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Statt Invest-Risiko: EMS aus einer Hand

Rafi aus Berg bei Ravensburg ist als Hersteller von elektromechanischen Bauelementen oder Bediensystemen bekannt. Warum die Ravensburger auch zu den größten deutschen Elektronikfertigern zählen und was Entwickler davon haben, erklärt Hermann Kling, Mitglied der Geschäftsleitung für den Bereich Elektronik.

Herr Kling, Rafi hat sich mit Schaltern, Tastern und Eingabesystemen einen Namen gemacht. Heute bietet Ihr Unternehmen auch EMS-Dienstleistungen an. Welchen Anteil hat diese Sparte am Gesamtumsatz?

EMS-Dienstleistungen sind in den vergangenen Jahren zu einem unserer stärksten Wachstumssegmente geworden, in das wir kontinuierlich investiert haben. Wir verfügen heute über 15 SMT-Linien, davon acht am Rafi-Unternehmenssitz in Berg und vier bei Rafi Eltec in Überlingen, unserem Kompetenzzentrum für EMS-Dienstleistungen. Hinzu kommen weitere Fertigungskapazitäten, unter anderem in unserer ungarischen Niederlassung. Unsere Gesamtbestückungsleistung liegt bei 7 Mrd. Bauelementen pro Jahr. Damit zählen wir zu den zehn größten Elektronikfertigern Deutschlands.

Welche Leistungen bietet Rafi neben dem Engineering und der Bestückung?

Rafi bietet seinen Kunden das gesamte Spektrum der EMS-Dienstleistungen an: Von der Entwicklung, dem NPI-Service, der Produktion der Baugruppen bis zur Auslieferung kompletter Geräte einschließlich der gesamten Versandlogistik führen wir alle Aktivitäten durch. So gesehen reicht es, wenn jemand mit der bloßen Produkt-Idee und einem Pflichtenheft zu uns kommt, wir übernehmen dann die Entwicklung der Hard- und Software. Für die Leiterplattenbestückung nutzen wir sowohl SMT- und THT-Verfahren als auch Chip-on-Board- und Flip-Chip-Montage in Reinräumen. Die von Rafi entwickelte Glasscape-Technologie, die Glas-Elektronik-Kombinationen zum Beispiel für Beleuchtungs- und HMI-Systeme ermöglicht, gehört ebenfalls zu unserem Spektrum.

Sie sprachen gerade die Auslieferung kompletter Geräte an. Sie stellen auch Gehäuse her?

Ja, unsere Fertigungstiefe ist ein Rafi-typisches Markenzeichen. Wir können alles selbst entwickeln und produzieren, da wir neben der Elektronikfertigung über einen Werkzeugbau, eine eigene Metallbearbeitung mit CNC-Bearbeitungszentren und eigene Spritzgießanlagen verfügen. Auch Sieb- und Digitaldruck können wir selbst durchführen.

Was bringt es für ihre Kunden, die Produktion auszulagern?

Da gibt es völlig unterschiedliche Motive. Entweder sind nicht die passenden Mittel zur Fertigung vorhanden oder es fehlen die notwendigen Kapazitäten. Oftmals geht es ja auch nicht nur darum, neue Maschinen anzuschaffen, sondern auch darum, das nötige Know-how aufzubauen und zu pflegen. Wenn solches Know-How nicht direkt in den Bereich der eigenen Kernkompetenzen fällt, bietet sich die Fremdfertigung schon aus Kostengründen an. Kosten können auch unter einem anderen Gesichtspunkt eine Rolle spielen, zum Beispiel bei der Vorfinanzierung von Bauteilen. Gerade für schnell expandierende Unternehmen können sich durch die Vorfinanzierung großer Mengen elektronischer Bauteile Engpässe bei der Liquidität bilden. Dieses Risiko können sie dadurch umgehen, indem sie Produktionsanteile zu Rafi auslagern und uns dann für die beauftragten Produkte erst bei der Auslieferung bezahlen. Das versetzt sie also in die Lage, die wachsende Nachfrage nach ihren Produkten bedarfsgerecht und ohne Risiko für die eigene Liquidität zu decken. Und nicht zuletzt ist natürlich auch Redundanz ein wichtiger Grund für die Auslagerung.

Aus Sicherheitsgründen?

Ja, Redundanz im Sinne einer ausfallsicheren Produktion. Lassen Sie es mich einmal anhand eines Beispiels formulieren: Wenn Sie als Elektronik-Hersteller ihren Kunden zu jeder Zeit die Verfügbarkeit bestimmter Produkte garantieren müssen, ist es eine sinnvolle Lösung, einen bestimmten Anteil der Gesamtproduktion bei einem Fremdfertiger - also bei Rafi - produzieren zu lassen. Wenn Sie jetzt durch Unterbrechungen der Produktion im eigenen Werk - sei es durch Wartung, Erneuerung oder Erweiterung der eigenen Anlagen - kurzfristig weitere Kapazitäten benötigen, kann Rafi sofort einspringen.

Ergeben sich auch Einsparpotenziale für den Auftraggeber, wenn er gleichzeitig im eigenen Werk und bei einem Fremdfertiger produzieren lässt?

Zunächst ist es natürlich eine Frage der Abwägung, ob diese zusätzliche Absicherung gegen Produktionsausfall als notwendig erachtet wird. Kommt der Hersteller zum Ergebnis, dass es sinnvoll ist, fährt er mit Rafi sehr günstig. Wir arbeiten hart an der Optimierung der Supply Chain, was praktisch gesehen auf eine Reduzierung der Wertschöpfungstiefe und Stärkung des Einkaufs hinausläuft. Angesichts der Größe unserer Abnahmemengen können wir sehr günstig direkt bei den Herstellern einkaufen.

Dann kaufen sie direkt an den asiatischen Märkten ein?

Ja, die Hersteller von elektronischen Komponenten sitzen heute überwiegend in Asien, und den enormen Bedarf an Bauteilen können wir nur dort decken. Deshalb haben wir vor Ort ein eigenes Einkaufsbüro gegründet. Rafi steht im internationalen Wettbewerb und wir konnten durch unsere Einkaufspolitik die Kosten bei gleichbleibend hoher Produktqualität sehr niedrig halten. Gerade Leiterplatten und Kabel beschaffen wir bereits seit über 15 Jahren in Asien und haben gute Erfahrungen damit gemacht. Seit 2006 haben wir eine Stabsstelle für Global Sourcing eingerichtet, um die internationale Beschaffung zentral zu koordinieren. Über das Büro in Asien haben wir einen direkten Kontakt zu den Herstellern und können die Einhaltung der Qualitätsstandards vor Ort überwachen. Zum Beispiel würden wir niemals Blindbestellungen aufgeben, vor Geschäftsabschlüssen besichtigen unsere Einkäufer die Werke der Lieferanten, das ist eine wichtige Kontrollfunktion. Unsere Kunden profitieren damit direkt von den günstigen Preisen. So gesehen funktioniert die Beschaffungslogistik von Rafi für unsere Kunden wie eine Einkaufsgemeinschaft.

Wäre es für Ihre Kunden nicht günstiger, gleich ihre Produkte in Asien produzieren zu lassen?

Das hängt letztlich immer von der Art der Produkte und den Stückzahlen ab. Der Lohnkostenanteil an den Gesamtherstellungskosten beträgt vielleicht zehn, höchstens 15 Prozent. Die Kosten für die Bauelemente und die Investitionskosten dagegen sind fast dieselben. Dem niedrigeren Lohnkostenanteil stehen aber lange Lieferzeiten, die Notwendigkeit, hohe Stückzahlen zu beauftragen und nicht zuletzt immer ein Qualitätsrisiko gegenüber. Bei Rafi hingegen ist die Produktion sehr flexibel, wir können kurzfristig Änderungen einplanen und Kunden können immer in Stückzahlen produzieren lassen, die der Markt aktuell verlangt. Und wir garantieren die Qualität unserer Produktion durch die ständige Überprüfung sämtlicher Produktionsphasen. Wir müssen höchsten Anforderungen genügen, da wir auch medizintechnische Geräte und Produkte für den Automotivebereich herstellen.

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www.rafi.de



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