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Mit PLM zu parallelen Prozessen

Durch fortlaufende Innovationen und hohe Entwicklungsgeschwindigkeit nimmt die Handtmann Maschinenfabrik eine internationale Spitzenstellung ein. Welche Rolle dabei Siemens PLM und deren PDM-System spielt, erklären die Handtmann-Experten Erwin Müller und Hanspeter Schmid.

Als zweitgrößtes Unternehmen der in vierter Generation familiengeführten Handtmann Gruppe produziert die Handtmann Maschinenfabrik in Biberach an der Riss Füll- und Portioniersysteme für die Lebensmittelverarbeitung. Die Maschinenfabrik ist Weltmarktführer bei Vakuumfüllern und Portioniersystemen. Zur Erfolgsstrategie gehört ein gruppenweites, langfristiges Investitionsprogramm in die modernsten Produktionsanlagen und -verfahren ebenso wie die Innovationsführerschaft: So entwickelte Handtmann mit dem ConPro-System ein System zur Erzeugung endloser Wurststränge. In kontinuierlicher Produktion wird das Brät mit einer Substanz umhüllt, die innerhalb weniger Sekunden zur darmähnlichen Hülle aushärtet. Mit dem Modul Formen und Schneiden werden so bis zu 400 appetitliche Würstchen pro Minute hergestellt. „Damit wir derartige Innovationen möglichst lange wirtschaftlich verwerten können, müssen wir unsere Entwicklungszeiten ständig verkürzen“, sagt Erwin Müller, Leiter Dienstleistungen, IT, Einkauf und Organisation bei Handtmann.

PDM begleitet CAD und CAM

Bereits im Jahr 2000 erfolgte die Migration von 2D- auf 3D-CAD mit NX von Siemens PLM Software, um die Konstruktion der Produkte und Varianten zu verbessern. Kollisionsbetrachtungen, eine konsistente Zeichnungsableitung, die Berechnung komplexer Getriebe oder auch die Zusammenarbeit mit Entwicklungspartnern brachten wichtige, doch inzwischen marktübliche Fortschritte. Heute werden rund 40 Lizenzen genutzt − unter anderem auch in den Besprechungsräumen zur Visualisierung virtueller Maschinen. Von Anfang an wurden die Entwicklungsdaten strukturiert abgelegt und verwaltet. Doch als sich abzeichnete, dass das verwendete PDM-System nicht mehr weiter entwickelt werden würde, fiel die Entscheidung zugunsten des Systems Teamcenter. Siemens PLM-Software versprach als Anbieter hohe Investitionssicherheit.

Die Orientierung an Microsoft-Technologien entsprach der Unternehmensstrategie. Damit sollte nicht nur eine enge Integration aller Entwicklungsdaten in nativen NX-Dateien erfolgen, sondern auch die Office-Welt erschlossen werden. Eine Anbindung an das ERP-System Baan, eine durchgehende Versionssteuerung und ein transparentes Änderungswesen, das zu einer automatischen Erzeugung von Zeichnungsdateien im PDF-Format führt, wurden während der Migration ebenso erreicht wie firmenspezifische Freigabeprozesse. Insgesamt stehen den Mitarbeiter 60 Arbeitsplätze mit dem PDM-System zur Verfügung.

Um neue Technologien des modernen Maschinenparks mit flexiblen 5-Achs-Bearbeitungszentren optimal ausnutzen zu können, wurde 2007 das vorhandene NC-Programmiersystem durch NX CAM-Lizenzen ersetzt. Zum Zeitpunkt der Systementscheidung bot Siemens das breiteste Funktionsspektrum verbunden mit den besten Zukunftsaussichten: „Wir versprechen uns viel von einer Integration der CAD- und CAM-Systeme bis hinunter zu den Maschinensteuerungen“, sagt Hanspeter Schmid, Leiter CAx, PLM und Infrastruktur bei Handtmann.

Durchgängiger Datenzugriff

Teamcenter organisiert nun alle unternehmensspezifischen Änderungs- und Freigabeprozesse. Neue Artikel werden hier angelegt und an das ERP-System übergeben. Je nach Prozess generiert Teamcenter automatisch die erforderlichen Daten in den gängigen Neutralformaten wie DXF, Iges und JT – oder auch PDF, wenn es sich um Zeichnungen, Formulare oder andere Dokumente handelt.

Mit der Freigabe werden die Zeichnungsdaten nach Artikelnummer selbsttätig im Intranet veröffentlicht. Alle Mitarbeiter im Unternehmen können hier ohne Spezialwissen oder besondere Software auf das Produktwissen zugreifen: Der Wareneingang vergleicht damit die angelieferten Zukaufteile, die Qualitätssicherung prüft zulässige Toleranzen. Bei einer Bestellung im ERP-System werden Neutralformate als Zip-Datei an die E-Mail gehängt, die in Teamcenter bereitgestellt werden. Selbst den Anfragen werden in Zukunft automatisch die aktuellen Zeichnungsdateien aus Teamcenter beigefügt. Eine weitere Kommunikationsverbesserung soll die direkte Anbindung der Hauptlieferanten an Teamcenter bringen: Diese können sich dann die benötigten Zeichnungen im richtigen Format online erstellen. Externe Ingenieurbüros nutzen den Datenpool ebenso wie ein neues Werk in Zittau, das gebrauchte Handtmann-Maschinen nach Werksnorm überarbeitet und dem Markt wieder zur Verfügung stellt.

Parallele Prozesse schaffen

In Zukunft will Handtmann weitere Zeitgewinne durch parallele Prozesse beim Übergang seiner Produkte aus der Entwicklung in Prototypenbau und Vorserienfertigung einfahren. Dazu soll Teamcenter nach Artikelnummern Teile- oder Baugruppendaten und ein elektronisches Formular auf der Intranetplattform veröffentlichen. Alle Entscheider über Prototypenbedarfe haben die Informationen dann gleichzeitig am Bildschirm − lange Umlaufzeiten bis zur Genehmigung entfallen. Alle Genehmigungsstufen lassen sich im Intranet bearbeiten, Kopplungen zu PLM und ERP sorgen für eine automatische Umsetzung. Das Änderungswesen und seine Mitteilungen werden papierlos in Teamcenter bearbeitet. „Die entfallenden Verwaltungszeiten im Papierfluss werden unseren Zeitbedarf zur Marktreife nochmals erheblich verkürzen“, sagt Erwin Müller. Die moderne, hochflexible Fertigung mit leistungsfähigen 5-Achs-Bearbeitungszentren lässt sich dann noch besser auslasten. Durch gleichartige Fertigungsprozesse werden die Grenzen zwischen Funktionsmodell, Vorserie und Serie verwischt − auf den selben Maschinen können sehr schnell nach Freigabe bereits Kleinserien gefertigt werden. Dazu soll auch eine geplante Integration der NC-Programmverwaltung mit Anbindung der Maschinensteuerungen beitragen.

Zukunftsfähige Wissensbasis

Profitiert heute bereits der Vorrichtungsbau von dem Zugriff auf NX-Modelle, so wird die Arbeitsvorbereitung in Zukunft ebenfalls ihre NC-Programme in Teamcenter verwalten. Ob bei der Berechtigungsverwaltung für die hohen Geheimhaltungsstufen der Vorausentwicklung oder bei der Ableitung von Explosionszeichnungen von Baugruppen für elektronische Ersatzteilkataloge − überall dient Teamcenter als durchgehende Wissensbasis. Denn nur im PLM-System kann sich das Unternehmen das Wissen ausscheidender Mitarbeitergenerationen sichern.W

www.siemens.com/plm/open

www.handtmann.de

 



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