von Harald Klieber Seit 1994 führt Renate Pilz die Geschäfte des Lösungsanbieters für Sicherheits- und Steuerungstechnik. „Das Erfolgsrezept der Pilz GmbH ist das regelmäßige Produzieren von Innovationen. „Pilz ist quasi Botschafter der Sicherheit“, unterstreicht Renate Pilz, die exklusiv in K&E die Meilensteine, aber auch das künftige technologische Rüstzeug für Konstrukteure definiert. Frau Pilz, der Mut zu Innovationen hat ja schon lange Tradition bei Pilz: seit 1948. Ihr Mann Peter Pilz hat dann als der Visionär des Unternehmens bis Mitte der Siebziger für entsprechende Management-Methoden sowie technische Meilensteine gesorgt, wie den Grundstein für die aktuellen Steuerungssysteme PSSuniversal PLC des Automatisierungssystems PSS 4000. Sie bezeichnen Pilz mittlerweile als „Botschafter der Sicherheit". Was ist Ihre Botschaft an die deutschen Maschinenbauer? Mein Mann war eigentlich der perfekte Botschafter der Sicherheit. Ich und das gesamte Unternehmen führen sein Lebenswerk, ich denke, in seinem Sinne weiter. Botschafter der Sicherheit ist Pilz absolut – weil wir von der Risikoanalyse bis zu Beratung und Consulting mit dem Wissen aus den vergangenen Jahrzehnten unsere Kunden optimal unterstützen können. Wir versprechen nicht nur, wir bieten heute das komplette Sicherheits- und Steuerungssystem für den mittlerweile ja global agierenden Maschinenbauer. Das heißt, Sie müssen aber auch die internationalen Normen im Griff haben. Das tun wir. Pilz hat mittlerweile weltweit 28 Tochtergesellschaften und Niederlassungen, in den wichtigsten Metropolen und Märkten. Das sind aber keine herkömmlichen Vertriebstöchter. Sie finden dort tiefgreifendes Expertenwissen vor. Der Grund sind die dort eingestellten Ingenieure und Applikateure. Diese Menschen verstehen ihre Kunden, die Märkte und haben das Know-how, um den Kunden, Anwendern und Konstrukteuren technologisch auch jeder Zeit Erst-Support bieten zu können. Und dieses Normen-Wissen nutzen Sie auch für deutsche Maschinenbauer? Pilz ist natürlich weltweit vernetzt. Wenn einer unserer deutschen Kunden nach Nord- oder Südamerika oder nach Neuseeland exportieren will, kann er von Pilz das nötige Wissen über die landeseigenen Normen und Vorschriften erfragen, eine Beratung erhalten und natürlich auch uns seine Komplettlösung planen lassen. Das Automatisierungssystem PSS 4000 ist modular aufgebaut, so dass sich jeder gemäß seiner Bedürfnisse und Wünsche bedienen und uns beauftragen kann: Komplettsystem, Komponenten, eine Bedarfsanalyse oder Beratung. Verdienen Sie auch mit Beratung richtig Geld? Beratung ist ein Kernbestandteil unserer Unternehmensstrategie. Wir versprechen kundenorientierte Sicherheits- und Steuerungs-Lösungen für alle Industrien. Das können Sie aber nur leisten, wenn Sie engen Kontakt zum Kunden, zum Konstrukteur und Entwickler halten. Ich weiß, das sagen Ihnen alle. Aber wir beziehen daraus unsere Informationen und Inspirationen, die für neue Technologien nötig sind. Im gleichen Atemzug liefern wir aber dem Kunden auch viel Know-how, um seine Projekte entscheidend voran zu bringen. Kommunikation ist also der Knackpunkt. Welche Managementtools nutzen Sie? Auch im dritten Jahrtausend setzen wir auf den Menschen. Natürlich hat Pilz auch Zielvereinbarungen. Die sind aber absolut zweitrangig. Wir leben intern Vertrauen, Offenheit und Transparenz. Entscheidend ist, auch beim Kunden richtig zuzuhören, um die Aufgabe verstehen und eine Lösung anbieten zu können. In der eigenen Entwicklungsabteilung ist dagegen Offenheit eine maßgebliche Voraussetzung. Die Motivation, neue Technologien zu untersuchen, soll Konsequenz dieser Voraussetzung sein, um vielleicht auch den Zusatznutzen mit einem neuen Werkstoff austesten und generieren zu wollen. Sie proklamieren in Ihrer Firmenphilosophie den ‚Mut zur Innovation’ – und Pilz hat mit der PSS 3000 oder dem Pnoz bewiesen, welche bahnbrechenden Resultate so machbar sind. Ist Innovation doch planbar? Sie brauchen zumindest die richtigen Protagonisten. Wie gesagt: Der Mensch ist der ausschlaggebende Faktor. Mut zur Innovation versteht sich beim Konstrukteur eigentlich von selber. Es ist ja sein Tagesgeschäft. Aber Innovation bedeutet Veränderung. Und Veränderung heißt auch oft, sich von geliebten Konstruktionspraktiken zu verabschieden? Wir unterstützen unsere Konstrukteure und Entwickler darin, neue Wege zu gehen. Die beste Motivation für Veränderung ist aber immer noch der Erfolg. Das macht Mitarbeiter stark und inspiriert. Pilz ist heute ziemlich exakt 1.500 Menschen stark - Was passiert mit Ihren gescheiterten Innovationen? Diese werden archiviert. Man ist ja oft seiner Zeit voraus. Wie beispielsweise mit MIPPS, dem ersten in eine SPS integrierten PC. Ich war 1996 begeistert, fand das sensationell - der Markt war aber noch nicht bereit. Was ist daraus geworden? Die Mechatronik hat uns hier einen großen Schritt weitergebracht, brachte neue Denkanstöße. Schließlich ging daraus das Automatisierungssystem PSS 4000 hervor -eine echte Erfolgsgeschichte seit seiner Einführung 2009. Wir haben dieses Automatisierungssystem entwickelt, und damit den Trend aus den 90ern aufgenommen - als Maschinen und Anlagen immer modularer wurden, also Teile von Maschinen einfach herausnehmbar, flexibel konfiguriert wurden. Das Automatisierungssystem unterstützt und verstärkt diesen Aspekt. Mit ihm lässt sich vor allem sehr einfach die Modularität und Flexibilität von Maschinen abbilden, verändern, anpassen. War das Ihre spektakulärste Innovation? Bei weitem nicht. Das Pnoz, das im Jahr 1987 weltweit erste Sicherheitsschaltgerät, hat auch Pilz weltweit den Durchbruch bei den sicheren Schaltgeräten gebracht. Dieses Niederspannungs-Notschutzschaltgerät war eine echte Kundeninnovation, die in der Urversion als weltweit erstes Strom abschaltendes Relais nur einmal verdrahtet werden musste und sich aber durch bloßes Stecken beliebig erweitern lies. Schon im nächsten Innovationsschritt realisierten wir dann, dass das Pnoz heute quasi nur noch auf die Hutschiene im Schaltschrank aufgeklipst werden muss – ganz ohne zu verkabeln – fast grenzenlos wiederholbar. Ein echter Volltreffer also. Hatten Sie auch mal einen Hidden Champion? Ja. Das Pnozmulti, unsere Kleinsteuerung, die nicht mehr programmiert, sondern nur noch mithilfe des Pnozmulti-Configurators konfiguriert werden musste. Der große Vorteil war, dass die Programme bei Mehrfachverwendung nur kopiert wurden. Damit schafften wir weltweit den Durchbruch bei den Kleinsteuerungen. Die Software war also der Knackpunkt. Dazu liefern wir eine Bausteinbibliothek. Und viele schätzen nicht nur das ordentliche Kosten-/Nutzenverhältnis, sondern auch die Flexibilität und Universalität besonders bei kleinen Anwendungen. Heute ist das Pnozmulti immer noch Trend bei den Kleinsteuerungen. Mich hatte Ihr SafetyEye begeistert. Was ist daraus geworden? Auch damit waren wir sicherheitstechnisch einen Schritt voraus: SafetyEye war 2006 weltweit die erste dreidimensionale Sicherheitskamera. Genauer sind es ja drei Kameras, die die Bilddaten des zu überwachenden Raumes liefern. Weitere Kernelemente sind die Auswerteeinheit, das programmierbare Steuerungssystem (PPS) und die Konfigurationssoftware. Damit haben wir bereits viele Anwendungen bei namhaften Kunden, auch in der Automobilindustrie. Ähnlich erfolgreich ist unser kamerabasiertes Schutz- und Messsystem PSENvip speziell für Gesenkbiegepressen, dessen dynamische Mutingfunktion nur mit dem Wissen von SafetyEye realisierbar war. Was bringt das PSENvip in der Produktivvariante gegenüber herkömmlicher Überwachung? Ein Hersteller erzielt durch die Mutingfunktion deutlich höhere Taktzahlen, was auch eine deutlich höhere Produktivität der Presse nach sich zieht. Mit PSENvip lässt sich eine hohe Präzision bei leichter Montage, auch für das Nachrüsten durchführen - was früher eben einen halben Tag gedauert hat, geht jetzt in einer halben Stunde. Also weichen die Sicherheitsgitter bald dem SafetyEye? Solche Technologiesprünge dauern etwas - vor allem, bis der Markt bewährte Technik zugunsten einer neuen ersetzt. Aber durch Extremfälle offenbart sich ja oft das Potenzial einer neuen Technologie: Gelungen ist uns das vor kurzem an eben einer grundsätzlich schwierig abzusichernden Plattenpresse in der Papierindustrie. SafetyEye schützt jetzt das Bedienungspersonal im Raum und sorgt für den sicheren Betrieb. Diese flexiblen Sicherheits-Systeme haben eine große Zukunft. Was zeigt Pilz davon auf der SPS, lohnt sich der Besuch? Wir hatten noch keine SPS, die nicht gut besucht war. Überdurchschnittlich ist der Anteil der Konstrukteure und Entwickler auf unserem Stand. Auch dieses Jahr wird es sich wieder lohnen, besonders für die Technikexperten. Versprochen.
davon sind 300 allein für Forschung und Entwicklung tätig - Applikationsanpassungen bearbeiten wir gesondert - und alle wissen, dass das gesamte Unternehmen sie unterstützt, hinter ihnen steht und, dass es ausdrücklich gewünscht ist, ganz neue Wege zu denken und zu gehen. Diese Sicherheit ist die Basis, die Sie Ihren Mitarbeitern geben müssen.