von Edgar Grundler Spielte Geld keine Rolle, würden sich Bauherren und Architekten wohl noch viel individuellere Dachkonstruktionen einfallen lassen. Schon heute bekommt ein Bauherr beliebig geformte Styroporteile auf Maß gefertigt – produziert auf Sondermaschinen mit Standard-Linearmodulen.
Großformatige EPS-Blöcke selbst herstellen und daraus exakte Styroporteile konfektionieren? Auf den ersten Blick hat das wohl nichts mit Präzisionsmaschinenbau zu tun, auf den zweiten hingegen schon. "Kluth – das Systemdach oder die Dächer der Welt" – unter diesem Motto hat sich das Familienunternehmen Kluth in Barsinghausen innerhalb weniger Jahre zu einem Spezialisten für Gefälledächer aus Leichtmaterial entwickelt. Planung, Produktion und genaue Aufmaß-Konfektionierung kommen dabei aus einer Hand - ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Branche. Um die Qualität der unterschiedlichen Baustoffe sicherzustellen, deckt Kluth die gesamte Prozesskette ab und produziert zum Beispiel das Polystyrol selbst in eigenen Großschäumanlagen in Blockform und bearbeitet diese auftragsbezogen auf mehreren Konfektionieranlagen. Um dies wirtschaftlich, schnell und materialsparend bewerkstelligen zu können, setzen Geschäftsführer Marcus Kluth und seine inzwischen über 30 Mitarbeiter auf Sondermaschinen und Vorrichtungen von Dingeldein & Herbert Maschinen- und Apparatebau. Dieses 1936 gegründete Unternehmen hat sich auf den Anlagenbau für die EPS-Industrie spezialisiert und wird heute von den Brüdern Markus und Christoph Dingeldein geführt.
Bei den Anlagen ist maximale Verfügbarkeit gefragt
Bei den Maschinen und Anlagen handelt es sich zumeist um kundenspezifische Lösungen, die auf Basis von standardisierten Prozessen und mit einem gewissen Anteil an standardisierten Bauteilen und Baugruppen realisiert werden. „Die Anlagen arbeiten grundsätzlich mehrschichtig und müssen deshalb eine maximale technische Verfügbarkeit aufweisen. Dazu kommen Forderungen nach höchster Performance und bester Qualität, weshalb wir nur hochwertige Maschinenelemente verbauen und mit unseren Kunden sowie den Lieferanten sehr eng zusammenarbeiten“, so Christoph Dingeldein. Ein Beispiel dafür ist die Schneid- und Konfektionieranlage für Kluth, mit der die Kapazitäten zur Produktion von Gefälledachplatten vom 300 auf rund 600 m³ pro Tag ausgebaut wurden. Die Blöcke sollten dabei systematisch und ausschließlich auftragsbezogen in montagefertige Dachelemente aufgeteilt und dabei die Schneidbearbeitung weitgehend automatisiert werden. Um die Schneiddrähte automatisch und damit schnell und reproduzierbar präzise sowie ohne Rüstaufwand zu verstellen werden zwei Linearmodule eingesetzt. Sie stellen die einzelnen Schneiddrähte programmgesteuert wahlweise absolut parallel oder bei Bedarf auch schräg (für speziell geformte Platten/Keile) ein. Das Linearmodul basiert auf einem eigensteifen, hochbelastbaren Aluminiumprofil, in welches das Linearführungssystem komplett integriert ist. Das sehr kompakt bauende Linearmodul ist mit Kugelumlaufeinheiten ausgerüstet und hat zwei Führungswagen. Damit lassen sich mittlere Lasten in Verbindung mit hohen Momentenbelastungen um alle drei Achsen mit Geschwindigkeiten bis 5 m/s positionsgenau bewegen und fixieren. Der Antrieb erfolgt mittels Zahnriemen und über einen Bürstenlosen Servomotor.
Linearmodule montagefertig konfektioniert
Die Linearmodule haben bei einer Gesamtlänge von 2.616 mm einen Nutzhub von 2.150 mm. Sie bestehen bis auf die auf Maß abgelängten Profile und Führungswellen aus Standard-Bauteilen bzw. Baugruppen und wurden ab Werk bereits montage- sowie anschlussfertig ausgerüstet. Christoph Dingeldein schätzt die Vorteile der kompakten Linearmodule und der Zusammenarbeit mit INA-Lineartechnik: „Wir haben hier schnell eine technisch sehr gute und praxisgerechte Lösung gefunden. Mit Hilfe von Greifern, die wir am Laufwagen montieren, lassen sich die einzelnen Drähte sehr schnell und reproduzierbar genau verstellen und einstellen, so dass die Schneidanlagen ohne Unterbrechung die EPS-Blöcke in kundenspezifische Dachelemente auftrennen können. Dank der Verwendung von Standard-Linearmodulen konnten wir die Anlagen-Anschlusskonstruktion vereinfachen und der Montageaufwand reduzierte sich ebenfalls.“ Mittlerweile hat sich das Drähte-Verstellsystem bei den Anlagen von Dingeldein & Herbert als Standard durchgesetzt.