von Erik Schäfer Maschinenbauer hörten in Salzburg nicht immer das, was sie gerne hören wollten. So etwa, dass sie sich mit dem Thema Software intensiv auseinandersetzen müssen und das möglichst bald. Zwei Tage währte die B&R-Jahrespressekonferenz, zwei Tage, die eine Fülle an Informationen für Automatisierer, Maschinen- und Anlagenbauer brachten. Geschäftsführer Hans Wimmer stellte die Komplettierung des Produktportfolios mit neuen Frequenzumrichtern, Getriebe, weiteren Stepper-Motor Produkten, einer neuen Panel- und PC-Generation, Safety-Produkten und die Integration von Technologie-Produkten vor. Besonders hob er die neue Version 4 der Software Automation Studio hervor, die auch im Bereich Mobile Automation die Projektierung mit nur einem Werkzeug erlaubt. Explizit vorgestellt wird die objektorientierte Software auf der SPS/IPC/Drives in Nürnberg. Hier werden auch Neuheiten, wie der motorintegrierte Servoaktor ACPm65m, eine Lösung, bei der Motor, Getriebe, Geber, Servoverstärker und Safe Motion Control (Sicherheitstechnik) in nur einem Gerät vereint werden - geplant sind zunächst die Baugrößen 3, 4 und 5. Auch in Richtung Condition Monitoring stellt B&R Schwingungsmesstechnik mit intelligentem X20-Modul vor, welches das Aufzeichnen, die Auswertung und Analyse in einer Komponente vereint. Dem Trend zu Multitouch-Panels in größeren Formaten folgt B&R mit seinem 21"-Widescreen-Bedienpanel, das über eine Full-HD-Auflösung verfügt, durch eine Glasoberfläche geschützt wird und sich durch eine besonders intuitive Bedienung (ähnlich dem iPhone) auszeichnen soll. Gemeinsame Kundenprojekte Drei Kunden aus Österreich, Maschinenbauer Trumpf, Bildverarbeitungsspezialist Cognex und die Sensorik-Experten von Pepperl+Fuchs, kamen zu Wort und berichteten über ihre Kooperation mit B&R. Der Tenor fiel erwartungsgemäß positiv aus: „Wir erhielten die volle Unterstützung bei einem risikoreichen Projekt", so etwa Dr. Alfred Hutterer, Österreichchef von Trumpf. Er meinte damit die vollautomatisierte, vollelektrische Kleinteilbiegezelle (TruBend Cell 7000), in der eine B&R-Steuerung alle CNC- und Roboterachsen synchronisiert steuert (K&E berichtete in Ausgabe 3/2011, Seite 106). Software für Automatisierer In die Tiefen von Automation Studio 4 ging Dr. Hans Egermeier, Business Manager Automation Software. Er zeigte auf, dass die Software in der Maschine, gegenüber der Mechanik und Elektrik, einen immer größeren und wichtigeren Part spielt. Bei steigender Produktkomplexität sind niedrigere Kosten und ein kürzeres Time-to-Market gefordert. Hier geht es unter anderem um die optimale Ressourcennutzung und eine nachhaltige Entwicklung. Das bedeutet, die Software muss sich den steigenden Anforderungen des Maschinenbauers anpassen können, ohne dass die Abwärtskompatibilität gefährdet wird. Hier verwies Dr. Egermeier auf die Objektorientierung von Automation Studio 4, die das Programmieren für den Maschinenbauer zusätzlich vereinfachen soll. Es geht um die optimale Ressourcennutzung der Maschine. Natürlich ist Automation Studio (AS) perfekt auf die B&R-Hardware abgestimmt, ist aber auch offen für „Fremd-Hardware". Dazu Dr. Egermeier: „Der Clou von AS 4 liegt im Filesystem. Mit AS 4 können Teams parallel arbeiten. Wir setzen auf die Kompatibilität der Schnittstellen und auch andere Hochsprachen können in AS verstanden werden." Durchgängigkeit und Skalierbarkeit machen diese Software zu einem Universalwerkzeug für das Projektieren, Simulieren und Steuern. In der Zukunft soll AS ein auf Komponenten basierendes Werkzeug werden. Und noch etwas, was Maschinenbauer gerne hören: „Es müssen nur die Schnittstellen, nicht aber die Softwaremodule offengelegt werden, damit bleibt das Firmen-Know-how im Unternehmen", erläutert Dr. Egermeier einen wichtigen Vorteil, der Sicherheitsbedenken seitens der Kunden schon im Vorfeld ausräumen dürfte. Die B&R-Fertigungsautomation Doch was kann B&R dem Fertigungsautomatisierer bieten? Hier machte sich das Unternehmen eine Softwareentwicklung für die Prozessindustrie zunutze - das Prozessleitsystem Aprol. Martin Reichinger, Business Manager Process Automation, und sein deutscher Kollege Stefan Lau, Leitung Vertrieb Prozess Automation, Bad Homburg, stellten die Entwicklung gemeinsam vor. Im Prinzip sind die Sicherheitsanforderungen und Dokumentationsanforderungen in der Prozessindustrie seit gut 10 Jahren auf einem hohen Niveau. Da Projekte in der Fertigungsautomation in der Regel weniger I/O-Datenpunkte aufweisen - beginnend mit 50 bis 100 - lag es nahe, Aprol (das >50.000 solcher Datenpunkte verwalten kann) als abgespeckte, angepasste Version für die Fertigungsautomatisierung bereitzustellen. „Aprol beinhaltet Automation Studio und wird ergänzend zu Automation Studio eingesetzt. Beide Softwares basieren auf einer gemeinsamen Plattform", so die beiden Fachleute. Stefan Lau gab das Verhältnis Soft- zu Hardware mit etwa 20/25 zu 80/75 % an. Der wichtigste Softwarebaustein ist hier die Prozessdatenbank. Damit bietet B&R ein System für viele Branchen, skalierbar und universell einsetzbar - ob auf einem B&R-Bedienpanel oder auf großen Servern laufend.