Warum sich der Antriebsspezialist Bonfiglioli nach herbem Rückschlag im Jahr 2009 zu Frühjahresbeginn 2010 nun wieder optimistisch zeigt, erklärt Thomas Becker im Gespräch mit Michael Mack.
Das Jahr 2009 bedeutete für den italienischen Antriebsspezialisten Bonfiglioli − mit über 2 Mio. Einheiten pro Jahr in Europa der Marktführer bei Industriegetrieben − einen herben Rückschlag: Nach 662 Mio. Euro im Jahr 2008 wurden 2009 weltweit nur 399,2 Mio. Euro an Umsatz fakturiert. Dennoch sieht sich Bonfiglioli in guter Ausgangsposition und erwartet fürs laufende Jahr eine Erholung um 25 % auf rund 500 Mio. Euro Umsatz. K&E befragte Thomas Becker.
W Herr Becker, 2009 musste Bonfiglioli weltweit einen drastischen Umsatzrückgang wegstecken. Nun sehen Sie wieder Grund für Optimismus?
THOMAS BECKER: Richtig, Bonfiglioli hatte weltweit in 2009 ein Umsatzminus von knapp 40 % zu verkraften. Wesentlich geringer war der Rückgang in Deutschland. Und wir sind zuversichtlich, in 2010 insgesamt wieder ein gutes Jahr hinzulegen.
W Interessant ist, dass Sie den im Hause erfahrenen Rückschlag nicht allein auf die miese Konjunktur zurückführen, sondern genauso auf das Bonfiglioli-Vertriebssystem.
Es geht dabei um die Distribution. In vielen Ländern, etwa in Italien selbst, vertreibt unser Unternehmen die Produkte über Händler mit antriebstechnischer Kompetenz, die weitgehend selbständig agieren. In Boomzeiten versuchen diese, durch Lageraufbau die Lieferzeiten kurz zu halten. Der recht drastische Konjunktureinbruch hat sie auf hohen Beständen sitzen lassen, mit denen sie dann in 2009 große Teile der Nachfrage decken konnten. Bei Bonfiglioli haben sie daher verhältnismäßig wenig bestellt. Jetzt sind die Lager heruntergefahren, die Konjunktur läuft wieder an, der Bestelleingang von den Händlern steigt. Darauf begründet sich der Optimismus, dass der Umsatz des Konzerns in 2010 wesentlich stärker steigen wird als das Marktwachstum. Abgesehen davon gilt: In Deutschland sind wir aufgrund des Direktvertriebs und starker Applikationsbetreuung etwas anders aufgestellt als in Italien.
W International Freude macht Ihnen das Geschäft mit regenerativen Energien!?
Das stimmt. Hier fällt am 9. Juli mit der Intersolar Europe der Startschuss für die weltgrößte Fachmesse für Solartechnik in München. Die Veranstaltung ist fester Bestandteil unserer Messeplanung. Wir gehen mit großem Optimismus nach München und konzentrieren uns dort auf unsere Wechselrichterserie RPS 450, die auch komplett als Mittelspannungsstation angeboten wird, auf Trackerantriebe und auf scheinbar weniger wichtige Komponenten wie etwa die String Connection Box, das Verbindungselement zwischen den Solarpaneln und Mittelspannungsstationen, das entscheidenden Einfluss auf Installation und Betrieb hat.
W Bestehen keine Bedenken, der jüngst politisch vollzogene Schnitt, die Förderung der Photovoltaik in Deutschland zu reduzieren, wirkt sich auf Ihr Haus negativ aus?
Über politische Entscheidungen kann man denken, was man will. Fakt ist, dass unser Geschäft in Green Energy international sehr gut läuft und auch in 2010 gut laufen wird. Nationale Subventionsentscheidungen beeinflussen die Geschäfte mal negativ − wie etwa in Spanien im vergangenen Jahr − mal positiv, wie viele Beispiele belegen. Wir würden uns eine stetigere Politik in dieser Hinsicht wünschen.
W Erwartungen für wieder anziehendes Geschäft hegt Bonfiglioli auch in der klassischen Antriebstechnik!
Ja. Wir bieten neue Produkte. Mit neuen Produkten zielen wir immer darauf ab, unseren Kunden neue Möglichkeiten zu eröffnen. Die eingeschlagene Strategie zahlt sich aus, unseren Industriekunden mit dynamischeren und präziseren Antriebslösungen zu helfen, ihre Maschinen produktiver und wettbewerbsfähiger zu machen. Und trotzdem vergessen wir die klassische Antriebstechnik für Baumaschinen − unser Kerngeschäft in der mobilen Antriebstechnik − keineswegs. So hoffen wir insgesamt, zusammen mit unseren Kunden gute Geschäfte zu machen. Das wird auch bald wieder im Baumaschinenmarkt gelingen. Erste Anzeichen der Erholung sind spürbar.
W Gerade hat Bonfiglioli in Deutschland mit Dr. Georg Sztefka einen anerkannten Spezialisten der Automatisierungstechnik für das Haus gewonnen. Welche Aufgaben übernimmt Dr. Sztefka?
Mit Dr. Sztefka bekommt die Automation bei Bonfiglioli Deutschland ein Gesicht. Wer ihn kennt, der weiß, dass er technisch anspruchsvoll ist. Er wäre nicht zu uns gekommen, wenn wir diese Ansprüche nicht erfüllen könnten. Dieses Vertrauen Bonfiglioli gegenüber wird viele Unternehmen überzeugen, ihre Überlegungen hinsichtlich möglicher Lieferanten auch auf uns auszuweiten. Somit hat er sehr gute Chancen und er wird sicher auch erfolgreich sein. Als Vertriebsleiter Automation übernimmt Dr. Sztefka die Aufgabe, Bonfigliolis Anteil am Markt der dynamischen Antriebslösungen deutlich zu steigern.
W Werden die kommenden Monate die Wende zum Besseren bringen?
Davon bin ich absolut überzeugt! Wir genießen ein großes Vertrauen durch die Kunden, wir können uns auf motivierte und sehr kompetente Mitarbeiter verlassen und die Position von Bonfiglioli Deutschland im Konzern ist eine sehr gute. Die ersten Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung sind spürbar, und wir erwarten eine positive Stimmung auf allen Messen in diesem Jahr. Nach einer harten Zeit in 2009 hoffen wir auf eine durchweg positive Entwicklung in 2010. W