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„Spürbare Virtualität“

Irgendwie scheint es, dass die Krise auch Gutes bewirkt. Wie anders ist es zu erklären, dass Softwarehersteller Autodesk all jenen, die als Architekt, Konstrukteur und Ingenieur angestellt waren und jetzt aufgrund der Finanzkrise arbeitslos sind, mit seinem Autodesk Assistance Program unter die Arme greift?

Bei der Registrierung müssen Teilnehmer lediglich Informationen über ihren letzten Arbeitgeber vermerken und schon kann die kostenlose Weiterbildung starten. K&E fragte Roland Zelles, Geschäftsführer Autodesk GmbH und Vice President Central Europe in der Deutschlandzentrale in München, was neben Samaritertum sonst noch hinter dieser bemerkenswerten Initiative steckt und inwieweit die virtuelle Realität das Leben des Konstrukteurs/Entwicklers in 10 Jahren beeinflussen wird.

W Herr Zelles, seit November 2009 bietet Ihr Unternehmen das Autodesk Assistance Program für Jobsuchende an. Was verbirgt sich dahinter?

Roland Zelles: Einige Branchen, wie der Maschinenbau, sind in Deutschland stark von der Finanzkrise betroffen und Unternehmen mussten sich leider von hoch qualifiziertem Personal trennen. Für all diese Personen, die als Konstrukteur, Ingenieur oder Architekt angestellt waren, bieten wir das Autodesk Assistance Program an. Ziel ist es, diesen Personen dabei zu helfen wettbewerbsfähig zu bleiben, indem sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse im Umgang mit Software verbessern. Dafür stellen wir kostenlose Softwarelizenzen, Onlinetrainings und stark im Preis reduzierte Schulungen bereit, durch die man sich weiterbilden kann. Auch Zertifizierungen können erworben werden.

W Wie stark wurde Ihr Programm schon in Anspruch genommen? Können Sie Zahlen nennen?

Wir haben gerade begonnen das Programm in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv zu bewerben, so dass wir momentan noch keine belastbaren Zahlen haben.

W Zum Programm gehören neben kostenloser Software auch kostenlose oder stark vergünstigte Schulungen und Zertifizierungen. Wie reagieren Ihre zahlenden Kunden auf das Programm?

Bis jetzt haben wir von allen Seiten durchweg positives Feedback erhalten, sowohl von Anwendern als auch Unternehmen. Unternehmen profitieren ja schließlich auch von diesem Programm. Wenn wir in Deutschland die Krise überwunden haben, sind qualifizierte Arbeitskräfte wieder gefragt. Personen, die sich während ihrer Arbeitslosigkeit weiterbilden und neue Kenntnisse erwerben, sind sofort produktiv und für Unternehmen sehr wertvoll.

W Auf welchen Zeitraum ist ihre Initiative angelegt?

Wir werden dies vom Bedarf abhängig machen. Wenn wir merken, dass es immer weniger Jobsuchende gibt, die es in Anspruch nehmen, werden wir es einstellen. Aber bis dahin bestärken wir jeden darin, unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen.

W Sie bieten ja seit vielen Jahren Studenten die Möglichkeit kostenlose Softwarelizenzen zu erwerben und damit zu arbeiten. Wie wird diese Möglichkeit genutzt?

Studenten haben an der Universität meist nur eingeschränkten Zugang zu modernen 3D-Technologien, um den Umgang mit einem CAD-System zu erlernen. Um später aber einen Job zu finden, wird dies vom Arbeitgeber vorausgesetzt. Daher bieten wir Studenten kostenlose Softwarelizenzen an. Aber wir unterstützen Nachwuchskräfte nicht nur mit Software, sondern bieten auch viele Gelegenheiten, Know-how und Praxiserfahrungen zu sammeln, sowie Kontakte zu pflegen. In der Student Community finden sie umfassendes Unterrichtsmaterial zu den Softwareanwendungen. Skripte, Kursunterlagen und ein digitales Arbeitsbuch helfen beim Vertiefen der Kenntnisse. Darüber hinaus können sich Lernende in Foren Tipps und Tricks zu einzelnen Funktionen holen, Fachdiskussionen führen und auch internationale Kontakte knüpfen und vertiefen. In der Student Community haben Studenten ebenso die Möglichkeit, ihre Projekte der gesamten Community zu präsentieren. Wie sich zeigt, nutzen Studenten den internationalen Austausch auf Portalen wie der Autodesk Student Community gerne. So kommen mittlerweile, nach den USA, die meisten Mitglieder aus Deutschland: Mit derzeit mehr als 62.000 Nutzern wächst die deutsche Community weltweit am schnellsten.

W Sind Ihre kostenlosen Weiterbildungsprogramme alle webbasiert (e-learning) oder kommt es zu realen Begegnungen zwischen Lernenden und Lehrer?

Onlineschulungen bieten viele Vorteile. Anwender haben zum Beispiel jeder Zeit Zugriff auf einen Kurs und können ihn auch öfters absolvieren. Aber natürlich bieten wir auch Live-Schulungen über unsere Partner an. Zudem versuchen wir mindestens einmal im Jahr ein Anwendertreffen zu organisieren, wie das Digital Prototyping Forum oder die BIM-Conference. Hier treffen Entwickler, Partner und Anwender aufeinander und können sich gegenseitig austauschen.

W Ein reales Experiment oder ein Modell kann bei Lernenden eine Menge positiver Emotionen auslösen und so das Behalten und Begreifen fördern. Was können Sie dem in der virtuellen Realität entgegensetzen?

Mit modernen 3D-Konstruktionssystemen wie Autodesk Inventor erstellen Anwender einen sehr realistischen virtuellen Prototypen, von dem sich alle Eigenschaften und Eindrücke ableiten lassen – genau wie bei einem echten Modell. Das Verständnis für eine Konstruktion und der damit verbundene Lerneffekt, werden also sehr gut allein durch die Software erreicht.

W Mein neues Touchscreen-Mobiltelefon beispielsweise reagiert auf jede Bildschirmeingabe durch ein Vibrieren – was ich als angenehm empfinde. Ermöglichen Sie solcherlei „mechanische Interaktionen“ auch mit Ihren Simulations-Softwareprogrammen?

Wir bemühen uns natürlich mit der Zeit zu gehen und alle technischen Neuerungen, die zu einer besseren Interaktion zwischen Mensch und Maschine führen, zu berücksichtigen. Vor kurzem haben wir zum Beispiel die App Sketchbook Mobile für das iPhone herausgebracht. Designer oder auch Konstrukteure können so per Touchscreen unterwegs einfach mit dem Finger erste Skizzen anfertigen und das auf einem hohen Niveau. Vielleicht lässt sich dieses Prinzip auch auf 3D-Konstruktionsprogramme wie Autodesk Inventor übertragen, so dass der Konstrukteur am Bildschirm mit seinen Händen arbeitet und nicht mehr mit der Maus.

W Wie Nahe an der Realität schätzen Sie heutige virtuelle Simulationen ein?

Wenn ich mir einen digitalen Prototyp ansehe, der mit unserer Software erstellt, simuliert und visualisiert wurde, bin ich schon sehr beeindruckt, wie sehr er der Wirklichkeit entspricht. Zudem bieten die meisten Lösungen hervorragende Möglichkeiten an, den digitalen Prototypen unter realen Bedingungen zu testen. Mit unserem Angebot in der Simulation kommen die virtuellen Prototypen der Wirklichkeit extrem nahe. Ich bin mir sicher, dass es in naher Zukunft keine Notwendigkeit mehr geben wird überhaupt noch Prototypen zu erstellen.

W Wagen Sie den Blick in die Zukunft. Welche Rolle wird die virtuelle Realität in 10 Jahren im Arbeitsleben des Konstrukteurs/Entwicklers spielen?

Unter virtueller Realität verstehe ich nicht nur die Konstruktion eines digitalen Prototyps. Vielmehr sehe ich eine stärkere Verbindung zu Virtual Reality-Systemen, die es ja bereits heute am Markt gibt.

Irgendwann wird es möglich sein, dass der Konstrukteur seine Maschine oder sein Auto virtuell testet und das in einer ‚realen’Umgebung. Er kann dann zum Beispiel die ­Maschine mit seinen eigenen Händen bedienen, die Elektronik und die Softwarefunktionen virtuell testen und selbstverständlich die Maschine beim Kunden virtuell aufstellen, anschließen und in Betrieb nehmen.

So können alle Fehler bereits während der Konstruktion behoben werden. In diesem Bereich werden auch Technologien, die wir bereits heute für die Erstellung von Computerspielen oder Spielfilmen wie Avatar einsetzen, ein Motor sein. Im Endeffekt wird durch die virtuelle Realität alles möglich.W

www.autodesk.de

 



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