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Visions are Reality

Einen Tag vor der „Automatica“ beginnt in München das „International Symposium on Robotics“ unter dem beziehungsreichen Titel: Visions are Reality. Zu den Vision hat A&Q einen der Geburtshelfer der deutschen Robotik befragt, Prof. Dr. Rolf Dieter Schraft.

Gerade fand am IPA eine kleine Tagung mit dem Titel „Inspiration Robotik“ statt. Braucht die Robotik Inspirationen oder inspiriert die Robotik andere?

Die Komplexität, die man beim Menschen gratis bekommt, muss man sich am Roboter Schritt für Schritt erarbeiten.

Besteht denn Hoffnung auf Besserung?

Auf jeden Fall. Man muss sich nur ein paar Fragen stellen: Ist es sinnvoll? Was wollen wir damit erreichen? Die Frage, wie lange es dauert, müssen Sie dann einem Hellseher, nicht einem Wissenschaftler stellen.

Ein Paradebeispiel für den Kampf zwischen Entwicklung und Praxis ist sicher der „Griff in die Kiste“. Was bewegt Sie, wenn Sie das Thema hören?

Darüber reden wir seit 40 Jahren. Das machen inzwischen auch viele. Vielleicht haben wir die Aufgabe zunächst zu sehr unter dem Blickwinkel des Roboters gesehen. Heute ist es eine Kombination aus Software, Bildverarbeitung und Greifer. Als Mensch kann ich alles greifen von der Nähnadel bis zum Achsschenkel. Versuchen Sie einmal, das innerhalb eines vernünftigen Kostenrahmens einem Roboter beizubringen.

Sie reagieren ja heute noch emotionsgeladen auf das Schlagwort…

Mein lieber Mann, was hat man nicht alles entwickelt in dieser Zeit. Man hat heute Geräte, von denen haben wir in den Anfangsjahren nicht geträumt. Man hat Stückzahlen, die wir nicht angenommen hatten. Man hat aber auch bestimmte Probleme unterschätzt. Natürlich baut man heute Greifer mit mehreren Fingern. Aber können die greifen wie ein Mensch? Gerade die Themen Sensorik und Intelligenz haben wir, finde ich, total unterschätzt. Was in Spezialbereichen funktioniert, lässt sich im Alltag nicht bezahlen. In der Formel 1 dauert ein Reifenwechsel wenige Sekunden. In der Praxis eine Stunde. Daran wird aber auch deutlich, dass es auf die Peripherie ankommt. Wenn ich von vornherein auf eine automatisierungsgerechte Umgebung achte, dann lässt sich viel machen.

Eigentlich sind Sie im Ruhestand. Was bewegt Sie, einen Job wie den Vorsitz des ISR Organisationskomitees anzunehmen?

(lacht) Stimmt, ich mache noch viel, aber nur Dinge, die mir Spaß machen. Das ist der Unterschied. Heute bin ich Herr über meinen Kalender. Ich bin ja nicht zum ersten Mal an der Organisation beteiligt. Nach dem zweiten ISIR, das stand damals für International Symposium on Industrial Robotics, bin ich mit meinem Kollegen Prof. Warnecke durch die USA gereist – wohlgemerkt ohne Handy und Internet. Wir haben uns jede Roboterapplikation angeschaut, von der wir Kenntnis bekamen. Seither waren wir die Roboterexperten, einfach weil es niemand anderes gab, der mehr Roboter gesehen hatte. Schon damals entstand im Rahmen des IPA ein Beratungszentrum für den Mittelstand.

Moment, erst im vergangenen Jahr wurde das mit erheblichen Mitteln geförderte SME-Projekt abgeschlossen, dem Namen nach eindeutig ein Mittelstandsprojekt. Hat sich denn gar nichts getan?

Die Idee, Roboter in der mittelständischen Industrie anzusiedeln, ist gewiss nicht neu. Aber das ist ja auch ein riesiges Feld. Eine Schweißaufgabe zu automatisieren – da brauche ich nicht lange zu argumentieren. Wenn Sie aber eine Montage haben, dann ist das immer noch verdammt schwer. Wenn Sie Motoren herstellen: das geht. Wenn Sie Kleider nähen wollen, dann haben Sie alle Probleme der (Automatisierungs-)Welt.

Nach Zählung der IFR ist es das 41. Internationale Roboter Symposium. In der Fülle der Arbeiten gab es doch in der Vorbereitung sicher auch Überraschung. Welche denn?

Das Programm ist inzwischen ein Mordsteil. Was mich am meisten überrascht hat, ist die enorme Resonanz. Wir haben 245 innerhalb der Frist angeboten bekommen. Wir haben uns nun auf 160 Vorträge geeinigt. Einen weiteren Teil haben wir in Postersessions verlegt.

Ein spannender Vorschlag von Ihrer Seite?

Spannung verspricht sicher die Videosession. Da laufen die Vorbereitungen noch bis zum letzten Tag, so dass wir eigentlich nicht genau sagen können, wer wirklich präsentiert. Die Videosession werde ich mir aber auch deswegen anschauen, weil es nach der Besichtigung vor Ort die zweitbeste Möglichkeit ist, eine Anlage oder einen Versuchsaufbau in Augenschein zu nehmen.

Und auf der Konferenz selbst?

Da schlugen wir in der Vorbereitung wieder Schlachten von gestern. Was seit den ersten Veranstaltungen beklagt wurde und wird, ist der immer noch zu niedrige Anteil an praxisbezogenen Vorträgen. Aber das ist auch das Dilemma: Wenn Firmen präsentieren, besteht eben die Gefahr eines vertriebsorientierten Vortrages. Den könnte man umgehen, indem man tatsächlich Anlagenbetreiber referieren lässt. Doch wenn der ein Anlage hat, die super läuft und Kosten einspart, will er nicht unbedingt den internationalen Wettbewerb aufmerksam machen.

Welchen Vortrag werden Sie sich auf jeden Fall anhören?

Ein paar Sachen habe ich mir im Programm schon angekreuzt. Mich interessiert weniger, ob ein Roboter zehn Prozent schneller läuft. Das fällt bei mir unter die Rubrik „inkrementelle Weiterentwicklung“ – ohne dass ich den Entwicklern damit auf die Füße steigen will. Spannend wird sein zu sehen, was sich im Bereich „human robot cooperation“ tut. Da hat ja das IPA auch ein paar Projekte gemacht. Und das ist ein Gebiet, wo die international vertretenen Institute große Geschütze auffahren.

Das IPA hat immer sehr industrieorientiert entwickelt. Ein humanioder Roboter war jedenfalls nicht dabei.

Ich habe von diesen Entwicklungen wenig gehalten und das Thema deshalb auch nicht forciert. Wenn man nur entwickelt, was man hinterher auch direkt verkaufen kann, dann wird man sich bei den großen Würfen schwer tun. Aber heute muss man die Entwicklung humanoider Roboter im Auge behalten. Deswegen werde ich mir einschlägige Vorträge anhören. Egal um welches Thema es geht, ob Laufroboter oder Green Automation: Alle Möglichkeiten auszuschöpfen war schon immer die Aufgabe eines Ingenieurs. Und trotzdem muss man nicht jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf treiben.

Das ISR ist eine eher wissenschaftliche Veranstaltung, die parallel stattfindende „Automatica ist eine Veranstaltung „State of the Art“. Was würden Sie an dieser Kombination verändern wollen?

Theorie und Praxis treffen aufein-ander. Was soll daran schlecht sein? Zielgruppe auch des ISR, früher ISIR, war immer die Industrie. Dort sollen schließlich die Entwicklung auch landen, wenn sie nicht ohnehin schon von der Industrie angestoßen sind. Wir haben jetzt in der Organisation darauf geachtet, dass wir das Symposium modular aufbauen, so dass man das Symposium auch halbtageweise besuchen kann. Ob das eine gute Idee ist, wird unsere Auswertung zeigen, denn wir werden die ISR-Besucher per Fragebogen direkt befragen.

Wer eine Lösung sucht, der muss auf die Messe. Wer wissen will, was in Zukunft auf die Messe kommt, der muss zum Symposium. Wenn es uns gelingt eine große Schnittmenge von Messebesuchern und Tagungsteilnehmern zu finden, sind wir zufrieden.

www.ipa.fraunhofer.de



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