Beim Retrofitting wird die Wiederverwendbarkeit von Anlagen-Komponenten vehement eingefordert. Jedoch bringt oftmals erst der Austausch durch leistungsfähigere Komponenten die geforderten Zuwächse an Produktivität und Wirtschaftlichkeit.
Die Anforderungen an die Montagetechnik haben sich in den vergangenen zehn Jahren drastisch gewandelt. Der Ursachen dafür sind viele, wie zum Beispiel enorme Erhöhung der Anzahl an Varianten, erheblicher Rückgang an Chargengrößen und Stückzahlen pro Auftrag, Lieferung nach JIT-Kriterien, maximale Umrüst-, Nutzungs- und Anwendungs-Flexibilität bei Produkt- und Stückzahländerungen, besagte Wiederverwendbarkeit und schließlich auch der Zwang zum Kosten sparenden und gleichzeitig ertragreichen Investment. Diese Quadratur des Kreises hat dazu geführt, dass sich der klassische Sondermaschinenbau neu aufstellen musste. Nämlich dahingehend, weniger selbst zu machen, sondern sich auf die Kernkompetenzen für Funktionen und Prozesse zu konzentrieren, und ansonsten auf am Markt erhältliche Qualitäts-Komponenten zu setzen. So weit so gut. Was aber geschieht denn, wenn die vorhandenen Montageanlagen in die Jahre kommen, einzelne Subsysteme zwar noch brauchbar wären, wesentliche Komponenten jedoch ausgetauscht werden müssen, der ehemalige Lieferant nicht mehr oder in einer anderen Form existiert, die Ersatzteilversorgung sowie der After-Sales-Service und damit irgendwann auch die technische Verfügbarkeit der Montageanlage in Frage gestellt ist? Dann trennt sich die Spreu vom Weizen und es ist an der Zeit, sich eine neuen Lieferanten zu suchen, der mit einem buchstäblich durch Dick und Dünn geht. So geschehen beim bekannten niederländischen Automotive-Zulieferer MCi in NL-Montfoort, einem so genannten Tier 2 Supplier für Verstellsysteme von Kfz-Innen- und Außenspiegeln. MCi produziert außer in den Niederlanden auch in Irland, Mexiko und China. Jährlich stellt das Unternehmen über 40 Millionen Spiegel-Verstellsysteme in unzähligen Varianten her.
Modernisierung einer Montageanlage
Angesichts der Stückzahlen sind die dafür benötigten Montagemaschinen vergleichsweise stark belastet. Zudem muss MCi die Anforderungen der Kunden aus der Automobil-Industrie bezüglich höchster Qualität, maximaler Lieferfähigkeit und Kosten-Reduktionen erfüllen. Trotz dieser Vorzeichen muss auf Dauer die Wirtschaftlichkeit und Ertragskraft gewährleistet sein. Hinsichtlich der Montageanlagen bedeutet dies zum Beispiel, durch geeignete Maßnahmen die Taktzeiten zu reduzieren, damit den Ausstoß zu erhöhen, gleichzeitig die Qualität sicherzustellen, und ohne größere Investitionen die Produktionskapazitäten nicht nur zu erhöhen, sondern auch flexibler denn je zu gestalten. Das war im Werk Montfoort im Fall einer Montageanlage für Spiegel- Verstellsysteme aber leichter gesagt als getan. Denn als der Entschluss fiel, die Montageabläufe und damit Montageanlage auf den Prüfstand zu stellen, war schnell klar: Für die Handhabung und für die Zuführtechnik verschiedener Bauteile müssen neue Handling- und Zuführsysteme beschafft werden, wobei der frühere Lieferant von vornherein ausschied. Der Analyse folgten die Vorprojektierung und schließlich die Evaluation.
Am Ende blieben zwei potenzielle Lieferwerke übrig. Jedes erhielt einen Auftrag für einen Prototyp zur Erprobung und am Ende ging Afag als Sieger vom Platz. Die Vertretung von Afag in Niederlande, Indusys, konnte die Verantwortlichen von MCi nicht nur durch das komplette Liefer- und Leistungsprogramm von Afag, sondern auch in Bezug auf die Systemlösungskompetenz in der Zuführtechnik vollends überzeugen. Denn eine Schwierigkeit lag darin, die vorhandenen Handlingeinrichtungen durch neue, flexiblere, viel dynamischere und trotzdem „quasi kompatible“ Handlingmodule zu ersetzen, und zwar ohne allzu großen Umrüst-, Zeit- und Kostenaufwand. Jedoch bestand eine weitere Herausforderung darin, für verschiedene kritische Montagekomponenten wie Federn sowohl neue Zuführ- als auch weitergehend die Handling- und Fügetechnik zu erstellen, wobei auch diese einfach zu integrieren sein sollte.
Ersatz mit Performance-Turbo
Nachdem „gebrannte Kinder“ auch in den Niederlanden das Feuer scheuen, führten MCi, Indusys und Afag mehrere Versuche durch, implementierten eine Testeinheit und nach erfolgreicher Erprobungsphase erging der Auftrag für insgesamt acht Zuführsysteme und 16 pneumatische Pick-and-Place-Handlingsysteme an Afag. Die Zuführsysteme für die wie erwähnt kritischen Montagebauteile basieren sowohl auf der herkömmlichen, bewährten als auch auf der Afag-eigenen innovativen Fördertopf-Technik. Zu den acht Zuführ-Subsystemen wiederum gehören acht entsprechende Pick-and-Place-Handlinggeräte und die restlichen acht Pick-and-Place-Handlinggeräte ersetzen in mehreren Automatikstationen der Montageanlage ältere pneumatische Handlinggeräte.
Die neuen Pick-and-Place-Handlinggeräte sind ebenfalls pneumatisch betrieben und bestehen jeweils aus Linearmodulen für die Achsen Querweg Y und Hubweg Z, Rotationsmodulen zum Schwenken und Drehen sowie in Kombination dazu Greifmodulen oder kombinierte Greif-/Drehmodule. Dazu wurde das erforderliche Zubehör wie Verbindungselemente, Anschläge und Sensoren geliefert, so dass die Pick-and-Place-Handlinggeräte als komplette Einheiten bzw. als einfach zu installierende Bausätze zur Auslieferung kamen. Die neuen Handlinggeräte von Afag ließen sich relativ einfach einfügen und anschließen, und selbiges gilt natürlich auch für die Zuführsysteme mit den zugehörigen Handlinggeräten, die als anschlussfertige Subsysteme zu implementieren waren.
Angepasste Standardlösung
MCi äußert sich nach dem mehrmonatigen Einsatz der gezielt modifizierten Montageanlage für die Spiegel-Verstellsysteme äußerst löblich über die Handlingmodule und die Zuführsysteme sowie die Beratungs- und Servicequalität der Lieferanten. Dazu führte der Projektleiter von MCi, Ron van Moorselaar, aus: „Das gesamte Konzept von Afag mit der nachgewiesenen Kompatibilität, den garantierten 40 Millionen Lastwechseln, der sehr hohen Genauigkeit und der gelieferten Qualität der Handlingmodule und Pick-and-Place-Handlinggeräte überzeugt uns jeden Tag." Nach Aussagen des Betreibers konnten die Taktzeiten minimiert, der Produktausstoß gesteigert, die Qualität verbessert und die Anwendungs- sowie Nutzungs-Flexibilität erhöht werden. Einen großen Anteil an der erfolgreichen Modernisierung sowie an der besseren Performance der Montageanlage haben auch die acht sehr gut funktionierenden Zuführsysteme, die sich durch eine kontinuierliche und weitgehend störungsfreie Zuführung der Montageteile auszeichnen. Weniger Störungen bedeuten eine kontinuierliche Montage und die Einhaltung von Lieferterminen und Wirtschaftlichkeitsvorgaben, was in unserem Geschäft ganz wesentlich ist. Van Moorselaar: "Der Erfolg mit den Afag-Produkten und die kompetente Vertretung Indusys bestärken uns darin, auch künftige Automatisierungs- und Ratio-Projekte mit diesen Partnern durchzuführen."