Das rät Eplan’s Experte Thomas Michels. Grundsätzliches und Tipps erklären Rexroth-Vorstand Dr. Karl Tragl und Automations-Experte Reiner Süselbeck von Mitsubishi Electric. Letztlich durch das Prozedere hilft die Software von IBF.
Was hat sich am 29.12.2009 mit der Einführung der neuen Maschinenrichtlinie wirklich geändert? Dr. Karl Tragl, Vorstand Vertrieb der Bosch Rexroth AG, kommentiert: „Durch die Maschinenrichtlinie bekommt der Sicherheitsaspekt einen höheren Stellenwert. Die MRL 2006/42/EG fordert eine verstärkte Dokumentationspflicht. Zum Beispiel werden sogenannte ‚Unvollständige Maschinen‘ im Artikel 13, sowie im Anhang IV und V der MRL aufgeführt. Für solche Systeme, die unvollständige Maschinen bilden, muss der Lieferant eine Einbauerklärung, sowie eine Montageanleitung in einer durch den Maschinenhersteller akzeptierten Sprache mitliefern. Zur Erfüllung von Sicherheitsanforderungen bei der Gestaltung von Steuerungen verweist die MRL auf die EN ISO 13849. Diese fordert auch die Berechnung des Performance Level (PL) für jede Sicherheitsfunktion der Maschine.“ Dafür stellt Rexroth Kennwerte bereit, etwa für MTTFd oder B10.
„Rexroth schafft einen klaren Mehrwert durch die Integration von Sicherheitstechnik in die Produkte. Durch die Lieferung von geschlossenen Systemen wird der Kundenaufwand erheblich reduziert. Je nach Integrationsstufe stellt Rexroth die Kennwerte bereit. Und der Rexroth-Leitfaden ‚10 Schritte zum Performance Level‘ teilt die komplexen Vorgaben der Normen in klar definierte Arbeitspakete auf und hilft Konstrukteuren, den aktuellen Stand der Technik für den Personenschutz wirtschaftlich und dokumentiert umzusetzen.“
Irrglaube vom Individuellen
„Die MRL braucht Prozessintegration“, damit machte Eplan-Produktmanager Thomas Michels schon deutlich, dass sich besonders konstruktive Abläufe im Sinne der neuen MRL disziplinübergreifend definieren, standardisieren, wieder verwenden und automatisieren lassen. Um den zweifellos erhöhten Arbeitsaufwand durch die MRL in den Griff zu kriegen, empfiehlt Thomas Michels die Standardisierung. „Standardisierung ist das wichtigste Stichwort. Ziel dabei ist die höhere Wiederverwendung. Wer die Dokumentation von Anfang an gut strukturiert und damit bewährte Teile wiederverwendet, schafft sich enorme Freiräume. Zwar ist der Aufwand zu Anfang tatsächlich höher, aber der rechnet sich schnell und bietet sogar die reale Chance einer Produktivitätssteigerung.“ Weiterer Tipp von Thomas Michels: weg vom sequenziellen Arbeiten – hin zum parallelen Workflow mit interdisziplinärem Datenaustausch. Das Eplan-Rezept für Konstrukteure definiert Thomas Michels wie folgt: „Was die Software angeht – hier müssen alle ‚Zutaten‘, sprich alle Logikfunktionen intensiver genutzt werden: mit Makrotechnik arbeiten, Varianten– und Wertesätze wie Prüffunktionen nutzen, einheitliche Vorlagen verwenden, Richtlinien und Verantwortlichkeiten definieren. Wissen, worauf es ankommt ist ebenfalls ein gutes Rezept – hier helfen wir mit Training und Prozessberatung weiter. Wer die Bereitschaft mitbringt, etablierte Arbeitsweisen über Bord zu werfen, ist klar im Vorteil.“
Der größte Fehler im Konstruktionsprozess liegt laut Thomas Michels in der Denkweise: „Meine Maschine ist individuell; ich kann nicht wiederverwenden. Das ist schlicht ein Irrglaube. In jeder Maschine, sei sie noch so spezifisch, lassen sich Anteile standardisieren. Es kommt nur auf die Betrachtungsweise an – sprich eine detaillierte Modularisierung."
Auch einen Schritt weiter ist Mitsubishi Electric, wie Reiner Süselbeck, Key Account Manager, Sales Europe Division, Factory Automation, erklärt: „Mitsubishi Electric liefert seit jeher komplette Lösungen für die Industrieautomation. Für uns war der wichtigste Schritt die Vervollständigung unseres Produktportfolios an Steuerungstechnologie mit integrierten Sicherheitsfunktionen.“ Mitsubishi hat auch in Zukunft die Strategie, den Kunden Lösungen zu bieten, die es ermöglichen, qualitativ hochwertige und innovative Anlagen mit höchster Performance zu bauen bzw. zu betreiben.
„Die Sicherheit des Benutzers wird bereits seit geraumer Zeit direkt am Anfang jeder Entwicklung berücksichtigt. Aber die Richtlinie bezieht sich ja nicht nur auf ‚Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen‘, wie in der 13849 definiert, sondern auch auf Aspekte wie Ergonomie (ML2006/42/EG Anhang1; 1.1.6). Solche Funktionen wie die ‚Vermeidung von Überwachungstätigkeiten, die dauernde Aufmerksamkeit erfordern‘, sind schon jetzt in unseren Bediengeräten verfügbar. Hier wird mit Hilfe eines Ringspeichers ein Video bis zu 2 Minuten vor und nach einem Ereignis aufgezeichnet.“ Wichtig sei, dass sich die Konstrukteure verstärkt mit dem gesamten Lebenszyklus der Maschine beschäftigen. „Hierbei kann der Einsatz von qualitativ hochwertigen und somit langlebigen Komponenten, wie wir sie anbieten, einen entscheidenden Vorteil bieten. Bei strategischer und zielgerichteter Umsetzung der MRL werden sich weder die Durchlaufzeiten verlängern, noch muss das Produktprogramm eingeschränkt werden.“ W
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