von Bernhard Foitzik Anfang Juli beging Baumer IVO in Villingen-Schwenningen den 100. Jahrestag der Ein Unternehmen mit einem Aufwand für Forschung & Entwicklung von neun Prozent des Umsatzes? Ein Unternehmen, bei dem über 12 Prozent der Mitarbeiter in Forschung & Entwicklung arbeiten? Vielleicht tippt man nicht sofort auf einen Sensorhersteller. Bei Baumer IVO, der Motion-Control-Spezialist aus Villingen-Schwenningen, ist das so. Das Unternehmen blickt auf 100 Jahre Firmengeschichte zurück. Gegründet wurde die Zählwerke und Apparatebauanstalt 1910 von Christian Irion und Johannes Vosseler. Bis Anfang der achtziger Jahre lag der Produktschwerpunkt bei Zählern, aber auch das Thema Drehgeber wurde bereits früh aufgegriffen. So wurde 1935 der Ur-Vater des inkrementalen Drehgebers entwickelt. Im Jahre 1976 schaffte das Unternehmen, neben stetigen Zähler-Innovationen, auch im Drehgeberbereich einen Quantensprung. Der weltweit erste absolute Multiturn Drehgeber mit BCD-Schnittstelle wurde entwickelt und zur Serienreife gebracht. 1992 kam der erste getriebelose Multiturn Drehgeber mit serieller Schnittstelle auf den Markt. Spätestens Mitte der Mitte der 90er Jahre, also vor rund 15 Jahren, war die Metamorphose vom Zählerhersteller zum Drehgeber-Spezialisten vollendet. Joachim Acker: „Zähler gibt es immer noch. Aber weit über zwei Dirttel unseres Geschäftes befasst sich mit Drehgebern oder drehgebernahen Produkten." Wir wollen nicht kopieren, wir wollen kopiert werden Der Turnaround hat ursächlich mit der Zugehörigkeit zur Baumer-Gruppe zu tun. Gerne würde Acker über Baumer IVO die Schlagzeile lesen: „Baumer - hochinnovativer Sensorhersteller mit neuen SIL- und Safety-Produkten." In der Tat hat sich Baumer in den vergangenen Jahren zum Spezialisten für absolute Drehgeber entwickelt. Das Unternehmen gehört in diesem Segment zweifelsfrei zu den führenden Anbietern und will diese Stellung weiter ausbauen. Daher auch der hohe F&E-Aufwand. Joachim Acker sagt selbstbewusst: „Es ist nicht unser Anspruch zu kopieren, sondern kopiert zu werden. Wir wollen und wir werden mit unseren Produkten neue Maßstäbe setzen." Baumer IVO hat in den letzten Jahren erheblich in die personelle Entwicklung, die Produktionsmittel und Gebäude investiert. Die Integration in die Baumer Group hat dem Unternehmen zu einem enormen Auftrieb verholfen, den es allein nicht hätte schaffen können. Baumer IVO konnte in der Vergangenheit auf der Vertriebsseite massiv von der starken internationalen Ausrichtung und im Produktionsbereich von den optimierten Prozessen des Baumer Operations Systems profitieren. Wachstum ist das Ziel. Dr. Oliver Vietze, seit 2007 CEO der Baumer Group ist optimistisch: „Wir wollen den Umsatz im Produktsegment Motion Control innerhalb der nächsten vier Jahre verdoppeln. Dies ist ein sportliches aber durchaus realistisches Ziel". Baumer wird auch weiterhin in den Standort Schwenningen, wie auch in die anderen Motion Control Standorte in Deutschland investieren. In einem Ausblick auf die nächsten zehn Jahre Sensorentwicklung fallen Joachim Acker zuallererst die Stichworte „Bauraum" und „Miniaturisierung" ein. Die Medizintechnik nimmt auch auf diesem Sektor eine Vorreiterrolle ein.
Firmengründung. Zum offiziellen Festakt gehörte die Eröffnung einer Ausstellung über
die Firmenhistorie. Rechtzeitig zum Jubiläum sieht Geschäftsführer Joachim Acker
das Unternehmen wieder „auf einem phantastischen Weg."