von Erik Schäfer Auf, ab und wieder auf - und diesmal, 2011, zu einem neuen Umsatzrekord. Allein diese wirtschaftlichen Herausforderungen personaltechnisch zu stemmen, scheint unmöglich. Turck hat es dennoch geschafft und greift weiter an - K&E verrät wie. Die Jahrespressekonferenz der Sensorik- und Automatisierungsexperten von Turck, konzentrierte sich weniger auf die Details der Neuheiten aus den einzelnen Technikbereichen des Unternehmens, als vielmehr auf die Trends und Zukunftsstrategien. Christian Wolf, der gemeinsam mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Ulrich Turck die Geschäftsführung der Hans Turck GmbH & Co. KG - in der Gruppe für Vertrieb und Marketing zuständig - innehat, stellte dazu jede Menge Geschäftszahlen, Akquisitionen und personelle, wie strategische Entwicklungen vor. So etwa die Berufung von Guido Frohnhaus zum Geschäftsführer. Frohnhaus komplettiert damit die Geschäftsführung der Werner Turck GmbH & Co. KG - zuständig für Entwicklung und Fertigung - die er gemeinsam mit Markus Turck ausfüllen wird. Somit besteht die strategische Geschäftsführung der Turck-Holding aus vier Mitgliedern und die beiden Turcks markieren dabei die zweite Unternehmergeneration des Familienunternehmens, denn Werner Turck hat sich aus Altersgründen am 1.7. aus der Geschäftsführung ausgeklinkt - beratend steht er jedoch immer noch zur Verfügung. Geglückter Generationenwechsel also und dies in einem Jahr, in dem die Turck-Gruppe mit mehr als 400 Mio. Euro Gesamtumsatz einen neuen Unternehmensrekord anpeilt. „Vielleicht werden es am Ende gar 430 Millionen Euro sein", zeigte sich Christian Wolf optimistisch und gab das Ziel für 2012 mit einem Plus von etwa 10 % zu diesem Jahr an. Kooperation im UHF-RFID-Bereich „Die Aufgabe der Führung eines Unternehmens ist es, Infrastrukturen zu schaffen. Es gilt Autobahnen für die Mitarbeiter zu bauen, damit diese schneller und besser vorankommen", leitet Christian Wolf den Strategieteil seines Vortrages ein. Ein Highlight hier ist laut Wolf die Technologiekooperation mit der Firma Deister electronic im Bereich Forschung und Entwicklung des UHF-RFID-Bereiches, die im Juni unterschrieben wurde. Ulrich Turck und Deister-Geschäftsführer Anatoli Stobbe hatten hier die Verträge unterschrieben, die Turck im Bereich UHF-RFID weiter bringen soll und der Firma Deister neue Absatzwege in der industriellen Automation eröffnen soll. „Wir gehen den Weg vom reinen Sensorik-Anbieter zum Lösungs- und Systemanbieter konsequent weiter", so Christian Wolf und meint hier unter anderem die Automatisierungs-Lösungen. Turck will hier in den Bereichen Automatisierungslösungen und Steuerungen noch weiter vorangehen. Dazu hat Turck etwa den MTX-Anteil von Eaton nun zu 100 Prozent übernommen, was laut Christian Wolf ein guter und wichtiger Schritt war, „zumal MTX damit alle Aktivitäten nun ausschließlich auf Turck-Feldbuslösungen konzentrieren kann." Und noch etwas: „Mit der Übernahme haben wir nun 22 Vollblut-Feldbusentwickler in unseren Reihen. Die müssen Sie erst einmal auf dem Markt bekommen." Wie wahr, zumal in Ost-Westfalen einige Automatisierungsunternehmen permanent auf der Jagd nach Talenten und Fachkräften, wie Feldbusspezialisten seien. Stark im Ausland Die USA waren seit je her eine Domäne von Turck. Das Marktvolumen dort ist in den letzten zwei Jahren um 85 Mio. Dollar gewachsen und gemeinsam mit Australien wuchs das Geschäft in diesem Jahr um stolze 28 Prozent. Dass es in Middle East/Afrika/Indien bei einem Null-Wachstum blieb, führt Christian Wolf auf den Abschluss eines Großprojektes in diesem Bereich im letzten Jahr zurück, der die Ausgangsbasis für 2011 sehr hoch geschraubt hatte : „Wir haben dennoch nicht verloren, sondern das hohe Umsatzniveau durch viele weitere Kunden und Projekte wieder erreichen können", freut sich Wolf. Der Fertigungsstandort USA in Minneapolis, Minnesota, wird um 4.000 m² erweitert. 6 Mio. US-Dollar lässt sich Turck diese Erweiterung kosten. Neu ist die Gründung einer eigenen Tochtergesellschaft in der Türkei - „das ist der sechstgrößte Maschinenbauer in Europa", so Christian Wolf. Die Türkei startet mit 6 Mitarbeitern unter Leitung von Stephan Thelen. Der Geschäftsführer hegt aber nicht nur für die Türkei ambitionierte Pläne, sondern auch für Rumänien. Zudem ist die Gründung einer Tochtergesellschaft in Brasilien vollzogen worden mit dem Geschäftsführer Sergio Borges. Dazu Wolf: „Wir haben damit alle BRIC-Staaten mit eigenen Gesellschaften abgedeckt. Seit 1994 sind wir in China, seit 2001 in Russland. In Indien sind wir seit 2006 vertreten und nun kommt Brasilien hinzu. Wir erreichen damit die 75-prozentige Abdeckung des Welt-GDPs." 10 Jahre vor Ort konnte Turck in diesem Jahr in Polen und Mexiko feiern und all diese Standorte haben eine Erfolgsgeschichte zu erzählen. Beispiel Polen. Als man dort am 8.9.2001 mit vier Mitarbeitern startete, betrug der Umsatz 500.000 Euro. Heute erwirtschaften dort 25 Mitarbeiter das 10fache, 5 Mio. Euro. Investiert wird laut Christian Wolf auch sehr intensiv in F&E, die Schaffung von globalen Sourcing-Strukturen, ein optimiertes Lieferantenmanagement - wobei hier das Denken auf den Prozesskosten liegt - sowie die Bildung von Einkaufsgemeinschaften, auch mit Wettbewerbern. In diesem Zusammenhang stellt Christian Wolf klar, dass die komplexe Elektronik die Fertigungsstätten in Deutschland und der Schweiz allein aus Qualitätsgründen nie verlassen wird - wahrscheinlich spielt hier auch die Geheimhaltung eine gewisse Rolle, denn was sich nachbauen lässt, kann in anderen Ländern eventuell sehr viel günstiger geschehen (China). Zudem erweitert Turck derzeit im Sauerland (NRW), genauer in Halver, für rund 15 Millionen Euro die Kapazitäten um etwa 11.000 Quadratmeter Produktionsfläche und circa 1.100 Quadratmeter Bürofläche. Ressource Mensch Turck ist sich einem bewusst, dass sein Erfolg auf seinen engagierten Mitarbeitern beruht. „Der Erfolgsfaktor Personal, oder wie es so schön heißt, das Employer Branding, ist eine Stärke, deren wir uns sehr bewusst sind. Wir werden in diesem Bereich noch aktiver werden, damit sich die Mitarbeiter bei uns wohl fühlen, das geht weit über die normalen Dinge wie Vermögenswirksamen Leistungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld hinaus", betont Christian Wolf. Das liegt sicher auch an der lokalen Nähe vieler Wettbewerber, aber auch daran, dass das Unternehmen auch personelle in die Zukunft blicken muss. „Wir arbeiten mit Hochschulen zusammen und fördern schon dort junge Talente", äußert sich Christian Wolf zum Beitrag von Turck im Kampf um die Talente. Und noch eines fügt er hinzu, was sich nur mit dem entsprechenden Personal realisieren lässt: „Schneller besser zu sein, dass ist das relevante Kriterium für den Wettbewerbsvorteil." Damit hier nicht eine ähnliche Delle wie in der Finanzkrisenzeit 2009 entsteht, bedarf es laut Wolf der Entkopplung der Wirtschaft von der Finanzwirtschaft - möge es gelingen!