von Harald Klieber Neuer Eigner, neue Struktur. Nicht nur für die drei Niederlassungen der neuen Afag Holding im schweizerischen Huttwil, Amberg und Leonberg sieht Marc Zingg, Geschäftsführer der Afag Automation AG, viele Pluspunkte. „Vor allem werden auch unsere Kunden profitieren. Unsere neue Firmenstruktur gibt uns noch mehr Innovationskraft. Das haben wir auf der Motek mit vier Neuheiten demonstriert.“ Umfirmiert wurde bereits zum 1. Juli. Der damalige Eigner, die Feintool-Gruppe hatte die Afag an die Unternehmer Alexander und Karl Schaeff verkauft. „In der Schaeff Holding firmieren wir jetzt wieder als nicht börsendotiertes Unternehmen. Das ist der größte Pluspunkt. Wir haben jetzt sehr kurze Entscheidungswege, müssen eben nicht mehr an eine Konzernleitung berichten, für die Börse aufwändige Analyse und Berichte anfertigen. Wir konzentrieren uns jetzt voll auf unser technisches Kerngeschäft: innovative Handhabungs- und Zuführtechnik, mit der Erfahrung aus über 50 Jahren", unterstreicht Marc Zingg das Know-how und die neu gewonnenen Freiheitsgrade. Die Feintool-Gruppe hatte Afag Anfang Juli verkauft, weil vor allem die Afag-Technologien und -Produkte nicht mehr zur unmittelbaren Kernkompetenz der Feintool-Gruppe, dem Feinschneiden von Blechen, passten. „Früher war Feintool noch deutlich breiter aufgestellt. Da hatte Afag gut in den Firmenverbund gepasst. Nun können wir uns aber noch besser auf unsere favorisierten Technologien konzentrieren: Die hochwertige Handhabungs- und Zuführtechnik", erklärt Marc Zingg. Wie gewohnt, sei natürlich der Afag-typische Fokus auf Qualität geblieben - und wird sich nach Einschätzung von Marc Zingg durch neu gewonnenen Freiheitsgrade und dem damit verbundenen Kapazitätsplus noch deutlich verstärken. „Technologisch gehen wir natürlich voll mit dem Trend. Afag unterstreicht mit den Neuheiten zur Motek neben den neuen pneumatischen Präzisionsgreifern PG auch Substitution der Pneumatik durch die weitaus energieeffizientere elektrische Antriebstechnik." Highlights sind laut Marc Zingg die elektrischen Greifer: der Elektrogreifer EG-20, supereinfach zu integrieren, sowie der Servogreifer SG-50 mit integriertem Messsystem. „Was derzeit machbar ist, wie einfach das ohne Pneumatik und die damit verbundene, aufwändige Verschlauchung zu machen ist, zeigen wir mit der E-Handling-Anlage, die komplett ohne Pneumatik auskommt. Für hochdynamische und präzise Linearbewegungen sorgen die neuen Linearmotorachsen LE. Elektrische Rotationsmodule der RE-Baureihe bewegen dank der hohen Übersetzung von 1:30 und der kompakten Bauweise die aufgebauten Rundtische ohne störendes Überschwingen. Schlauchlose Pneumatik „Dagegen bringen wir mit den sehr kompakten EG-20 und UG-20 Greifer auf den Markt, die das Bewegungsprofil von Pneumatikgreifern perfekt nachahmen, vollelektrisch und vor allem sehr einfach anzusteuern sind - mit nur einem Knopfdruck, also einem Signal, können Sie schnell und kraftvoll greifen und halten - ganz so, wie Sie es von der Pneumatik gewohnt sind - mit einem Schnellfahrmodus und einem Kraftmodus." Marc Zingg empfiehlt den EG-20 vor allem für Roboter und die medizinale Automation. „Saubere, also aufwändig gefilterte Druckluft herstellen, dazu vielen Druckluftleitungen, unterem Strich sind das nicht nur deutliche Mehrkosten für Montage und Service. Es schränkt auch den Aktionsradius jeder Roboter-Hand erheblich ein", betont Marc Zingg die Stärke des EG-20. Basis für die innovative Greiftechnik ist die von Afag patentierte Zweigang-Mechanik mit vollautomatischer Umschaltung zwischen Schnellgang und Kraftgang, wobei die Ansteuerung ganz einfach über die Ein- und Ausgänge der Steuerung und damit gänzlich ohne weitere Schaltelektronik erfolgt. In Kombination mit den bereits zahlreich vorhandenen elektrischen Handlingmodulen von Afag, wie Linearachsen, Hubmodule, Spindelausleger, Portalachsen und Rotationsmodule, ist es nun möglich, vollelektrische Handhabungsgeräte oder vollelektrische Montageanlagen zu erstellen - auf Wunsch natürlich mit Beratung und Konstruktionsunterstützung von Afag. Die Elektrogreifer EG-20 lassen sich mit verschiedenen Greifköpfen ausrüsten. Problemlos machbar ist auch paralleles Greifen mit einem maximalen Hub von 12 mm, oder Greifen mit Schwenkbacken mit 96° oder auch 180° Greifwinkel. Die Elektrogreifer sind kompakt gebaut (77x53x29 mm) und wiegen nur 400 g. Sie sind mit unter 150 ms Greifzeit für 2 x 2,5 mm Hub sehr schnell und erzeugen dabei Greifkräfte bis 40 N. Mit Handlingmodulen oder auch Scara- und Industrierobotern erlauben sie ein hochdynamisches Präzisionshandling für Teile- und Baugruppen und sind auch für Arbeiten in Reinräumen Klasse 10.000 zugelassen. Effiziente Linear-, schmale Präzisions-Greifmodule Mit den neuen elektrisch angetriebenen Linearmodulen LE-50, LE-60 und LE-70 löst Afag die erfolgreiche LME-Familie an elektrisch betriebenen Handlingmodulen ab und legt damit nach eigenen Angaben die technologische wie qualitative Messlatte wieder ein ganzes Stück nach oben. Die LE-Module sind zudem als D-Version für eine noch höhere Momentenbelastung ausgelegt. Hublängen ab 100 bis maximal 1.000 mm sind lieferbar. Der Kunde kann die Hublänge in 20 mm-Schritten bestimmen. Die LE-50/LE-50-D sind für Nutzlasten bis 10 kg ausgelegt und haben einen Hub von max. 600 mm. Die Baugröße 60 nimmt bis zu 20 kg auf und wird in Hublängen bis 800 mm hergestellt. LE-70/LE-70-D transportieren bis zu 30 kg auf bis zu 1.000 mm. Die anschlussfertige Einheiten mit Steckern, Befestigungsflansch sowie Motor und Geberkabel beschleunigen mit bis zu 40 m/s2 auf bis zu 5 m/s. Indes betonen die neuen Greifmodule PG 12, PG 16 und PG 20 innerhalb der kleinbauenden Kompakt-Handlingmodule von Afag die logische Fortführung der Miniaturisierung. PG steht für Präzisions-Greifer und die Baugrößen 12, 16 sowie 20 geben dabei den Kolbendurchmesser mit 12, 16 und 20 mm an. Ein Präzisions-Greifer Baugröße 12 entwickelt eine statische Kraft von maximal 30 N. Bei einem Fingergewicht von 10 g sind Schließzeiten von 10 ms zu realisieren. Bei 30 g kommt man auf Schließzeiten von 50 ms, was nach Angaben der Experten von Afag für einen pneumatisch betriebenen Präzisions- Greifer einen hervorragenden Wert darstellt. Dies gilt besonders auch bezogen auf die reine Greifkraft von 2 x 23 N (öffnend) bzw. 2 x 18 N (schließend). Die Wiederholgenauigkeit beträgt +/-0,01 mm. Mit einem Gesamtgewicht von nur 35 g zählt der Präzisions-Greifer PG 12 zu den absoluten Leichtgewichten unter den modular konzipierten Greifern mit pneumatischem Antrieb. Wird mehr Greifkraft benötigt, bieten sich die PG-Baugrößen 16 und 20 an, die dann mit Greifkräften von 2 x 39 N und 2 x 68 N aufwarten. Mit Gewichten von 70 und 132 g eignen sie sich bestens für hoch dynamische Handlingzyklen. SE-Regler erweitert Mit den Reglern der Baureihe SE bietet Afag unterdessen spezifisch abgestimmte Servo-Positionsregler für alle elektrisch betriebenen Handlingmodule der LE-Linearmodule, SA-Spindelausleger, RE-Kompakt-Dreheinheiten und SG-Servogreifer an. Die SE-Baureihe bestand bis vor kurzem aus den Reglern SE-48 und SE-Power, wurde jetzt jedoch um den neuen Kleinspannungsregler SE-24 erweitert. Der Kleinspannungsregler SE-24 gehört zur 120 Watt-Klasse und ist nach Schutzart IP65 ausgeführt. Damit eignet er sich besonders für den dezentralen Einsatz in Anlagen aller Größen und erlaubt demnach mehr Logik in direkter Geräte- bzw. Anwendungsnähe. Mit der dezentralen Installation ist auch weniger Montage- und Installationsaufwand verbunden; zumal neben der standardisierten I-/O-Variante auch die Schnittstellen für alle gängigen Feldbussysteme (Profibus, EtherCAT, CANopen) vorhanden sind. Weitere nützliche Merkmale wie Vor-Parametrisierung ab Werk, minimaler Installations- und Integrationsaufwand sowie einfachste Handhabung unterstützen die Inbetriebnahme und die Ablauf-Optimierung vor Ort. Aufgrund der Vorkonfiguration von Afag steht den Anwendern mit dem Kleinspannungsregler SE-24 ein nach dem Prinzip Plug and Play sofort einsetzbares Reglersystem zur Verfügung.