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„Getriebe ist nicht gleich Getriebe“

Führungswechsel. In K&E bekennt Nord-Geschäftsführerin Jutta Humbert Farbe: „Unsere blauen Großgetriebe müssen keinen Vergleich scheuen.“ Die Tochter des Firmengründers G.A. Küchenmeister bestimmt nun nach fast 20 Jahren den Nord-Weg − spricht über jüngste Entwicklungen und macht Prognosen für Nord und die Branche.

W Frau Humbert, hinter uns liegt das Krisenjahr 2009. Vorläufige Zahlen haben Sie ja inzwischen sicher vorliegen − wie stark hat Nord gelitten?

Jutta Humbert: 2009 war mit Sicherheit ein sehr problematisches, aber trotz allem ein hochinteressantes Jahr, in dem wir durchaus auch positive Signale verzeichnet haben. Wir haben natürlich auch Einbußen hinnehmen müssen: Unser Umsatz ist von 330 auf circa 264 Millionen Euro zurückgegangen. Der Rückgang lag also bei etwa 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei muss man aber auch berücksichtigen, dass 2008 unser bisheriges Rekordjahr war und der Kontrast auch daher so deutlich ausfällt. Bei der Mitarbeiterzahl sieht es etwas besser aus, wir konnten von 2.500 Angestellten im Jahr 2008 immerhin 2.300 behalten.

W Konnten Sie betriebsbedingte Entlassungen umgehen?

Ja. Die Belegschaft haben wir also weitestgehend erhalten, und damit auch unsere Fähigkeit, die Produktion bei Bedarf wieder auf Hochtouren anzufahren. Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Kapazitäten auch bald wieder voll ausschöpfen werden, denn neben unseren Bestandskunden, von denen sich nur sehr wenige zurückgezogen haben, konnten wir 2009 erstaunlich viele neue Kontakte zu Maschinenbauern knüpfen, die bisher noch nicht zu unserem Kundenkreis zählten.

W Für Nord geht es also wieder aufwärts. Woran können Sie die Trendumkehr festmachen?

Nun, bekanntlich stellte sich auch in der Gesamtwirtschaft die Lage im zweiten Halbjahr 2009 viel günstiger dar als bis zum Frühling oder Sommer. So war es auch für uns. Das können wir erstens anhand der Zahlen bestätigen, und zweitens anhand einiger prägender Ereignisse – insbesondere zum Beispiel unser exzellentes Ergebnis auf der SPS/IPC/Drives 2009, die sich für uns als die produktivste Messe der jüngeren Vergangenheit erwies. Wir konnten gleich mehrere Aufträge in beträchtlichen Größenordnungen entgegennehmen, die wir direkt in Nürnberg fertig verhandelt und vereinbart haben.

W Und wie ist Ihre Prognose für das laufende Jahr?

Wir möchten schon 2011 wieder unseren Rekordumsatz aus dem Jahr 2008 erreichen. An dieses Ziel wollen wir uns in diesem Jahr schon so weit wie möglich heranarbeiten, und der Ausblick im Moment stimmt uns zuversichtlich. Die Tatsache, dass wir mit innovativen Produkten in der mechanischen und elektronischen Antriebstechnik derzeit viel Interesse erzeugen, sorgt für Optimismus.

W Gilt das nur für Ihren Kernmarkt Deutschland? Wie gestalten sich momentan Ihre globalen Aktivitäten?

Wir sind überall da, wo unsere Kunden uns brauchen – die Welt ist für uns quasi voller Möglichkeiten. Wo der Bedarf anzieht oder absehbar stark wachsen wird, verdichten wir natürlich unser Niederlassungsnetz. Dies gilt im Moment besonders für Asien, speziell China. Ein weiterer Schwerpunkt ist Osteuropa. Konkret haben wir mittlerweile 35 Tochtergesellschaften weltweit, zusammen mit unseren Vertretungen ist Nord somit in über 60 Ländern präsent. Dabei gilt jedoch, dass wir die Welt von Deutschland aus erschließen: Wir sind hier verankert und dank der unmittelbaren Nähe zu Hamburg logistisch auch ausgezeichnet an weltweite Handelswege angeschlossen. Als Produktionsstätten und Absatzmärkte werden Deutschland und Europa ebenfalls weiterhin unser Rückhalt sein. So findet beispielsweise das Prototyping für neue Produkte ausschließlich in Deutschland statt. Diese Strategie hat sich bisher bestens bewährt – unsere Produkte sind mit dem Label „Made in Germany“ preislich und technologisch mehr als konkurrenzfähig. Beispiele sind etwa unsere kostengünstigen, vielseitig einsetzbaren Frequenzumrichter der Serie SK 200E und die großen Industriegetriebe mit Drehmomenten bis 200.000 Nm, bei denen auch die Modelle ab 90.000 Nm nach dem bewährten, 1981 von uns entwickelten Blockgehäusekonzept konstruiert sind – dies ist auf dem Markt einzigartig. Mittels ausgefeilter EDV-Technik und neuen Online-Tools sorgen wir außerdem für einen engen Kontakt mit Kunden überall in der Welt: Wir geben ihnen über myNord, einen Teil unserer Internetpräsenz, direkten Zugriff auf Datenbank-Informationen bei uns.

W Ihr Vater, G.A. Küchenmeister, ist eine Institution der deutschen Antriebsbranche. Nun legt er die Geschäftsführung vollständig in andere Hände – wie beeinflusst sein Rückzug die Unternehmensspitze?

Sein Ausscheiden markiert einerseits natürlich das Ende einer Ära bei Nord, aber ich glaube nicht, dass dies für unsere Kunden ein gravierender Einschnitt wird. Er wird uns schließlich weiterhin prägen und dem Hause Nord mit Rat und Tat zur Seite stehen. Sein Rückzug ist nur der Schlusspunkt einer allmählichen Übergabe der Verantwortung, schließlich bestimmen mein Bruder und ich schon seit vielen Jahren mit über den Kurs, und sind seit Jahren vertraute Ansprechpartner für viele Kunden − zusammen mit den anderen Geschäftsführern, wie Peter Dittmers, der sich um den deutschen Markt kümmert. Nicht zuletzt komplettiert seit Jahresbeginn Dr.-Ing. Jürgen Jendryschik als Technik-Verantwortlicher die Führungsetage. Ich vertraue übrigens vollstens darauf, dass unsere eingespielte Arbeitsteilung in der Geschäftsführung auch nach dem Generationswechsel weiter bestens funktioniert. Einerseits verantworten nämlich alle Mitglieder den Großteil ihrer Zuständigkeitsbereiche selbst, andererseits haben wir einige Belange bewusst in der gemeinsamen Verantwortung belassen.

W Und welchen Kurs nimmt Nord?

Nun, ein Technik-Geschäftsführer, der in diesem Bereich die Fäden zusammenführen und dabei auch als Impuls- und Ideengeber wirken kann, verschafft uns viel zusätzliche Schlagkraft. Dies ist im neuen Jahrzehnt mit Sicherheit ein Schlüssel zum Erfolg unseres Unternehmens. Wir werden uns weiterhin auf unsere Stärken konzentrieren, so etwa die mechanischen Basistechnologien, bei denen wir auf Dauer im Weltmarkt eine erste Adresse bleiben möchten. Nur mit überlegener Qualität kann man da bestehen − nicht zuletzt deswegen sind wir einer der Hersteller in Deutschland, der Zahnräder noch selbst in einer eigenen großen Fertigung herstellt. Unsere mittlerweile mehr als 25 Jahre alte Antriebs­elektronik-Sparte ist ein jüngerer Bereich, auf dem wir in Zukunft gezielt Akzente setzen wollen. Mit Herrn Jendryschik haben wir einen erfahrenen Experten gewonnen.W

www.nord.com



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