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„Das komplexeste EML-Stanz-Laserzentrum“

von Harald Klieber

Schaltschrank-Hersteller Lohmeier hat seine Blechfertigung mit dem in Deutschland wohl komplexesten EML-Stanz-Laserzentrum von Amada entscheidend aufgewertet. Experte Markus Nerge erklärt, was das für die Schaltschrank-Qualität und das Fertigungs-Portfolio von Lohmeier bedeutet.



Es tut sich was bei Lohmeier: In den letzten 12 Monaten bereits über 2 Mio. Euro für neue Maschinen investiert, gut 25 Prozent Umsatzwachstum zum Vorjahr. „Das müssen Sie als Mittelständler erst mal stemmen – und dabei vor allem nicht die Produkt-Qualität aus dem Auge verlieren", betont Marketingleiter Markus Nerge die Stärke von Lohmeier, einem der Vorzeige-Schaltschrankbauer Deutschlands – und darüber hinaus: Lohmeier gilt mittlerweile als einer der erfolgreichsten Schaltschrank-Systemanbieter Europas. Gegründet 1963 von Fritz Lohmeier, leiten seit 2003 Tochter Britta Lohmeier-Bloch den Bereich Personal & Finanzen sowie Hans-Werner Meyer die Ressorts Technik & Vertrieb, das ausschließlich in Vlotho produzierende Familienunternehmen.

„Wir haben derzeit exakt 120 Mitarbeiter am Standort. Unsere Stärken sind neben hoher Eigenkapitalquote und damit weitgehender Bankenunabhängigkeit, hohe Fertigungstiefe, 15.000 m2 Produktionsfläche und zudem gewachsene Partnerschaften mit Zulieferern, Kunden und Auslandsvertretungen", definiert Technik- und Vertriebschef Hans-Werner Meyer die Erfolgsbasis. Nach der Krise haben sich der Inlandsmarkt und das Exportgeschäft sehr gut entwickelt. Vor allem starke Auslandsvertretungen in der Schweiz, Russland, Frankreich, Österreich und Australien haben schon 2010 den Export angekurbelt – Slowenien und die Slowakei sowie die Tschechische Republik kamen 2011 dazu – was die Kapazitäten an ihre Grenzen gebracht hat. Konsequenz war, dass Lohmeier vor kurzem zwei neue Maschinen in Betrieb genommen hat: ein weiteres, identisches Weinbrenner-Biegezentrum und das neue Flaggschiff, ein EML-Stanz-Laser-Bearbeitungszentrum von Amada. „Nach Angaben der deutschen Amada-Niederlassung war unsere EML zumindest bei Lieferung im Februar 2011 in dieser Komplexität einizigartig in Deutschland", berichtet Hans-Werner Meyer über die Vorzeigemaschine. „Die Maschine passt perfekt zu uns, weil wir nicht vom Coil arbeiten, sondern ausschließlich Platinen verarbeiten." Rund 4.000 t Blech pro Jahr verarbeitet Lohmeier mit Stärken zwischen 1,5 und gut über 3 mm. Dazu kommt ein nennenswerter Bedarf an Edelstahl ebenfalls aus Tafelware. „Auf der anderen Seite stehen rund 1.200 aktive Kunden, denen wir in unserem Showroom gerne demonstrieren, warum wir etwas dickere Bleche verarbeiten, und wie stabil letztlich unsere Schaltschränke sind", deutet Markus Nerge die Qualitätsmerkmale der Lohmeier-Produkte an.

Hohe Schaltschrank-Qualität vermeidet Verzögerungen

Und das hat seinen Grund: „Montageplatte, Spulen, Trafos und andere Leistungselektronik – da kommen dann schnell 200 bis 500 kg Transportgewicht je Schrankelement zusammen. Beim Lkw-Transport werden die Schaltschränke maximal mechanisch belastet. Da zeigt sich die Qualität. Ich habe schon zu sparsam ausgelegte Schaltschränke gesehen, die am Zielort zu einem leicht rautenförmigen Parallelogramm verformt waren. So etwas verzögert dann natürlich Projekte beim Kunden erheblich, so dass in Zukunft Lohmeier Produkte genommen werden." Die Schaltschrank-Experten empfehlen daher, besonders auf die konstruktive Qualität der Schaltschränke zu achten.

Um Platz für das Amada-Zentrum zu schaffen, musste Lohmeier zunächst alte Maschinen rechtzeitig verkaufen, eine neue Trafostation aufbauen, anschließen, den Hallenboden sanieren, eine Baugenehmigung für den Gastank einholen und den Tank aufstellen. „Zwar brauchte die EML im Gegensatz zu den vorher eingesetzten Weinbrenner-Maschinen eine Hallenbodensanierung, aber dann wurde die Anlage mustergültig von den Technikern der deutschen Amada-Niederlassung aus Haan in Betrieb genommen", erinnert sich Fertigungsleiter Thomas Möhrling. Nach dem Wunsch von Lohmeier sollte es unbedingt ein Kombigerät sein. Das Unternehmen bekam aber viel mehr: „Wir haben eine Maschine gekauft, die uns unter anderem vorschlägt, welcher Bearbeitungsprozess für die jeweilige Kontur die günstigere ist: Lasern oder Stanzen." Die Stanze ist in der Regel wesentlich schneller und kostengünstiger.

„Bis der Laser außen rum ist, hat das Stanzwerkzeug schon ein Dutzend Löcher gemacht. Der Laser hat dagegen den Vorteil, dass keine sonst üblichen Nibbel-Marken hinterlassen werden, was gerade unserem Qualitätsgedanken zuträglich ist. Lasern bringt saubere Kanten, macht weniger Nacharbeit und erspart Stanz-Sonderwerkzeuge."

Werkzeugwechsel in maximal 18 Sekunden

Hilfreich in der ROI-Kalkulation sei laut Möhrling zudem gewesen, dass ein Werkzeugwechsel jetzt noch maximal 18 Sekunden dauert, weil die Anlage nicht mehr stehen muss, sondern sich rechtzeitig aus dem Werkzeug-Revolver im Sekundentakt bedient oder aus dem separaten Werkzeug-Magazin-Turm auf 400 weitere Stanzwerkzeuge zugreifen kann. „Ein Werkzeugrüsten außerhalb des Revolvers dauerte früher mehrere Minuten, bedeutete Stillstand. Jetzt geht das genauso flott wie die Blechtafelbestückung aus dem Amada-eigenen Hochregallager, dem integrierten Lagerturm, der in acht Fächern das Material für eine Zwei-Tagesproduktion vorhalten kann. Die automatische Be- und Entladeeinheit sowie die angeschlossene Werkzeug-Schleif-Maschine runden den komplexen Automatisierungsprozess ab. Mussten vorher Werkzeuge für viel Geld und Zeit zum Nachschleifen aus dem Haus gegeben werden, passiert dieses nun umgehend neben der Maschine."

Weiterer Pluspunkt des Amada-Zentrums ist der formgebende Aspekt. Diesbezüglich erschließt die EML für Lohmeier einen Meilenstein: Statt wie bislang nur rechtwinklige Ecken stanzen zu können oder teure Sonderwerkzeuge kaufen zu müssen, lassen sich jetzt auch ‚rund Ecken’, also Bögen lasern. „Freie Konturen ohne Nachbearbeitung sind mit der EML problemlos möglich", betont Fertigungsleiter Thomas Möhrling.

www.lohmeier.de
www.amada.de



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