von Erik Schäfer Wir leben in einer hochspannenden Zeit - nicht nur politisch. Es gilt die Weichen für eine Zukunft zu stellen, von der alle Menschen profitieren. Wie das aussehen könnte, erfuhr K&E auf der Fraunhofer-Ergebnispressekonferenz in München. Fraunhofer-Präsident Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger eröffnete die Pressekonferenz mit einem dicken Lob für die Wirtschaft. Insbesondere lobte er den deutschen Mittelstand, der trotz des Krisenjahres 2009 weiter verstärkt in die Forschung investiert hat. Prof. Bullinger skizzierte den Weg, auf dem die Fraunhofer-Forscher die Zukunftsthemen der Menschheit angehen wollen und formulierte dazu die fünf so genannten Übermorgen-Projekte: die verlustarme Erzeugung, Verteilung und Nutzung elektrischer Energie (Smart Grid und Super Grid), die bezahlbare Gesundheit (SteriHealth), das Produzieren in Kreisläufen (perfekt getrennt), die emissionsarme, zuverlässige Mobilität in urbanen Räumen sowie das Erkennen und Beherrschen von Katastrophen. Um die drängenden Probleme der Zukunft überhaupt angehen zu können, hat die Fraunhofer-Gesellschaft das interne Programm »Märkte von Übermorgen« aufgelegt. Dazu Professor Bullinger: „Im Mittelpunkt des internen Programms stehen Fragen wie: Was sind die drängenden Probleme? Was erwarten die Menschen von der Forschung? Die Fragen hat die Fraunhofer-Gesellschaft folgendermaßen beantwortet: Menschen brauchen Gesundheit, Energie, Kommunikation, Umwelt, Mobilität und Sicherheit." Die definierten Übermorgen-Projekte sollen laut dem Fraunhofer-Präsidenten in den kommenden drei Jahren zu marktfähigen Ergebnissen führen. Ressourcen schonen durch konsequentes Recycling Das wichtige Übermorgen-Projekt „Molecular Sorting for Ressource Efficiency" beschreibt das konsequente Wiederverwerten und Produzieren in Kreisläufen mit dem Ansatz, ohne den Einsatz neuer Rohstoffe zu produzieren. Professor Bullinger sprach in diesem Zusammenhang davon, dass immer noch rund 50 % der Automobil-Blechkarossen nicht dem Recycling zugeführt würden, und von der Verknappung der dringend für die Kommunikations- und Batterietechnik benötigten seltenen Metalle. Beim Thema Energie sprach Hans-Jörg Bullinger vom Fraunhofer-Projekt „Hybride Stadtspeicher". Mittels dieser Technik soll Strom nicht nur in Großspeichern zentral gespeichert werden, sondern auch dezentral bei den Verbrauchern zuhause. Zukunftsthema Energiewende „Als die Studie der Fraunhofer Gesellschaft - Energie 2050 - letztes Jahr im Juni erschien, die besagt, dass wir bis 2050 die Energiewende weg von fossilen Brennstoffen und Atomenergie hin zu 100 Prozent regenerative Energien schaffen können, da glaubte selbst die Bundesregierung nicht daran. Umweltminister Röttgen ging vor einem Jahr für 2050 noch von 30 Prozent fossiler Energieträger aus", so Prof.Bullinger. „Unsere Studie kam vor den Ereignissen von Fukushima heraus. Wir sprachen im Juni 2010 bereits von der Energiewende und das betrifft natürlich auch die Mobilität, bei der wir die Elektromobilität meinen." Hans-Jörg Bullinger zeigte den Skeptikern, die nur von den Kosten sprechen, ohne aber die Rechnung bis zum Ende durchzuführen, eines klar auf: „Die komplette Energieversorgung mittels regenerativer Energien bis zum Jahre 2050 kann Wirklichkeit werden - wenn sie politisch gewollt ist." Kurz zu den Zahlen Finanzvorstand Prof. Dr. Alfred Gossner konnte im Anschluss zu Prof. Bullingers positivem, optimistischem Rück- und Ausblick ebenfalls nur positive Entwicklungszahlen bekannt geben. „Wenn man erfreuliche Zahlen zu vermelden hat, kann man es kurz machen", begann Prof. Dr. Gossner seinen Vortrag zur Finanzsituation der Fraunhofer-Gesellschaft. Darum die Eckdaten hier als Zahlenstenogramm: Finanzvolumen 2010 bei 1,66 Mrd. Euro (+ 2%); erstmals über 70 Prozent der Einnahmen (1030 Mio. Euro) aus der Vertragsforschung (+ 5%); Grundfinanzierung auf 28 % zurückgefahren von normalerweise rund Geldvermehrung durch die Energiewende Prof. Dr. Eicke Weber, Sprecher der Fraunhofer-Allianz Energie, der 16 Fraunhofer-Gesellschaften angehören, sprach in der Pressekonferenz über das Thema Energiesystemumstellung von einer Aufgabe und einer Chance gigantischen Ausmaßes. „Erneuerbare Energien treiben die Wirtschaft an", zeigte sich Prof. Dr. Weber überzeugt. Er nannte die sich bietende „golden opportunity" in Anbetracht der gigantischen Herausforderungen und ebenso gigantischen Chancen, die eine Energiesystemwende, zumindest für unsere Generation, bedeutet. Global betrachtet nannte Prof. Weber eine Zahl von 10.000 Milliarden Euro, um die Energiesystemwende finanziell zu stemmen. Verschiedene Studien belegen, dass sich die Umstellung auf eine regenerative Energieversorgung zukünftig wirtschaftlich mehr als rechnen wird. Dazu Prof. Weber: „Für die Bundesrepublik machen die Kosten für die Energiewende - weg von fossilen Brennstoffen und der Kernkraft, hin zu regenerativen Energien - in etwa 8 % der derzeitigen Energiekosten aus. Ab dem Jahr 2030, bei einer forcierten Wende auch früher, dreht sich das Ganze um und es wird mehr eingenommen als für Energie ausgegeben wird. Bei der vollständigen Umstellung, die bis 2050 möglich ist, werden gigantische Summen nicht mehr für Energie ausgegeben, sondern mit der regenerativen Energiegewinnung eingenommen." Konjunkturprogramm mit nachhaltigem Nutzen? Neben der Schaffung von Arbeitsplätzen und Wirtschaftsimpulsen könnte die Energiesystemwende für die Lösung eines großen Problems sorgen: Die globale Erderwärmung ließe sich verlangsamen, wenn nicht stoppen. Doch um dies technisch überhaupt denkbar werden zu lassen, sind die Fraunhofer-Institute mit über 18.100 Forscherinnen und Forschern als Zukunftsmöglichmacher bei der Arbeit - gemeinsam mit der Industrie, die die Chancen der Energiesystemwende für sich erkannt hat.
33 %; über 1.000 neue Mitarbeiter und 37 Mio. Euro blieben unterm Strich übrig und können so zukünftigen Forschungsprojekten zugeführt werden.