von Harald Klieber Dunkermotoren will dem Kunden künftig deutlich mehr bieten als den Antrieb. Deshalb stellen die Antriebstechnik-Experten um den neuen Investor Triton zur SPS drei Dinge ins Rampenlicht: eine neue Linearmotoren-Familie, die zum 1.8. übernommene Linearsystems-Tochter und vor allem die neue Business-Unit Systemtechnik. Dunkermotoren soll ein globales Unternehmen werden", so definiert Geschäftsführer Nikolaus Gräf die Vorgabe des Investors Triton, der den Antriebstechnikhersteller 2010 nach dem Verkauf von Alcatel Lucent und einjähriger Eigenständigkeit übernommen hatte. „2010 war sehr positiv. Bei Triton passen wir absolut zu deren Geschäftsmodell. Unsere deutsch-skandinavischen Investoren haben uns eben nur die strategische Ausrichtung vorgegeben", unterstreicht Nikolaus Gräf die Zurückhaltung von Triton aus dem Tagesgeschäft. Momentan würden trotz der Wolken, der Verunsicherungen auf den Finanzmärkten, die Zeichen weiter auf Wachstum stehen. „Wir hatten 2010 mit rund 140 Mio. Euro Umsatz und 3,4 Mio. produzierten Antrieben unser stärkstes Jahr in der nun 54jährigen Firmengeschichte." Vor allem wegen der konjunkturellen Wolken erwartet Nikolaus Gräf schlussendlich für 2011 einen Umsatz von oberhalb 150 Mio. Euro - was einem Wachstum von 4 bis 5 % entspricht. Größter Umsatzbringer wird auch dann die Industrie-Automation sein (2010 mit einem Anteil von 27 %), gefolgt von der Basis-Automation (20 %), Türautomation (18 %), Medizintechnik und Motive (je 12 %) sowie Sonnenschutz (11 %). Koordinationsfunktion stärkt Bonndorf „Unterm Strich werden wir damit unseren Produktentstehungsprozess noch besser auf unsere Kunden abstimmen. Und das erwarten unsere Kunden vermehrt von uns - nämlich die partnerschaftliche Erarbeitung und Bereitstellung von ganzheitlichen antriebstechnischen Lösungen." In punkto Globalisierung wird Dunker den chinesischen Standort weiter ausbauen, dort und in den USA sogenannte Tech-Center mit lokaler Antriebsauslegungs- und Beratungskompetenz etablieren sowie Vertriebsniederlassungen in Indien in Form einer Zentrale in Bangalore und einer Zweigniederlassung in Mumbai bis Ende des Jahres einrichten. Nikolaus Gräf verspricht auch für Bonndorf deutlich mehr Arbeitsplätze durch die Stärkung der Koordinationsfunktionen. „Die Stärkung ist jetzt schon deutlich sichtbar. Am 30.9. haben wir am Firmenhauptsitz unseren neuen Anbau eingeweiht. Im Herzen, also genau in der Mitte des Unternehmens in Bonndorf nutzen wir ab November 500 m2 mehr Büroarbeitsfläche. Die Applikationsentwicklung und der Vertrieb wachsen damit zusammen. In der Schnittstelle sitzt der Leiter Applikationsentwicklung", skizziert Nikolaus Gräf das Konzept. Zudem würden Geschäftsleitung und zentrale Steuerungsfunktionen integriert. Ehemaliges Motorenzentrum des Ostblocks nutzen „Wir werden uns weiter auf kundenspezifische Antriebe fokussieren. Für Antriebe mit hohem, manuellem Wertschöpfungsanteil bauen wir seit März unseren neu erworbenen Standort im serbischen Subotica nahe der ungarischen Grenze aus. Dort, wie auch in unserem chinesischen Produktionswerk bei Shanghai, fertigen wir Antriebe für Sonnenschutz-Anwendungen." Schon für 2012 plant Nikolaus Gräf die Produktionsfläche in Subotica zu verdoppeln. „Wir werden sämtliche Produktionsanlagen für die Sonnenschutzprodukte von Bonndorf nach Serbien verlagern, weil dort viele Fachkräfte aus vorangegangenen Insolvenzen anderer Antriebstechnikhersteller zur Verfügung stehen", erklärt Nikolaus Gräf die idealen Bedingungen für die manuelle Produktion. Bislang stehen dort 1.500 m2 für Produktion sowie 160 m2 für Administration und Entwicklung bereit. „Ja, auch fünf Entwickler für die Sonnenschutzprodukte planen wir dort, 1.100 km entfernt von Bonndorf in der ehemaligen, jugoslawischen Hauptstadt für Elektromotoren zu installieren. Damit sind vorläufig 53 Mitarbeiter vor Ort." Dunker verfügt mittlerweile über fünf Standorte: Subotica, das chinesische Taicang (135 Mitarbeiter), Elgin bei Chicago (12), die Unternehmenszentrale in Bonndorf im Schwarzwald (762) und den englischen Standort des im August übernommenen Lineartechnik-Spezialisten Copley Motion Controls (CMS), der 1992 gegründet als Erfinder des stangengeführten Direktantriebes gilt und jetzt 30 km östlich von Londons als dunkermotoren linear systems firmiert. Systems reduziert Entwicklungszeiten Mit der neuen Geschäftseinheit Systems positioniert sich Dunkermotoren nicht mehr nur als Komponenten- und Baukastenanbieter, sondern forciert massiv das Systemgeschäft - als Partner für effiziente und maßgeschneiderte Systemlösungen. „Damit werden wir in unserer Produktpyramide ganz oben eine neue Ebene schaffen. Das soll soweit gehen, dass wir nicht nur die Antriebe liefern, sondern beispielsweise gleich einen kompletten Hub- und Senktisch. Mit dem Ausbau von Bonndorf und mit unseren Premiumpartnern haben wir dazu die besten Voraussetzungen bereits geschaffen", erklärt Nikolaus Gräf. Das Portfolio der Dunkermotoren umfasst bürstenlose und Gleichstrommotoren, Dreh- und Wechselstrommotoren sowie Antriebe für Sonnenschutz im Leistungsbereich von 1 bis 500 W. Dazu Planeten- und Schneckengetriebe bis 160 Nm. Komplettiert von Bremsen, Gebersystemen und Steuerungen sowie Software und Dienstleistungen zu Antriebsauslegung und für den Applikationsservice. „Neu sind unsere Subsysteme und Systeme - mit denen wir die Kundenapplikationen noch mehr in den Vordergrund stellen wollen. Mit dem Geschäftsbereich Dunkermotoren Systems machen wir den nächsten, konsequenten Schritt hin zum vollwertigen Systempartner. Wir wollen unsere Geschäftspartner soweit entlasten, damit diese sich stärker auf ihre Kernkompetenzen fokussieren können", definiert Systems-Leiter Siegfried Held das Ziel. Basis der intelligenten Antriebslösungen aus einer Hand sei das modulare Baukastensystem von Dunker. Den Kern bilden alternative Motorenkonzepte, die Elektronik, Getriebe, Bremsen und Geber. Kundenspezifisch werden Sondergetriebe, Sondermechaniken, mechanische Adaptionen, elektronische Schnittstellen, angepasste Elektronik und Elektromechanik nach Bedarf integriert oder angebaut. „Der Kunde ist dabei Bestandteil des gesamten Prozesses. Wir übernehmen die Verantwortung für das qualifizierte und seriengeprüfte Antriebssystem als integralen Bestandteil in der Kunden-Applikation", unterstreicht Siegfried Held die System-Philosophie von Dunker. Lineartechnik im eigenen Haus Mit dem Erwerb des englischen Antriebstechnik-Spezialisten Copley erschließt sich Dunkermotoren nun auch die Lineartechnik im eigenen Haus: genauer, den 3-Phasen-BLDC-Linearmotor, der auf den ursprünglichen stangengeführten Direktantrieb von Copley zurückgeht. Die dunkermotoren linear systems führt die Linearantriebe mit Schubstange als Thrusttube-Serie. Marketing-Experte Patrick Schumacher sieht deren Stärken vor allem in der thermischen Effizienz, weil die Wicklungen direkt mit dem Gehäusekörper verbunden sind, aber auch bei dem geringen Rastmoment, das den stromlosen Antrieb wegen der leichten Verschiebbarkeit besonders für Scanner-Anwendungen prädestiniert. Zudem sei die Primäreinheit zur Kommutierung mit digitalen und analogen Hall-Sensoren ausgestattet, die Antriebe nach IP65 geschützt und unter Verwendung von externer Linear-Encoder sogar die Wiederholgenauigkeit kleiner 1 µm erreichbar. Die Thrusttube-Serie gliedert sich in drei Baugrößen mit den Durchmessern 11, 25 und 38 mm. Mit Wicklungspaaren von 2 bis 8 lassen sich Dauervorschubkräfte von 3,8 bis 293 N und maximal 19 bis 1.860 N realisieren. Die Maximalgeschwindigkeiten liegen zwischen 10,5 und 2,8 m/s. „Neu ist die Generation ServoTube. Die stangengeführten Direktantriebe liefern durch das integrierte Feedbacksystem eine Wiederholgenauigkeit von 8 bis 20 µm. Alleinstellungsmerkmal sind schmierstofffreie Polymer-Lager, die dunkermotoren linear systems auf Wunsch integriert", erklärt Patrick Schumacher. Zudem gibt es IP67-Schutz, Lebensmitteltauglichkeit, Versionen mit hoher Steifigkeit und Haltebremse für den stromlosen Zustand. Die neue Servotube-Serie gibt es ebenfalls in drei Größen mit 11, 25 und 38 mm Durchmesser. „Die erreichbaren Kräfte und Geschwindigkeiten sind fast identisch mit den Werten der Thrusttube-Serie. Großer Pluspunkt gegenüber den klassischen Linearantrieben ist die konzeptbedingt optimale Wärmeabfuhr über die direkte Anbindung der Wicklung an das Primärgehäuse, die zusätzlich integrierte Elektronik und vor allem die verschiedenen Ausführungen", betont Patrick Schumacher. So können die Antriebe in vier Varianten bestellt werden: als reiner Aktuator mit bewegter Magnetstange der mit dem Zubehörkomponenten hinsichtlich mechanischer Integration kompatibel zu Einheiten von Festo oder igus ist; in Komponenten als Ausführung mit bewegter Primäreinheit, ideal für Pick&Place-Anwendungen; als Module mit bewegter Primäreinheit, hochwertiger THK-Linearführung sowie mit innovativer Abstützung gegen Durchbiegen der Magnetstange und längeren Verfahrwegen bis über 2 m. Variante 4, die es nur für Durchmesser 25 mm gibt, ist der Aktuator mit hoher Steifigkeit: mit integrierten Stützlagern, Linearführungen aus Stahl, gelagert in Kugelbuchsen für optimale Abstützung von Querkräften, sowie Polymerbuchsen mit Aluminium-Linearführungen für reduziertes Gewicht auf Vertikalachsen. Primäreinheiten für harte Umweltbedingungen komplettieren das Portfolio. Deren Features sind Edelstahlausführung, IP69K, 600-V-Betrieb und sogar eine optionale Wasserkühlung für 70 % höhere Dauer-Vorschubkräfte.