Vor 50 Jahren entwickelte der amerikanische Physiker Theodore Maiman den ersten funktionstüchtigen Laser – und legte damit den Grundstein für einen beispiellosen Siegeszug durch praktisch alle Sparten der Technik. Den runden Geburtstag nahmen wir zum Anlass, um führende Experten der Laserbranche nach den wesentlichen Meilensteinen und der Zukunft der industriellen Lasertechnik sowie nach den kommenden Strahlquellen und Bearbeitungen zu fragen. gk
Was waren für Sie und Ihr Unternehmen die wesentlichen Meilensteine der industriellen Lasertechnik?
Damit sich der Laser als feste Größe in der industriellen Fertigung, speziell in der Blechbearbeitung, hat etablieren können, brauchte es Innovationen auf mehreren Ebenen: Erstens in der Lasertechnologie selbst, die in der Weiterentwicklung der Strahlquellen ihren Niederschlag fand, zweitens auf Seiten der Maschinenkonzepte und Steuerungen und drittens bei der Integration der Systeme in den Material- und Datenfluss des Fertigungsprozesses.
Moderne Strahlquellen, wie sie heute in Laserschneidsystemen eingesetzt werden, sind für mich ohne die folgenden Innovationen nicht vorstellbar:
• Automatische Steuerung der Laserleistung in Abhängigkeit vom Vorschub.
• Konditionierung des Strahls mit Hilfe optischer Komponenten.
• Skalierung von energieeffizienten und hochstabilen DC-Lasern bis 5,2 kW mit kompletten Halbleiteranregungen.
• Energieeffiziente 6-kW-RF-Laser mit kompletten Halbleiteran- regungen.
• Die Fähigkeit, den Fokuspunkt zu verstellen und über die gesamte Bearbeitungsfläche nachzuziehen.
• Entwicklung von Schneidparametern für die Anwendung des Faserlasers in der Blechbearbeitung.
Und natürlich freut es mich, dass Bystronic bei diesen Innovationen entscheidende Beiträge geleistet hat.
Bahnbrechend auf Seiten der Maschinenkonzepte ist für mich die erste industriell anwendbare Laserschneidanlage mit fliegender Optik und Wechseltisch – ein Standard, den Bystronic gesetzt hat und der so schnell auch nicht verdrängt werden wird. Weitere Meilensteine sind für mich unsere Laserschneidanlagen Byspeed und ByVention: Die Byspeed, weil wir dort den Eklektizismus überwunden haben, der bis dahin den Markt beherrscht hat. Sprich, statt die besten Komponenten unkreativ zusammenzustellen, haben wir den Fokus auf das bestmögliche Zusammenwirken dieser Komponenten gelegt. Auch bei der ByVention haben wir konventionelle Denkschemata überwunden und die kleinste Laserschneidanlage für Standard-Blechformate entwickelt, die mit einem komplett neuen Materialflusskonzept ausgestattet ist. Dass der Wettbewerb begonnen hat, die ByVention zu kopieren, sehe ich als Bestätigung unserer Arbeit. Im Hinblick auf die Einbettung der Maschinensysteme in den Material- und Datenfluss möchte ich aus den zahlreichen Innovationen zwei herausstreichen. Erstens unsere intelligente, kompakte Be- und Entladeeinheit ByTrans Extended, mit der auch solche Anwender die Autonomie ihrer Laserschneidanlagen signifikant erhöhen können, die sich kein vollautomatisches Lagersystem leisten können oder wollen. Zweitens das Bystronic CAD/CAM-Softwarepaket Bysoft und dort speziell das Modul „Plant Manager Cutting“, mit dem sich Laser- aber auch Wasserstrahlschneidprozesse exakt planen und lückenlos überwachen lassen.
Wie schätzen Sie die Zukunft der industriellen Lasertechnik ein?
Nach dem konjunkturellen Rückgang 2009 wird sich die Industrie langsam wieder auf das Niveau von 2007 erholen. Allerdings wird sich der Markt nach Asien und dort speziell nach China und Indien verlagern, aber auch nach Südamerika und Osteuropa. Die „alten“ Märkte werden ihr ursprüngliches Niveau wohl nicht mehr erreichen. Dies wird zur Folge haben, dass sich die Nachfrage nach günstigeren und lokal hergestellten Produkten erhöhen wird. Bei Highend-Produkten werden hohe Verfügbarkeit, einfache Bedienung und Automation die zentralen Erfolgskriterien sein.
Welche Strahlquellen und welche Bearbeitungen werden Ihrer Überzeugung nach den industriellen Lasereinsatz in den nächsten Jahren prägen?
An CO2-Laserquellen wird man weiterhin nicht vorbeikommen. Sie haben ihre technische Reife erlangt und sind außerordentlich zuverlässig. Aus diesem Grund, und weil Anwender weiterhin ein großes Blechdickenspektrum abdecken wollen, werden CO2-Laserquellen im Hinblick auf das Schneiden von Blech auch in Zukunft den größten Teil des Marktes abdecken.
Scheiben- oder Faserlaser werden dennoch ihren Platz finden: nämlich bei 3D-Anwendungen und beim Schneiden von Blechen bis 5 Millimeter. Gerade bei der Bearbeitung sehr dünner Bleche beziehungsweise Folien bis 0,5 Millimeter sind solche Laserquellen meines Erachtens das optimale Produkt.
Das Laserschneiden wird mit Hilfe von Scheiben-, Faser- und lampengepumpten Lasern außerdem neue Anwendungsgebiete erschließen, was ein zusätzliches Wachstum des Marktes nach sich ziehen dürfte. Anderseits erwarte ich eine Segmentierung der Anwendungen. Soll heißen, jede Laserquelle hat ihren speziellen Anwendungsbereich.
Abschließend noch Folgendes: 50 Jahre Lasertechnik sind ein gewichtiger Grund zu feiern. Wenn ein Mensch ein solches Alter erreicht, mischen sich in die Würdigungen seiner bisherigen Lebensleistung erfahrungsgemäß erste Melodien eines Abgesangs. All diejenigen, die ein solches Lied im Hinblick auf den Laser anstimmen möchten, kann ich nur „warnen“. Die Lasertechnik wird uns mit weiteren Innovationen beglücken. Sie ist mit 50 Jahren nach wie vor jung und entwicklungsfähig.