von Günter Kögel Deutschland setzt auf Photonik, und die Politik hilft Industrie und Wissenschaft, die weltweite Führungsrolle zu verteidigen. Ein wichtiges Element dazu ist das neue Förderprogramm ‚Photonik Forschung Deutschland’. Am Rande der Präsentation auf der LASER in München sprachen wir mit Dr. Peter Leibinger, Geschäftsführender Gesellschafter der Trumpf GmbH + Co. KG, über die besondere Bedeutung des Programms für die industrielle Lasertechnik und die aktuellen Trends. Herr Leibinger, was bringt das Förderprogramm ‚Photonik Forschung Deutschland’ für die Hersteller und Anwender der industriellen Lasertechnik? Das Programm ‚Photonik Forschung Deutschland’ ist im Prinzip die Fortsetzung der vor zehn Jahren gestarteten Förderung. Das Förderprogramm geht sehr konzentriert vor und setzt stark auf Verbundförderprojekte. Dabei wird in den einzelnen Projekten versucht, jeweils fokusiert auf ein speziefisches Thema eine Gruppe zielorientiert zusammenzubringen und relativ schnell zu Ergebnissen zu kommen. Alle Projekte laufen mit Industriebeteiligung und werden in der Regel mit einer Quote von etwa 40 Prozent gefördert. Dieses Format, bei dem Industriebetriebe und Institute sehr eng zusammenarbeiten, funktioniert in unserer Branche sehr, sehr gut. Und genau dies setzen wir jetzt fort. Im Programm ‚Photonik Forschung Deutschland’ haben wir in konzentrierter Form zu Papier gebracht, was wir in den nächsten zehn Jahren in Sachen Forschung tun wollen und dies hat international – insbesondere in den USA und in China – viel Beachtung gefunden. Auf dem Globus muss man Deutschland ja mit der Lupe suchen. Wenn die Lasertechnik jetzt global immer wichtiger wird: Sehen Sie nicht die Gefahr, dass wir unsere Führungsposition an Länder wie China verlieren? Die Gefahr, dass sich auch andere Länder um das Thema kümmern, ist natürlich da. Und einige kümmern sich sogar sehr intensiv. Schon heute ist beispielsweise eines der größten Laserunternehmen der Welt Han’s Laser aus China. Aber wir können doch nicht angesichts dieser Gefahr den Kopf in den Sand stecken. Ich sehe die Photonik als große Chance für Deutschland, weil sie gut zu uns passt. Die Photonik ist sehr wissensintensiv, die daraus entstehenden Produkte sind komplex und werden in kleinen Serien mit hoher Qualität hergestellt. Dies alles passt hervorragend zu uns. Es passt auch zu unserem dualen Ausbildungssystem mit der klassischen Industrieausbildung und der universitären Ausbildung. Dies alles greift sehr schön ineinander, und ich bin überzeugt, dass wir deshalb vieles von der Photonik in Deutschland halten können. Natürlich werden wir als Hersteller auch in die Märkte gehen und dort Wertschöpfung haben. Aber – ich spreche jetzt für Trumpf – nicht, weil wir dort Kostenvorteile sehen, sondern weil wir vor Ort Wertschöpfung haben müssen, um in diesen Märkte einen ‚footprint’ zu haben und damit ernst genommen zu werden. Heißt: Wir werden internationalisieren, aber nicht zu Lasten der Arbeitsplätze in Deutschland. Ihr Vater hat ja vor vielen Jahren mit dem Motto ‚Optimismus ist Pflicht’ den Weg durch die damalige Wirtschaftskrise vorgegeben. Der Optimismus hat sich offensichtlich auf den Sohn übertragen. Sie sagten bei der Vorstellung des Förderprogramms zum künftigen Wachstum der Branche, dass sie sich durchaus vorstellen können, dass die Laserbranche 2020 das gesamte Münchener Messegelände belegen wird und Trumpf eine komplette Halle… Zugegeben – das war sehr plakativ. Aber zumindest was die Halle für Trumpf betrifft, kann ich mir das – wenn es so weiterläuft, wie im Moment – durchaus vorstellen. Wenn man sich vor Augen führt, wie vielseitig die Dinge sind, die wir derzeit vorantreiben, halte auch ich Optimismus für angebracht. Was wird denn in der industriellen Lasertechnik gerade besonders vorangetrieben? Besonders viel tut sich derzeit beim Kurzpulslaser. Diese Laser sind sehr interessant, denn wir können damit Bearbeitungsverfahren realisieren, die mit keinem anderen Verfahren möglich sind. Und unsere Kunden können Teile herstellen, die sich mit keinem anderen Verfahren herstellen lassen. Immer wenn man so etwas kann, sind die Kosten für das Produktionsmittel irrelevant. Für manche mag dies gierig klingen, es ist aber für die weitere Entwicklung der Technologie sehr wichtig. Denn wir müssen in die Entwicklung dieser Geräte enorm investieren, obwohl wir erst relativ kleine Stückzahlen herstellen. Deshalb muss die Marge entsprechend hoch sein, damit sich der Aufwand überhaupt rechnen kann. Aber dies lohnt sich und ich bin sicher, dass wir von den Ultrakurzpulslasern in den nächsten Jahren noch viel erwarten dürfen. Zum Beispiel eine Entwicklung wie bei den PCs, bei denen regelmäßig zum gleichen Preis die Leistung verdoppelt wurde? Das kann ich mir durchaus vorstellen. Die reine Mehrleistung kostet eigentlich nicht viel mehr. Hier geht es vor allem darum, die Mehrleistung beherrschen zu lernen. Wenn man dies kann, dann kann man auch mehr Leistung zum selben Preis anbieten. Wo sehen Sie denn die interessantesten Anwendungen von Ultrakurzpulslasern in der Industrie? Ein sehr wichtiges Einsatzgebiet ist das Trennen von Materialien, die sich mit anderen Verfahren nicht trennen lassen, zum Beispiel gehärtetes Glas oder – im Moment in aller Munde – CFK. Interessant ist auch die Bearbeitung von Solarzellen. Bestimmte Spuren auf den Solarzellen lassen sich nur mit Ultrakurzpulslasern herstellen. Wichtig ist auch das Bohren von sehr feinen Strukturen. Grundsätzlich kommen Ultrakurzpulslaser immer dann ins Spiel, wenn es darum geht, sehr feine Strukturen zu erzeugen.