den speziellen Anwendungsfall des Kunden einzustellen. ABEG funktioniert herstellerunabhängig und ist bereits in den Ländern Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen sowie der Tschechischen Republik etabliert. Eigene X-Serienlager und der konstruktive Online-Weg Findling hat aber auch mit der eXtreme-Serie mit den Sektionen Xforce, Xspeed, Xclean und Xtemp eigene Entwicklungen im Programm, die extern gefertigt werden. „Unsere eXtreme-Serie ist für Extremanwendungen konzipiert. Wir sagen explizit, was diese Lager können aber ebenso explizit, was sie nicht können", macht Klaus Findling deutlich. Für den Konstrukteur entscheidend ist die Berechenbarkeit der Lebensdauer eines Wälzlagers. Dazu hat Findling die Lebensdauerberechnung nach DIN ISO 281 Bbl.2, A1 und A2 um den ABEG-Faktor erweitert und stellt zur Berechnung eigene Online-Softwaretools zur Verfügung. „Die erste Frage in der Auslegung der Lager lautet bei uns, wie groß ist der Bauraum, sprich, der Wellendurchmesser? Unsere Software sucht dann alle hier passenden Lager heraus. Danach folgt der Vergleich nach unseren ABEG-Klassen Premium (blau), Supra (rot), und Eco (grün) - bei niedrigen Umdrehungszahlen auch nach EasyRoll (gelb). Die kleinsten möglich Lager im Bauraum sind in der Regel die teuersten (Premium oder Supra). Je größer das Lager im vorhandenen Bauraum gewählt werden kann, desto günstiger wird es. Ist das Lager so bestimmt, wird es auf seine Lebensdauer hin überprüft. Diese Herangehensweise hat gleich mehrere Vorteile: Oftmals muss der Kunde seine Wellen nicht mit in der Herstellung teuren Absätzen versehen. Die Konstruktion muss nicht verändert werden, da das Lager nach dem vorhandenen Bauraum bestimmt wird. Oftmals kann ein günstiges Standard-ECO-Lager eingesetzt werden, da nicht nach „möglichst langer Lebensdauer", sondern „nach einer Lebensdauer so lange wie nötig" ausgewählt wird. Kunden, die mit uns diesen Weg gehen, sind flexibler und haben sich in ihrem Wettbewerbsumfeld immer durchsetzen können", weiß Klaus Findling aus Erfahrung.