Die Kunden der „Sheet metal fans“ von GSW aus Kempen können es kaum noch erwarten, und auch die Blechspezialisten selbst freuen sich auf den Start: Derzeit wird letzte Hand ans neue Schneid- und Umwickel-Zentrum für bis zu 1,25 mm starke und 650 mm breite Feinbleche angelegt, das künftig für Schnittversuche zum Spalten und Querteilen zur Verfügung steht. Der Aufbau im Werk Kempen steht kurz vor dem Abschluss und bei Redaktionsschluss ging Projektleiter Klaus Walter davon aus, Ende Januar multiple Streifen zu schneiden und abzulängen. Die Entscheidung für die ersehnte Anlage fiel 2011. Vorstand Benjamin Schwabe verfolgt damit klare Ziele: „Unsere Kunden können dann mit Feinblechen und Sonder-Bandmaterialien wie Textilien oder Kunststoffen Schnittversuche im Spalten und Querteilen fahren. Dahinter steht die Praxiserfahrung, dass es gerade bei dünnen Bändern oft große Unsicherheiten gibt, wie gut sich diese verarbeiten lassen. Genau das wollen wir empirisch prüfen können." Dabei wird es über das Spalten und Ablängen noch hinaus gehen. Die Anlage im neuen Versuchszentrum beherrscht auch das Wiederaufwickeln – ein Vorteil für beide Seiten. So können Kunden bedient werden, die nur spalten und nicht zusätzlich auf Länge zuschneiden wollen, während die Entwickler von GSW ihre neuen Bandbremssysteme testen können. Diese sind gerade ‚das’ große Thema in der Entwicklungsabteilung der Sheet metal fans. Vorstands-Sprecher Andreas Fischer nennt die technischen Hintergründe: „GSW verfügt über viel Erfahrung mit Filzbremsen, Schwenkrollenbremsen und servounterstützten S-Rollen-Bremssystemen für unterschiedlichste Anwendungen. Jedes unserer Systeme hat sein spezielles Einsatzgebiet; richtig eingesetzt überzeugen sie alle." Ein besonderer Fall ist für Fischer aber „der Umgang mit Materialien, deren Oberflächen sehr empfindlich sind. Da funktioniert selbst der Einsatz von S-Rollen nicht immer. Wir wollen deshalb ein Bremssystem entwickeln, bei dem keine Relativbewegung vom Band zur Bremse entsteht." Fischer sieht die Vorteile auf GSW-Seite: „Natürlich gibt es Lösungen am Markt. Sonst könnten viele Produzenten ja keine guten Spaltbänder für Sichtmaterialien einkaufen. Der Unterschied: GSW bedient im Wesentlichen den Endabnehmer, nicht den kommerziellen Spaltband-Hersteller. Und deshalb müssen wir im Kundensinne besonders wirtschaftlich denken – frei nach dem Pareto-Prinzip: Produktivität 20, Flexibilität und Kosten 80." Mit dem neuen Versuchs-Zentrum sei GSW auf einem guten Weg dorthin. Das neue „Schneidzentrum" – so nennen es die Sheet metal fans von GSW gern selber – entsteht in der Haupt-Fertigungshalle. Für größte Bediener-Sicherheit nach aktuellen Vorschriften ist die Anlage mit moderner Steuerung und peripherer Schutzanlage ausgerüstet. GSW kann mit der Anlage Coils von bis zu 650 mm Bandbreite und rund 1,25 mm Banddicke bearbeiten. Die minimal zulässige Dicke liegt bei etwa 0,25 mm für Stahl und 0,3 mm für Aluminium. Im Betrieb zieht die Richtmaschine das Band drehzahlgeregelt vom pneumatisch gebremsten Haspel ab und fördert es in eine Coilschlaufe. Der Walzenvorschub zieht das Band aus der Schlaufe und positioniert es in die Querteilschere mit überwachter Messeröffnung. Die vor dem Vorschub positionierte Längsteileinheit unterstützt den Vortrieb durch ein elektronisches, mit dem Vorschub gekoppeltes Getriebe. Die Einlaufseite besitzt eine spezielle Bandführungs-Strecke für eine exakt parallele Bandmittenposition, ohne die Bandkanten zu gefährden. Die Saumwickler arbeiten mit Stillstandsregelung und pneumatischer Querverfahrung für verlegtes Wickeln. Die abgelängten Streifen werden auf einem lichtschrankenüberwachten Hubltisch aufgestapelt. Tests mit neu entwickeltem Bandbremssystem Die Alternative: Mit einer Bandbremse lassen sich die einzelnen Streifen gleichmäßig für präzises Aufwickeln vorspannen. Aufwickler und Bandbremse werden separat gesteuert, mit Wickelrechner und Bahntacho. Eine Leitachskopplung – mit dann kontinuierlich laufendem Walzenvorschub – erzeugt eine gleichmäßige Wickelspannung. Das erste neuentwickelte GSW-Bandbremssystem soll voraussichtlich im Juni 2012 marktreif sein. Benjamin Schwabe freut sich: „Die erfolgreichen Jahre 2010 und 2011 haben uns die finanzielle Kraft für diesen Schritt gegeben. Jetzt sind wir gespannt: auf die Anwender und ihre Herausforderungen – und ganz besonders auf die neuen Erkenntnisse mit der speziellen Bandbremse." Schon jetzt liegen GSW mehrere konkrete Anfragen für empirische Tests vor. W