von Daniel Thomas, Division Auto Ident Sick AG Mit der Schreib-/Leseeinheit Interrogator RFH620/630 und standardisierten Transpondern in verschiedenen Bauformen bietet Sick eine RFID-Systemlösung für den rauen Staplerbetrieb an - samt Fahrer-Assistenzsystem für mehr Sicherheit. Prozesstransparenz, Flexibilität und Fehlervermeidung sind nach wie vor wichtige Vorteile, die RFID-Systemen auf Staplerfahrzeugen den Lagerverantwortlichen bieten. Die Effizienz des Staplerbetriebs hängt aber auch davon ab, wie viele Transportfahrten in definierten Zeiteinheiten durchgeführt werden können. Zeit ist also auch hier Geld - und Effizienz letztlich eine Frage von Geschwindigkeit, optimierten Fahrwegen und Fahrzeugbewegungen sowie von Verfügbarkeit. Gleichzeitig ist aber auch Zeitdruck eine häufige Ursache von Unfällen mit Staplern. Dies gilt insbesondere für Anfahrunfällen, bei denen Stapler mit Personen, anderen Staplern, Lagereinrichtungen oder Gebäudeteilen kollidieren. Untersuchungen der BGHW (Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution) belegen, dass bei Flurförderzeugen mit Fahrersitz solche Anfahrunfälle einen Anteil von etwa 40 % aller Unfallursachen ausmachen (Quelle: BGHW aktuell 1/2010). Daher sind die Anlagenbetreiber wie auch die Berufsgenossenschaften an neuen Lösungsansätzen interessiert, die die üblichen technischen und organisatorischen Maßnahmen, zum Beispiel Fahrersicht optimierte Stapler, Panoramaspiegel in Kreuzungsbereichen oder Warnwesten für Personen in der Anlage sinnvoll ergänzen. Die RFID-Technologie - auf vielen Staplerfahrzeugen aus Gründen der Waren- und Stellplatzidentifikation oft ohnehin an Bord oder als Option verfügbar - wird von Experten als ein solcher, sinnvoller Lösungsansatz eingestuft. Ihr großer Vorteil gegenüber optischen Markierungen auf dem Boden ist, dass die Datenträger nicht durch den Staplerverkehr verschmutzt oder zerstört werden und dadurch Lesefehler oder „no reads" auftreten können. Gleiches gilt, wenn ein Folien- oder Papperest auf dem Boden liegt: Optische Systeme erkennen die Markierung nicht, während die RFID-Technologie den Transponder auch ohne direkten Sichtkon-takt erkennen kann. Im Vergleich zu Magnetkodierungen im Hal-lenboden bietet RFID den Vorteil, auf wesentlich einfachere Weise eine vielfach größere Anzahl von Positions-IDs erzeugen und diese bei Bedarf durch einfaches Umprogrammieren über die Schreib-/Leseeinheit verändern zu können. 13,56 MHz: der Frequenzbereich in der Intralogistik Als für materialfluss- und logistische Anwendungen ideale RFID Übertragungsfrequenz erweist sich der HF-Frequenzbereich (High Frequency) von 13,56 MHz, in dem auch der Interrogator RFH630 arbeitet. Die Energieübertragung zwischen Antenne und Transponder erfolgt durch induktive Energieeinkopplung, d.h. die im Hallenboden der Fahrwege eingelassenen Datenträger benötigen keine Batterie, sondern werden über das Lesefeld der Schreib-/Leseeinheit mit der für die Kommunikation erforderlichen Energie versorgt. Das Frequenzband ist international übereinstimmend normiert, so dass sich HF-Transponder - wenn sie wie bei Sick die etablierten ISO/IEC 15693-Standards einhalten - überall auf der Welt mit HF-Technologie identifizieren lassen. RFID-Systemkonzept gewährleistet höchste Zuverlässigkeit Die 13,56 MHz-Lösung RFH630 von Sick ist speziell auf den Einsatz zur Objektkennzeichnung und –identifikation in Materialfluss, Intralogistik und Distribution ausgelegt. Der Interrogator RFH630 mit integrierter Antenne, Signal- und Datenverarbeitung sowie CANopen-Schnittstelle bietet industriegerechte Robustheit, hohe Kommunikationsreichweiten sowie optionale Anschlusstechnik für alle gängigen Feldbus- und Netzwerkkonzepte. Für noch mehr Flexibilität bei der Lösung von Applikationen sorgt die Möglichkeit, externe Antennen mit unterschiedlichen Bauformen anzuschließen und so z. B. das Lesefeld den Erfordernissen der dynamischen Datenübertragung beim Überfahren des Transponders anzupassen. Das RFID-System von Sick bietet ein Höchstmaß an Verfügbarkeit - zum einen durch seine hohe Lesesicherheit, zum anderen durch seine Robustheit und Servicefreundlichkeit. Selbst bei einem Gerätetausch ist die Ausfalldauer des Staplers minimal, denn der integrierte Micro-SD-Slot ermöglicht den Parameter-Download auf ein Neugerät innerhalb von Sekunden. Die Transponder, die an den neuralgischen Streckenpunkten zuverlässig identifiziert werden müssen, stehen als Zylinder- oder Münztransponder zur Verfügung. Zum Schutz vor Beschädigung oder Zerstörung werden sie an diesen unfallkritischen Stellen in Kernlöchern von wenigen Millimeter Tiefe versenkt und z. B mit Flüssigasphalt vergossen. Die Lesesicherheit wird von der im Lagerbetrieb üblichen Verschmutzung eines Bodens oder einer unter Umständen vorhandenen Eisenarmierung im Boden nicht beeinträchtigt. Da beispielsweise bei Schmalgangstaplern die Achshöhe etwa 35 mm beträgt, wird der RFH630 mit etwa 40 mm Abstand zum Hallenboden an der Staplerunterseite montiert. Bei dem sich daraus ergebenden Leseabstand von etwa 55 mm wird eine Lesefeldbreite von etwa 100 mm erreicht. Dies ist ausreichend, um mit 12 km/h zuverlässig die Transponder auszulesen. Die ausgelesenen Transponderdaten werden über die CANopen-Schnittstelle des RFH630 an die Fahrzeugsteuerung weitergelei-tet, die dann anhand der Positionsinformationen über geeignete Maßnahmen entscheidet. Für den Staplerfahrer bedeutet das, dass er sich darauf verlassen kann, dass er an den kritischen Stellen informiert wird oder auch - ja nach Warnkonzept - ein automatischer Eingriff der Fahrzeugsteuerung erfolgt, z. B. ein Übergang in Schleichfahrt oder eine Reduzierung der Hubhöhe. So erhöht RFID die Betriebssicherheit Als elektronische Fahrerunterstützung ist das RFID-System von Sick eine sehr zuverlässige Assistenzlösung, die es ermöglicht, an vielen sicherheitskritischen Streckenpunkten einen ergänzenden Schutz vor Anfahrunfällen zu realisieren. In Schmalganglagern kann es nicht nur zur Sicherung von Gangenden und Quergassen eingesetzt werden, sondern auch von Schmalgang-Fluchtwegen, wie sie §29 der Unfallverhütungsvorschriften Flurförderzeuge BGV D27 vorgeschrieben sind. Darüber hinaus ermöglicht RFID über die Wegstreckenmessung und Positionsbestimmung hinaus die halbautomatische Zielanfahrt von Stellplätzen. Dies erleichtert die Positionierung am Stellplatz und unterstützt die Konzentration des Fahrers. Die Fahrwege von Staplern können je nach örtlichen Gegebenheiten Steigungs- und Gefällstrecken aufweisen. Transponder im Boden können in solchen Fällen ein Fahrzeug automatisch auf Schleichfahrt umschalten oder dem Fahrer signalisieren, dass eine Weiterfahrt nur mit bergseitig geführter Ladung zulässig ist. Unterschiedlich hohe Durchfahrten innerhalb von Hallen. Hallentore ins Freie oder zu benachbarten Hallen, unterschiedliche Hallendachhöhen oder auch mechanische Installationen unter der Hallendecke, die die lichte Höhe verringern, sind ebenfalls typische Streckenpunkte für Transpondermarkierungen, deren Identifikation zum Anpassen von Hubhöhen oder zu Hubabschaltungen führen und so Anfahrunfälle mit Gebäudeteilen vermeiden kann. IDpro erleichtert Integration RFID bewährt sich in der Intralogistik nicht nur als Assistenzsystem zur Reduzierung von Unfallrisiken, sondern auch als elektronische Kodierung von Bodenstellplätzen in Blocklagern. Gleichzeitig dominiert bei der Kennzeichnung von Regalfächern, Paletten, Gitterboxen und anderen intralogistischen Objekten noch immer der Barcode bzw. der 2D-Code. Für Staplerfahrzeuge, die sowohl elektronische als auch optische Datenträger identifizieren sollen, bietet Sick mit der Plattform IDpro die Möglichkeit, jede der Technologien auf einheitliche Weise zu integrieren. Alle IDpro-Geräte - u. a. die Barcodescanner CLV6xx, die kamerabasierten Codeleser Lector 62x und die RFID-Interrogatoren RFH6xx - zeichnen sich durch ein industriegerechtes Design aus und lassen sich auf die gleiche Weise anschließen, konfigurieren und parametrieren. Einmal parametrierte Datentelegramme können für alle Auto ID–Systeme genutzt werden. Anwender profitieren von kosteneffizienten und investitionssicheren Lösungen für ihre Aufgabenstellungen. Den Hersteller und Stapler- und anderen Flurförderzeugen stehen vollständig kompatible und vernetzbare Technologien zur Verfügung - mit einheitlichen Parametrier- und Bedienoberflächen, durchgängig kompatibler elektrischer wie auch mechanischer Anschlusstechnik sowie identischen Feldbuskomponenten. Ob Prozesssteuerung oder Unfallvermeidung durch Fahrerunterstützung - Sick bietet für alle gängigen Staplertypen und –fabrikate geeignete Identifikationslösungen an, die sich aufgrund ihrer technischen Leistung und ihrer Robustheit speziell im Staplerumfeld bewähren.