Von Martin Bauer Sich in Zeiten der Krise auf den erhofften Aufschwung vorzubereiten ist für die meisten Unternehmen eine logische Konsequenz. Dass es aber auch ‚ein bisschen mehr sein darf’ zeigen die Schweißexperten der Dinse GmbH. Dank verbesserter Logistik sowie mehr Raum für Forschung und Entwicklung am neuen Standort in Norderstedt schaut das Unternehmen optimistisch in die Zukunft. Dazu passt auch, dass Anwender wie John Deere den Hamburgern für die gemeinsame Zusammenarbeit Bestnoten ausstellen.
Die Zeiten der Rekordabsätze werden wohl so schnell nicht wiederkehren. Um günstiger zu produzieren, sind nicht wenige deutsche Unternehmen ins Ausland abgewandert – und viele davon reumütig zurückgekehrt. Eine andere Lösung, um die Krise mit möglichst wenig Schaden zu überstehen, sind Verkleinerungen der jeweiligen Standorte. Dass es auch anders geht, zeigt das Unternehmen Dinse, einer der führenden Hersteller für Schweißsysteme in Europa. Die Hamburger bleiben nicht nur dem Standort Norddeutschland treu, sie vergrößern sich sogar.
Den Grund dafür erklärt Geschäftsführer Torsten Lischke: „Unsere Überlegungen zielten darauf ab, wie Dinse langfristig zukunfts- beziehungsweise marktfähig bleibt. Uns war klar, dass das nicht durch Verkleinerung erreicht wird. Stattdessen hatten wir uns auf die Fahnen geschrieben, die Fertigungsabläufe effizienter zu gestalten, den internen Logistikaufwand zu reduzieren und auch die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen zu optimieren. Das war allerdings nur an einem zusätzlichen neuen Standort möglich.“
Der Kauf des nur 440 m entfernten bebauten Grundstücks Rugenbarg in Norderstedt war im wahrsten Sinne des Wortes die nahe liegendste Lösung. Ein Teil des Unternehmens bleibt somit nach wie vor in Hamburg. So sind die Abteilungen Finanzbuchhaltung, Personal, Einkauf, Teile der Arbeitsvorbereitung, EDV, die Technik-Bereiche Elektronik, Konstruktion, Prototypenbau sowie der Vertrieb mit den Bereichen Export und Innendienst in den Rugenbarg gezogen, während die mechanische Fertigung, der Schweißpistolenbau, die Systemfertigung und die Logistik am Standort Tarpen bleiben. Insgesamt finden auf etwa 8.000 m2 rund 150 Mitarbeiter Platz. An den alten Fertigungsstandorten gab es einen hohen logistischen Aufwand und lange Wege, auch waren aufgrund der räumlichen Zersplitterung Produktionsabläufe komplizierter.
„Die Wirtschaftskrise hat auch bei uns Spuren hinterlassen“, räumt Geschäftsführer Torsten Lischke ohne Wenn und Aber ein. Der Umsatzrückgang 2009 betrug etwa 30 Prozent, dennoch gilt es, nicht den Kopf in den Sand stecken – im Gegenteil. „Wir wollen an unserem attraktiven Standort festhalten, deswegen haben wir uns ja auch hier vergrößert. Der Slogan ‚Made in Germany’ wird meiner Meinung nach zukünftig nicht schlechter werden, er wird sogar eher mehr an Bedeutung gewinnen. Unsere Mitarbeiter sind durch die Krise noch motivierter. Wir brauchen Leidenschaft im Unternehmen, und das haben wir.“
Besonders stolz ist Dinse auf das moderne Schulungszentrum für Kunden und Händler im neuen Gebäude, das von Anfang an großen Zuspruch erhielt und damit die Geschäftsbeziehungen intensiviert. Darüber hinaus wurde der Bereich Technologieforschung und -entwicklung ausgebaut sowie größere und repräsentative Präsentationsflächen geschaffen. Durch die schnell umsetzbare Lösung konnte Dinse die Ausfallzeiten gering halten und eine übermäßig hohe finanzielle Beanspruchung vermeiden. Für die Mitarbeiter wurden auf diese Weise attraktive Arbeitsplätze in beiden Betriebsstätten geschaffen.
Das Thema Outsourcing kommt für die Hamburger nicht in Frage. Dafür spricht auch, dass das Unternehmen laut eigener Aussage nicht um jeden Preis wachsen müsse. „Wir haben nicht den Zwang zum Wachstum, vielmehr setzen wir auf eine langfristige solide und einheitliche Weiterentwicklung. Unsere effizienten Maschinen und Anlagen rechtfertigen das“, so Lischke weiter.
Wachstumspotentiale zeigen sich derzeit vor allem im internationalen Geschäft: Seit 2009 sind Dinse-Anwendungsberater in den USA und in Indien vertreten. In der Türkei und in Polen konnte die Anzahl der Vertriebsmitarbeiter verstärkt werden. Insgesamt liefert Dinse zurzeit in 59 Länder weltweit. Geplant ist, das internationale Geschäft auch in Zukunft weiter auszubauen. „Wir streben ein moderates Umsatzwachstum in 2010 an. Dafür haben wir eine starke Basis: hohe Fachkompetenz, exzellente Produkte und ausgeprägte Kundennähe“, erläutert Lischke. Das Ziel: Fünf Prozent Wachstum in 2010.
Vor allem mit den flüssiggekühlten Schweißpistolen möchte man auf den eher traditionell mit gasgekühlten Schweißgeräten arbeitenden nordamerikanischen Markt. Peter Kapferer, Business Unit Manager der Firma John Deere und langjähriger Kunde der Hamburger, sieht diesen Schritt als echte Herausforderung: „Die Amerikaner scheuen leider die Wasserkühlung momentan noch wie der Teufel das Weihwasser. In der Vergangenheit hatten sie oft mit Lecktagen zu kämpfen, das hat sich natürlich eingeprägt.“
Dass diese Probleme nicht mehr bestehen, will Dinse mit seinen absolut lecksicheren Schläuchen gerne beweisen. „Europäer nutzen die Wasserkühlung, diese ist zwar etwas teuerer, aber zuverlässiger und leistungsfähiger“, erklärt Kapferer weiter. Die Anforderungen, die John Deere, vor allem bekannt durch die landwirtschaftlichen Traktoren und Erntemaschinen, an Dinse stellte, gingen alle auf. In Bruchsal kommt Dinses flüssiggekühltes REVO.torch-System zur Herstellung der Fahrzeug-Kabinen zum Einsatz. „Der REVO.torch ist ein ganz ganz tolles Produkt. Gemeinsame Laborversuche, um Schweißnähte des Schutzkäftigs noch reißfester zu machen, und deren Resultate haben uns komplett überzeugt“, so der Unit Manager. Zu den Vorteilen zählt Kapferer die sehr gute Zugänglichkeit, endloses Drehen und die Wasserkühlung. Zudem kann das System an jeden Standard- oder speziell angefertigten Roboterbrenner von Dinse angebaut werden. Als weitere zukunftsweisende Entwicklung warten die Schweißexperten bei der Hand-Schweißpistolen-Serie Blackline mit einem neuen Feature auf: Integrierbare Fernregler vereinen Flexibilität und Bedienkomfort auf kleinstem Raum und sind für alle gängigen Stromquellen adaptierbar.
Um auch weiterhin leichtes und präzises Arbeiten zu ermöglichen, werden die verschiedenen Fernregler direkt in die ergonomische, aber gleichzeitig robuste Griffschale eingesetzt. Sie können mit einem up/down-Taster zur stufenlosen Einstellung der Schweißleistung ausgestattet sein oder einen Schalter zum Abrufen von Arbeitspunkten und Schweißprogrammen enthalten. Dadurch wird es für den Schweißer leichter, variabel und anwendungsorientiert die Schweißleistung zu steuern. Das schnelle Abarbeiten komplexer oder immer wiederkehrender Arbeitsschritte wird vereinfacht. Ein in bestimmten Fernreglern zusätzlich integriertes LCD-Display zeigt die Soll- und Istwerte von Schweißstrom oder Schweißspannung an der Schweißpistole an.
Für Dinse ist der Bereich der Hand-Schweißsysteme nach wie vor sehr wichtig, denn hier liegen die Wurzeln des Traditionsunternehmens. Die MIG/MAG-Hand-Schweißgarnituren werden wahlweise gas- und flüssiggekühlt angeboten. Beide Systeme entziehen der Schweißpistole große Wärmemengen – das ist die Voraussetzung für deutlich erhöhte Standzeiten. Das Schutzgas wird den Schweißpistolen grundsätzlich separat zugeführt, somit sind Gasverluste ausgeschlossen.
Intelligent ist auch das System der angepassten Verschleißteile. Die verschiedenen Pistolenvarianten bestehen aus nur wenigen Grundkomponenten, was die Bevorratung von Verschleißteilen beim Anwender reduziert. Je nach Einsatz sind die Gasdüsen, die Kühlmäntel, die Kontaktspitzen und auch die Schraubsockel in unterschiedlichen Längen schnell und flexibel austauschbar. Besonders wichtig ist den Hamburgern der Schutz für Mitarbeiter und Umwelt. Mit integrierten und nachrüstbar aufgesetzten Komplettsystemen der Rauchgasabsaugung werden die Schadstoffe unmittelbar an der Entstehungsstelle abgesaugt.
Für die EuroBLECH im Oktober stellt Dinse wieder innovative Produkte in Aussicht, wobei das Thema Geschwindigkeit eine Rolle spielen wird. Es bleibt spannend.W