Einfach und langlebig zu konstruieren
ist große Kunst. K&E sprach mit
einem, der diese Kunst beherrscht.
Wenn Miele-Geschäftsführer Dr. Eduard Sailer auf seine Produkte zu sprechen kommt, dann stellt er eines heraus: Miele konstruiert seine Produktkomponenten, wie Schalter, Regler und Sensoren so einfach und robust wie möglich. Einige praktische Beispiele, von der Waschmaschinenbedienung bis zum Bratenthermometer stellte er anlässlich des 14. Industrial Communication Congress von Phoenix Contact im September 2009 vor. K&E fragte nach, wie das denn geht, mit dem „so einfach wie möglich“?
W Herr Dr. Sailer, Einfachheit ist eine der schwierigsten Konstruktionsvorgaben. Wie entwickeln Sie ihre „einfachen“ Komponenten?
Dr. Eduard Sailer: Wir entwickeln konsequent interdisziplinär. Miele betreibt Gerätewerke, aber auch reine Komponentenwerke.
Diese liefern den Gerätewerken beispielsweise Elektronikelemente, Kunststoffteile, Edelstahleinsätze oder Elektromotoren zu. Alle unsere Produktionsstätten verfügen über eigene Konstrukteure und Entwickler, die dem Werkleiter vor Ort unterstehen und mit ihrer jeweiligen Fertigung sehr eng zusammenarbeiten. Darüber hinaus werden die Komponenten mit den Endgerätewerken gemeinsam entwickelt; Entsprechendes gilt für die Komponenten, die wir extern zuliefern lassen.
W Miele hat zahlreiche Detaillösungen im Bereich Schalten oder Messen. Bauen Sie hier auf Standardkomponenten oder sind das eigene Entwicklungen?
Es sind meistens eigene Lösungen, da sich diese naturgemäß besonders gut abstimmen lassen auf die Anforderungen unserer Geräte. Dies dient der Qualität und dem Kundennutzen – und hat für die Großserie auch wirtschaftliche Vorteile.
W Beispiel Sprüharmsensor für Spülmaschinen. Was ist das Geheimnis hinter einwandfreier Funktion und langem Leben?
Hier verwenden wir einen Sensor, der nicht zu empfindlich auf die Geometrie im Spülraum reagiert, denn Spülerkörbe können in verschiedenen Höhen stehen. Als rein elektronischer Sensor ist er sehr langlebig.
W Auch der raffinierte Wasserstandsensor für Waschvollautomaten ist eine Eigenentwicklung. Was macht ihn so robust?
Wie der Sprüharmsensor ist auch der Wasserstandssensor ein rein elektronisches Bauteil.
Es gibt also keine Verschleiß- oder störungsanfälligen Teile wie bei den alten mechanischen Lösungen die Membran und den Kontaktschalter.
W Sie achten auf einfachste Handhabbarkeit, wie etwa beim Funkspieß zur Temperaturüberwachung von Bratentemperaturen. Auf welchem Prinzip basiert diese Entwicklung?
Sie nutzt die Temperaturabhängigkeit der Resonanzfrequenz eines Schwingkreises. Durch Ermittlung der Resonanz können wir die Garguttemperatur messen.
W Macht es das zunehmende Designbewusstsein Ihrer Kunden nicht schwer, etwa Platinen und Schalter einfach zu gestalten, da sie irgendwie in das ,Gesamtkunstwerk’ integriert werden müssen?
Das ist für den Entwickler tatsächlich eine zusätzliche Herausforderung, die aber nicht ganz neu und im Sinne einer umfassenden Kundenorientierung als selbstverständlich und unerlässlich anzusehen ist.
Und: Bedienerfreundlichkeit und Design optimal zu verbinden, macht die Aufgabe für einen engagierten Entwickler umso reizvoller.
W Ein Trend ist es, berührungslos zu messen oder zu schalten. Das klingt eher nicht nach trivialen Konstruktionsvorgaben?
Das ist durchaus eine anspruchsvolle Aufgabe, denn schon ein leichtes Antippen mit dem Finger soll zu einem Schaltvorgang führen; eine Fliege, die über die Bedienblende läuft, dagegen nicht.
W Langlebige Güter haben oftmals das Handikap, dass irgendwann die Elektronik-Ersatzteilbeschaffung nicht mehr klappt. Wie löst Miele dieses Dilemma?
Zunächst einmal dadurch, dass wir noch mindestens zwölf Jahre nach dem Auslauf einer Serie Ersatzteile vorhalten, bei manchen Geräten auch deutlich länger. Der dafür nötige Aufwand ist in der Tat hoch, zum Teil müssen wir beträchtliche Vorräte anlegen.
W Am Ende Ihrer Vorträge pflegen Sie gerne dieses Hölderlinzitat einzubauen: „Es ist nichts so klein und wenig, woran man sich nicht begeistern könnte.“ Klingt da die Detailverliebtheit eines Ingenieurs durch?
Dies möchte ich Ihnen mit einem Zitat von Napoleon beantworten: „Meine Herren, achten Sie auf die Details. Sie sind der erste Schritt zum Ruhm.“ Auf den Ingenieur übertragen heißt das: Ohne die Liebe zum Detail wird keine Erstklassigkeit erreicht.
W Ein Satz zum Schluss. Was ist die Prämisse der Miele-Konstrukteure?
Da darf ich auf das Motto der Miele-Gründer verweisen: „Immer besser“. W